Posts mit dem Label Kunst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kunst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

15. Dezember 2022

Daugavpils und die Kunst

Daugavpils, die zweitgrößte Stadt Lettlands, eröffnete 2013 voller Stolz das "Mark-Rothko-KunstZentrum", und verfügt seitdem endlich über einen kulturellen wie auch touristischen Anziehungspunkt, der auch international funktioniert. Das Daugavpils Mark Rothko Art Center befindet sich im historischen Artillerie-Arsenalgebäude der Festung Daugavpils, das 1833 erbaut wurde. Für viele kulturinteressierte Lettland-Besucher/innen wurden Ausstellungen an diesem Ort zum einzigen Grund, ihre Reiseroute auch in diese Region zu verlegen.

Laut Eigenwerbung ist das Museums "der einzige Ort in Osteuropa, wo es möglich ist, die Werke des in Daugavpils geborenen weltberühmten amerikanischen Künstlers, des Begründers des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei Mark Rothko (1903-1970) in einer erweiterten Ausstellung kennenzulernen."

So weit, so gut. Seit dem 28. Oktober läuft nun im Mark Rothko Center unter anderem eine Ausstellung des estnischen Keramikkünstlers Sander Raudsepp. Der stammt von der estnischen Insel Saaremaa und beschreibt auf seiner Webseite seine Arbeitsweise wiefolgt: "Ich lasse mich inspirieren von unangemessenen Witzen, Verschwörungstheorien, Psychedelika, Missverständnissen aus der Kindheit, Leben und Tod, Religion und zufälligen Duschgedanken."

Auf Druck religiöser Gruppen wurden nun auf Veranlassung der Stadtverwaltung drei Kunstwerke aus der laufenden Ausstellung entfernt. So, wie es in den lettischen Medien formuliert wurde, sei der Stein des Anstosses eine Kombination aus einem "christlichen Kreuz und männlichen Genitalien" (lsm) Die Werke stünden für "Hass gegen das Christentum", so sahen es Jānis Bulis (Kath. Kirche Rēzekne), Einārs Alpe (Ev.-Luth. Kirche Daugavpils) und Andrejs Sokolovs (Orthodoxe Kirche, Vorsitz des Zentralrats der Altgläubigen). (Latvijas Kristigais Radio)

Aber es gibt auch Protest gegen dieses Vorgehen. Die Vereinigung lettischer Museen (Latvijas muzeju biedrība) wandte sich in einem offenen Brief an u.a. Kulturminster Puntulis und den Bürgermeister von Daugavpils und spricht von "Zensur". Verlangt wird auch, dass die drei entnommenen Stücke in die Ausstellung zurückkehren müssten (lsm) Die lettische PEN-Vereinigung zitiert eine Aussage des stellvertretenden Bürgermeister von Daugavpils, Aleksejs Vasiļjevs, mit den Worten: die drei Kunstwerke seien provokativ, und die Gesellschaft von Daugavpils sei nicht bereit dafür. - Wenn das ein Maßstab sei, dann müsse darauf hingewiesen werden, dass zu Zeiten, als die Werke von Mark Rothko enstanden, die Gesellschaft ebenfalls nicht bereit dafür gewesen sei. - Vasiljevs dagegen hatte behauptet, die Entnahme von Kunstwerken aus der Ausstellung sei "keine Initiative des Stadtrats Daugavpils" gewesen, könne also nicht als "Zensur" bezeichnet werden, sondern als "Wunsch der Einwohner." (jauns)

Ab sofort heißt es dann wohl "das Beispiel von Daugavpils mahnt". Nur: vor oder an was? Wo die einen zu großen Einfluß der russisch-orthodoxen Kirche speziell in Daugavpils vermuten, sehen die anderen die Notwendigkeit von Diskussionsveranstaltungen und Bildungsangeboten rund um solche Ausstellungen. Manche sehen auch schlichtweg die "Wiederkehr von Zensurmethoden der Sowjetzeit". Wieder andere befürworten spezielle Ausstellungsräume mit Warnhinweisen vor dem Betreten, oder Ausstellungen, die erst ab 18 Jahren zutrittsberechtigt sein könnten. Den Aussagen von Māris Čačka zufolge, der das Rothko-Zentrum leitet, sei der betroffene Künstler selbst "nicht überrascht" über den Vorgang in Daugavpils gewesen - zwar sei ihm Ähnliches in Estland noch nicht passiert, aber schließlich kenne er ja das Umfeld der baltischen Staaten. (ritakafija)

Jānis Vanags, Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Lettland, befürwortet eine Diskusion um "Grenzen der Kunst". (lsm) Edgars Raginskis dagegen, Kulturjournalist und Komponist, eigenen Angaben zufolge "cenzūras pētnieks" (Zensurforscher), beruft sich auf die lettischer Verfassung, der zufolge Zensur untersagt sei. "Und zwar unabhängig davon, ob etwas gefällt oder nicht gefällt", meint er. Außerdem seien eben Kirche und Staat per Verfassung getrennt. Die Behauptung „die Gefühle von Gläubigen seien verletzt“, das sei eben auch eine gut aus Russland bekannt Vorgehensweise, die nur zu einem totalitären, kriminellen Regime passe.

7. Oktober 2021

Frauen an der Wand

Stellen Sie sich mal vor, Sie machen einen Spaziergang durch Riga. Nein, diesmal nicht durch die Altstadt, sondern zum Beispiel durch die Akas iela in der nördlichen Innenstadt, die keinerlei auffällige Sehenswürdigkeiten bietet und Rigas Gäste daher wohl eher zufällig durchqueren werden. An einer Hauswand ein Wandbild. "Oh," werden Sie vielleicht denken, "wie schön, auch in Riga gibt es immer mehr Platz für die Kunst, und nicht nur staubige Straßen und graue Hauswände." Und falls Sie dann noch Lettisch verstehen, werden sie rechts unten, zusätzlich zur Signatur des Künstlers, von der Stiftung "Kunst braucht Platz" ("māksla vajag telpu") erfahren, und vielleicht denken: "ganz genau - mehr davon!" 

Und wenn Sie dann, inspiriert von Ihrem Besuch in Riga, wieder zu Hause sind, lesen Sie vielleicht (spätestens in diesem Moment!) davon, dass in Riga ein Wandgemälde sehr viel Kritik ausgelöst haben soll. Und Sie stellen mit Überraschung fest: was? Genau dieses?

Nun gut, wir geben zu: auch in Riga sind inzwischen viele Häuserwände mit penetranter Werbung ausgestattet, und die fallen bei jedem Spaziergang viel mehr auf. Ich käme nicht auf die Idee, mit einem Antrag an die Stadtverwaltung könnten diese teilweise dümmlichen Sprüche verboten werden. Das umstrittene Werk war immerhin eine Auftragsarbeit, und nicht das Ergebnis einer Nacht-und-Nebelaktion. 

Das Kunstwerk trägt den Titel “Veltījums Džemmai Skulmei” (Widmung an Džemma Skulme), eine der bekanntesten lettischen Künstlerinnen und Leitfigur der lettischen Unabhängigkeitsbewegung, die vor zwei Jahren, im Alter von 94 Jahren, verstarb. Grundlage für das Wandbild des Künstlers Kristians Brekte seien Kinderzeichnungen gewesen, so wie sie auch Skulme häufig in ihren Werken verwendet habe - speziell in den beiden Bildern “Atgriešanās” un “Modelis” (lsm). Brekte ergänzt sein Kunstwerk mit einem Satz, der in Leuchtbuchstaben anmontiert ist:  “Mēs esam kā sliekas, kurām jāirdina augsne” ("wir sind wie Regenwürmer, die den Boden lockern müssen")

Die Kritiker jedoch verweisen vor allem darauf, dass die Wand des mit dem Kunstwerk bereicherten Gebäudes zu einer Mittelschule gehöre (Rigas 40.vidusskola). Fast 5.000 Unterstützer/innen unterschrieben eine Forderung, das Gemälde von der Wand wieder zu entfernen (manabalss.lv / jauns.lv / LA). Im Text dieses Aufrufs ist von "kindertraumatischen Texten mit erotischen Elemente" und "Andeutungen von Tod, Sexualität und möglicherweise Satanismus" die Rede. Im lettischen Kinderschutzgesetz sei außerdem festgelegt, dass ein Kind "keinen Zugang zu Materialien haben darf, die grausames Verhalten, Gewalt, Erotik, Pornografie fördern und die geistige Entwicklung des Kindes gefährden." 

Dem widerspricht der lettische Bürgerrechtsbeauftrage (Latvijas Republikas Tiesībsargs) Juris Jansons. Sein Urteil, auf einen Satz verkürzt zusammengefasst: "ein Kunstwerk ist nicht allein deshalb rechtswidrig, nur weil Kinder die darauf dargestellten Zusammenhänge und Assoziationen nicht gänzlich verstehen." Jansons verweist allerdings auch darauf, dass eine endgültige Entscheidung natürlich nur der Stadtrat Riga treffen könne. - Doch die Brekte-Hasser geben keine Ruhe: inzwischen liegt eine Klage gegen ein anderes Brekte-Kunstwerk vor, und wieder lautet die Anklage auf angebliche "Pornographie". (apollo.lv) Katrīna Jaunupe, Leiterin des Projekts "Māksla vajag telpu" bezeichnet diese Vorwürfe als "absurd": "Kunst hat eine ganz andere Aufgabe, sie ist keine Werbung, sie ist kein Merkblatt, das uns etwas lehrt, sie ... hat die Aufgabe, zum Nachdenken anzuregen."

Journalistin Ulrika Jefremova besuchte für das Portal "Apollo.lv" die Schule und gibt Reaktionen der Kinder wieder. Aber auch deren Antworten, ganz kindgemäss, führen nicht zur Beruhigung der Debatte. Antworten auf die Frage, was den Kindern gefalle, lauten etwa "diese Frauen". Oder "ich mag es gerade deshalb, weil es ungewöhnlich ist," zitiert Jefremova einen Schüler der 7.Klasse. 

An der Kunstakademie hatten derweil Studierende und Lehrkräfte ein Plakat zur Unterstützung ihres Kollegen angebracht - auf dem Plakat war Brektes Bild "Lietuvēns" zu sehen. Wenige Tage später fanden sich von dem Plakat nur noch verbrannte Reste (Apollo.lv / Twitter). Inzwischen wurde auch das Wandkunstwerk selbst mit Farbbeuteln verunziert (apollo.lv). Das provoziert andere wiederum zu der (rhetorischen) Frage: Was kommt al nächstes? Bücherverbrennung? "Nun ja," schreibt Journalist Aivars Ozoliņš lakonisch, "im Unterschied zur Wissenschaft, wo es im Krankenhaus enden kann wenn man Gravitation oder Elektrizität ignoriert - passiert eben gar nichts wenn man behauptet, ein bestimmtes Kunstwerk sei schlecht. (IR)

Kristians Brekte ist nicht nur anerkannter Künstler und Bühnenbildner, sondern auch Dozent an der Lettischen Akademie der Künste, inzwischen auch Leiter der Abteilung Malerei. Anlässlich ihres 90.Geburtstags hatte Džemma Skulme noch selbst gesagt: "Kunst kann nie zu viel sein" (Diena)

15. März 2018

Eine der größten Sammlungen lettischen Kunst vor dem Aus?

Eigentlich sollte das neue lettische Museum für Gegenwartskunst längst fertig sein (Laikmetīgās mākslas muzeja LMM); Planungen gibt es seit über 10 Jahren, momentan gibt es Träume es Ende 2021 eröffnen zu können. Eine Stiftung (Latvijas Laikmetīgās mākslas muzeja fonds) sollte im Zusammenspiel mit dem lettischen Kulturministerium den Bau aus weitgehend privaten Mitteln sicherstellen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 hat die Stiftung, eigenen Angaben zufolge, bereits 741.243 Euro an Mitteln für 90 andere Projekte moderner Kunst zur Verfügung gestellt (ablv).

Stadtentwicklungsträume

Das ambitionierte Bauprojekt versteht sich auch als Aufwertung eines neuen Stadtteils: eigentlich ist es "Skanste" - bisher eine Mischung aus Hafenrand, Stadtrand und Ausfallstraßen. Die Planer nennen das Gebiet zwischen Hanzas iela, Pulkveža Brieža iela, Skanstes iela und Sporta iela inzwischen lieber "Neue Hansa City".

"Das verbessern, was nicht kaputt ist" - Motto eines
ABLV-Symposiums im Jahr 2016 - das aus heutiger Sicht
nicht gerade optimistisch klingt 
Es gibt noch einen weiteren Akteur: die "Boris and Ināra Teterev Foundation", von einem Unternehmerehepaar gegründet und mit einer Repräsentantin, von der man annehmen könnte, sie habe alle Phasen der modernen lettischen Kunst fast selbst geprägt:  Kunstkritikerin, Kuratorin und Ex-Kulturministerin Helēna Demakova.

Gesammelte Kunst - nun ohne Heimat?

Nun aber plötzlich der aktuelle Skandal um die lettische ABLV-Bank. Zunächst kamen die Anschuldigungen, über diese Bank seien Geldwäsche-Geschäfte gelaufen, unter anderem mit Bezug zu Nordkorea, dann kamen Korruptionsvorwürfe dazu. Die Europäische Zentralbank gab die Bank auf, schließlich beschloss sie die Selbstauflösung. Inmitten des ganzen Hin- und Her, auch die Diskussionen um den Zustand anderer lettischer Banken - eines ist inzwischen klar: in Kürze wird es diese Bank nicht mehr geben. Neben 971 Bankangestellten bleibt auch für über 1200 Kunstwerke eine unsichere Zukunft.

Ex-Ministerin Demakova hatte 2009 ihr Amt aufgeben müssen, als die große Wirtschaftskrise losbrach. Damals konnte zwar der Neubau der Nationalbibliothek gerade noch angestossen werden, aber zwei weitere Großprojekte, der Bau eines neuen Konzertsaals, und eben die für das LMM wurden vorläufig gestoppt.
Da schien das bereits 2005 geschlossene Abkommen mit der ABLV-Bank (gegründet 1993 als "Aizkraukles-Bank") ein geradezu idealer Rettungsanker sein: die Bank versprach im Laufe von 10 Jahren 1 Million Lat (0,7 Mill. Euro) zum Aufbau einer entsprechenden Kunstsammlung zur Verfügung zu stellen. Dem entsprechend wurde seitdem ein großer Teil der bisherigen Planungen zu einem Lettischen Museum für Moderne Kunst eben durch die ABLV-Bank gestützt: große Kunst-Symposien, internationale Konferenzen, sogar die Möglichkkeit eines virtuellen Vorab-Rundgangs in einer zukünftigen Ausstellung wurde geschaffen, um die Idee anschaulicher zu machen.  Und es wurden Kunstgewerke aufgekauft und gesichert, um sie später im neuen Museum zugänglich machen zu können.

Ein Bild aus dem Jahr 2014: Unternehmer und die
ABLV-Bank versprechen alles selbst zu zahlen - da
strahlt auch Kulturministerin Melbarde (links)
Wie die Redaktion der lettischen Fernsehsendung “Kultūršoks" jetzt herausfand, wäre es völlig unklar, was mit der Bildersammlung im Falle eines Bankrotts der Bank (der so gut wie feststeht) geschieht. Etwa 400 Arbeiten sollen im Besitz des Kulturministeriums sein, Wert: 5,87 Mill. Euro. Weitere 1200 Werke für insgesamt 830.000 Euro sollen sich im Besitz der ABLV-Stiftung befinden. Die meisten der Künstlerinnen und Künstler, die Werke an die Bank verkauft haben, taten das in dem festen Glauben, damit die Sammlung des Museums zu bereichern.

Das Abkommen mit der ABLV-Bank wurde 2014 dahingehend geändert, dass nun der Museumsneubau komplett aus privaten Mitteln erfolgen solle - und nicht etwa aus Mitteln des Staates oder der Stadt Riga. Aber einer der Paragraphen sagt es klar: kein Museumsbau, keine Kunstwerke. Niemand würde es verhindern können, wenn jetzt die Kunstwerke im Sinne der Gläubiger der Bank verkauft würden.Jedenfalls ist der Bau eines Museums für Moderne Kunst in Riga derzeit unsicherer denn je.

14. Februar 2018

Philosoph mit Kamera

Man konnte ihn manchmal auf den Straßen Rigas herumspazieren sehen, denn "Altriga" (Vecrīga) war eines seiner Themen, im Fokus einer Langzeitbeobachtung: von 1969 bis 2007. Ein weiteres seiner Projekte hieß "Dzīve kā realitāte" (Leben als Realität), 530 Fotos aus den Jahren 1971 bis 2013. Oder zum Beispiel: "Lidojums" (der Flug) mit Ansichten Lettlands aus der Vogelperspektive.

Ich habe Vilhelms Mihailovskis, geboren 1942 in Kostjantyniwka, einem Gebiet der heutigen Ost-Ukraine, Sohn eines Polen und einer Russin, als äußerlich ruhigen, bedächtigen, gelassenen Menschen kennengelernt. So wie jemand, der genau hinschaut, ein "fotografischer Blick" eben, auf Details gerichtet und besondere Situationen. Nach dem Armeedienst und einem Studium an der Technischen Hochschule nutze er die Möglichkeiten seiner Heimatstadt, einem Zentrum der glasverarbeitenden Industrie, und kam so auch zu "Latvjas Stikls" nach Riga. Seit 1969 ist Mihailovskis als Fotograf in Lettland aktiv.

Seine Auszeichnungen und Preise als Fotograf aufzuzählen ist müßig - vielleicht zeugen sie davon, dass er vielleicht international mehr Anerkennung hatte als in im "neuen Lettland" nach 1990. Zwar war die Bewunderung für seine Fotos ungeteilt, aber er war kein Teil der "etablierten" lettischen Kulturelite, die sich nach 1990 so gern die Aufträge gegenseitig zuschob - die schöne lettische Bezeichnung vom "Brīvmākslinieks" (freier Künstler) trifft auf ihn absolut zu. Aber er war auch keiner von denen, die ihr Russisch-Sein vor sich hertragen; er war integriert im modernen Lettland, kann man wohl sagen. Fotografien von ihm finden sich sowohl im lettischen Fotografie-Museum, im Kinomuseum, wie auch im Museum für Geschichte.
Die lettische Dichterlegende Ojārs Vācietis,
fotografiert von Vilhelms Mihailovskis
Die Stadt Riga verlieh Mihailovkis 2007 einen Preis für seine vielen außerordentlichen Fotografien von bekannten Persönlichkeiten der Stadt. Insgesamt erlebte Mihailovskis über 50 Ausstellungen seiner Werke, 11 Bücher mit seinen Fotos wurden produziert.

Ebenfalls sehr besonders seine Fotoserie “Manas 365 dienas” (meine 365 Tage): ganz besondere Tage, im Jahr 1999, als Abschied vom alten Jahrtausend, jeden Tag ein neues Foto. Die Tageszeitung DIENA formuliert es so: "Das Leben von Vilhelms Mihailovskis war wirklich groß, sowohl was seine Leistungen angeht, wie auch seine Geistesgröße. Gott gab ein Talent für die Fotokunst, und eines für die Lebensweisheit. Nun hat Gott den Menschen zurückgenommen - den wir immer schon als Bestandteil Lettlands höchster Kulturlandschaft gesehen haben." Vilhelms Mihailovskis starb am 23. Januar 2018 in Riga.

Webseite Vilhelms Mihailovskis --- Worldpressphoto --- Russen in Lettland --- Photoisland (russ.) --- Fotomuseum Riga --- fold.lv --- youtube (russ.)

20. April 2017

Der Liederhauer

Skulpturen des "Dainu kalns" (Liederbergs) auf
dem Gelände der Burg Turaida nahe Sigulda
Dieses Highlight eines Lettland-Besuchs möchte kaum ein Tourist verpassen mögen:spätestens wenn der Jugendstil in Riga besichtigt, der Stop in Rundale absolviert, und der Strand von Jūrmala erkundet ist, wenden sich die Wege nach Sigulda, zur Gutmanis-Höhle und zum Nationalpark im Gauja-Tal. Dort, einen kurzen Spaziergang nur von der Burg Turaida entfernt, stehen die bekanntesten Werke des lettischen Bildhauers Indulis Ranka: 26 Skulpturen mit Themen der lettischen Liedersammlungen, der "Dainas". Kein in staatlichem Auftrag erstelltes Pathos ist hier zu besichtigen - obwohl bereits 1985 eröffnet.
Indulis Ranka, vor seiner
Werkstatt in der Amulas iela
Die Idee entstand aus dem Briefwechsel des Bildhauers mit der damaligen Direktorin des Heimatmuseums in Sigulda, Anna Jurkāne. Fünf Jahre lang wurde überlegt, welche Themen, welche Aufstellungsorte, welche Szenen am besten im Einklang mit der umgebenden Natur stehen würden. Dann allerdings wurde dieser symbolische Ort lettischen Kulturguts auch zum Treffpunkt derer, die Freiheit und Unabhängigkeit im Sinn hatten. Die Eröffnung fand am 7. Juli 1985 statt, zum 150. Geburtstag von Krišjānis Barons, dem Liedersammler, der den Dainas einen eigenen Schrank baute. 1988 fand das erste Folklorefestival "Baltica" hier statt, und erstmals nach langer Zeit war auch wieder die lettische Fahne gezeigt. 

Indulis Ranka beschäftigte sich, nachdem er in den 1950iger Jahren die Kunsthochschule abgeschlossen hatte, zunächst mit Malerei und Grafik. Aus dem Jahr 1966 sind seine ersten Skulpturen aus Granit bekannt. "Wenn unwiderstehliche Kraft auf unbewegliche Objekte trifft" - dieses Motto hat eine Webseite gewählt, die sein Andenken ehren will. Und tatsächlich: manche seiner Werke sehen so aus, als hätten riesige Finger einfach mal ein wenig im weichen Ton gespielt und so Figuren geformt. Können Steine schmelzen? Wenn, dann unter den kräftigen Händen von Indulis Ranka, möchte man meinen - wer jemals gesehen hat, mit welch riesigen Baggern und Baufahrzeugen die Steine bewegt und herbeigeschafft werden müssen, aus denen Ranka dann Kunstwerke schuf, wird verstehen was künstlerische Ideen zu bewegen vermögen. Er schuf aber tatsächlich von vielen seiner Skulpturen vorher kleine Plastilinmodelle, um die künstlerischen Ideen möglichst bis zur Fertigstellung optimieren zu können.

Indulis Ojārs Ranka, geboren 1934 in Jaungulbene in Vidzeme, beteiligte sich auch an vielen internationalen Symposien vor allem nach Norwegen, Moldawien, auch in Japan. Kennzeichnend für ihn sind die Betrebungen, Freiluft-Skulpturengärten zu errichten - so auch nahe seiner Werkstatt in der Amulas iela im Rigaer Süden, nahe dem Fluß Mārupīte ("Akmeņdārzs"). Dort, öffentlich ausgestellt und frei zugänglich, geschah es nicht selten, dass Kinder seine Skulpturen erklimmen oder auf andere spielerische Art und Weise "gebrauchten". Da konnte es leicht passieren, dass der Künstler selbst, leise den nur mit einem losen Lattenzaun verschlossenen Zugang zu seinem Atelier öffnend, plötzlich schmunzelnd daneben stand. Zweckentfremdung, Entehrung der Kunst? Nein, so etwas wäre Ranka nie in den Sinn gekommen - sein geistiges Gut und Inspiration war des Volkes, und seine Kunst sollte es wohl auch sein. 
Indulis Ranka starb am 13. April 2017 in Riga, zwei Tage vor seinem 83. Geburtstag.

25. August 2016

Feinstes Porzellan - malerisch

Rosenthal und Rozentāls - wer diese feinen Unterschiede, vor allem in der lettischen Schreibweise, beachtet, wird nicht im Porzellanladen landen. Nein, das frisch renovierte Lettische Kunstmuseum in Riga wäre gegenwärtig vielmehr der beste Ort, um sich mit Janis Rozentāls, 1866 als Sohn eines Schmieds im kurländischen Saldus geboren, heute einer der bekanntesten "Klassiker"der lettischen Malerei, bekannt zu machen.

Aus Anlaß seines 150.Geburtstages sind in Riga eine Auswahl von 140 seiner Werke zu sehen: Malerei und Grafik, manchmal figürlich, manchmal Landschaftsmalerei, aber auch charakteristische Szenen aus dem Alltags- und Sonntagsleben der damaligen Letten, die sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gerade erst ihrer Eigenart und ihrem Willen zur Eigenständigkeit zu besinnen begonnen hatten. Manchmal impressionistisch, manchmal symbolistisch - auch Jugendstil und die lettische Folklore prägten ihn.

eines der berühmtesten Rozentāls-
Bilder: "nach dem Kirchgang"
Nachdem er seine Schulzeit noch im Alter von 14 Jahren aus Geldmangel beenden musste, gelangte er über eine Handwerksschule nach St. Peterburg. Bis 1894 studierte er an der dortigen Kunstakademie, bevor er nach Lettland zurückkehrte und 1903 die finnische Sängerin Elli Forsell heiratete. Die Heirat fand in Helsinki statt - diese Stadt wurde allerdings nicht gerade zum Symbol seines Glücks. Als sich im 1.Weltkrieg die Front Riga näherte, zog Familie Rosentāls nach Helsinki um, wo Janis Rosentāls erkrankte und schließlich am 26. Dezember 1916 starb. So entstand wohl auch die Überschrift zur heutigen Ausstellung: Augen auf Finnland, Herz in Lettland.

noch ein bekannter Rozentāls
- eindeutig mitten im Jugendstil -
"Prinzessin mit Äffchen"
Als Spiegel seiner Zeit wirken heute seine vielen Porträts, darunter seine Frau Elli Forsell und sein Freund, der Schriftsteller Rūdolfs Blaumanis. In seinen Landschaften schuf er ein lyrisches Abbild seiner Heimat. Er gestaltete auch mehrere Altarbilder in lettischen Kirchen. Sein Schaffen war sehr vielfältig: auch gestaltete er Bücher, schuf Plakate und Zeichnungen, experimentierte mit verschiedenen Materialien und Stilarten. "Rūķis" (was soviel heißt wie Zwerge, oder Wichtel) nannte sich eine Gruppe von Studenten im St.Petersburg der 1890iger Jahre, die sich dem Alltagsleben, der Natur und der Geschichte ihres Heimatlandes widmen wollten. Für soziale Themen offen zeigte sich Rozentāls auch später, wenn es darum ging, anderen lettischen Malern und Künstlern zu helfen.

Der große Andrang an Besuchern der Ausstellung zeige, wie beliebt der Maler heute in Lettland ist - so die lettische Presse. Sowohl das nationale Element findet sich hier, wie auch etwas sehr modernes, ja sogar ein wenig "Kosmopolitismus", urteilt die "Latvijas Avize" und schlußfolgert: "Jedem sein eigener Rozentāls". Mit ihm kamen damals andere Künstler seiner Generation auf, die allerdings noch die Zeit des unabhängigen Lettland erleben konnten: Vilhelms Purvītis, Johans Valters (dt. Johann Walter-Kurau), oder auch der Bildhauer Teodors Zaļkalns (Grīnbergs). "Selbst heute", so die "Latvijas Avize" weiter, "ist so jemand selten zu finden, der sowohl Gemälde höchster Qualität von Familien, Porträts. Landschaften oder Stilleben malt, gleichzeitig mystische oder märchenhafte Motive, dann wieder Altarbilder - kein Rückblick auf die lettische Kunst kommt heute ohne einen Rozentāls aus." TVNet zitiert aus einer kunsttheoretischen Schrift des Künstlers: "Etwas Neues in jeder Arbeit zu schaffen, das ist das Ideal des Künstlers." Und die NRA titelt, leicht pathetisch, über Rozentāls: "Ein Genie aus der armen Bauernschmiede."

Die Ausstellung der Werke von Janis Rozentāls ist bis zum 30.Oktober im Lettischen Nationalen Kunstmuseum zu sehen.

3. Mai 2016

Aufgehübschter Gemäldetempel


Das Nationale Lettische Kunstmuseum in Riga strahlt
ab sofort wieder in frischem Glanz
Der Rigaer Arzt Nikolaus Himsel, geboren 1729, lebte eigentlich nicht lange, um wirklich etwas Entscheidendes für seine Geburtsstadt bewegen zu können - er war Stadtarzt, starb aber selbst im Alter von nur 35 Jahren an einer Infektion. Viele seiner Vorfahren waren Mediziner oder Apotheker gewesen, er selbst wollte lieber reisen, als die familiäre Apotheke zu hüten. 1751 errang er seinen Doktorgrad. Seine Leistung war es dann, dass er eine volle fünf Jahre andauernde Reise penibel genau dokumentierte: in drei dicken Büchern schrieb er seine Reiseeindrücke nieder. Er besuchte 1752-1757 unter anderem Österreich, Hamburg, Lübeck, Bremen, Holland, Frankreich, England, die Schweiz, Italien, Dänemark, Schweden, und St. Petersburg.Er brachte auch Bücher und Kunstwerke von seinen Reisen mit, Instrumenten der Physik und Optik, Präparaten der Anatomie - und einige Jahre später bildeten seine Sammlungen die Grundlage für gleich mehrere heute in Riga existierende Museen: das Rigaer Museum für Stadtgeschichte und Schifffahrt, das Naturkundemuseum, und auch für das Lettische Nationale Kunstmuseum - seine Mutter schenkte, entsprechend dem Vermächtnis ihres Sohnes, die Sammlungen der Stadt Riga. Erstmals ausgestellt fürs Publikum wurden Himsel's Schätze im Jahre 1773 in Räumen des damaligen Anatomietheaters, wo Vorlesungen über den menschlichen Körper und über Heilkunde stattfanden. Dieses "Himsel-Museum" wurde damals nicht nur zum ersten Museum in Riga, sondern des ganzen "Baltikums".

Die Kunstwerke dieser Sammlung wurden ab 1816 erstmals gesondert gezeigt, ab 1866 wurde eine Rigaer Stadtgalerie gegründet, 1870 der Rigaer Kunstverein. Das Gebäude an der Krišjāņa Valdemāra iela wurde 1903-05 im Stil des Historismus gebaut; Architekt war Wilhelm Neumann, der auch Kunsthistoriker war und 1905 zum ersten Direktor des Museums wurde. Die Fassadenskulpturen stammen vom Bildhauer August Voltz, in der Eingangshalle und an den Treppengeländern gibt es Jugendstilelemente, und die Halle des Obergeschosses schmücken sechs halbkreisförmige Gemälde des lettischen Malers Vilhelms Purvītis und des aus Estland stammenden deutsch-baltischen Künstlers Gerhard Paul von Rosen.

der rote Teppich ist ausgerollt: ab dem 4.Mai
wartet ein optimiertes und verschönertes Inneres
die Besucherinnen und Besucher des lettischen
Kunstmuseums

Kunstfreunde in Riga musste leiden - war doch 2014 Riga Europäische Kulturhauptstadt, aber das größte Kunstmuseum der Stadt musste wegen Renovierung schließen. Nun geht es also wieder los: auf zwei Etagen wird es ab dem 4.Mai eine Ausstellung von "Lettischer Kunst des 19.-20. Jahrhunderts" geben, erstmals wird auch Besuchern eine eigene App fürs Handy und virtuell mögliche Rundgänge angeboten werden. Auch ein neues Café und ein Souvenirshop werben um Besucher -  somit kann der 4.Mai, der Jahrestag des Beschlusses zur Erneuerung der lettischen Unabhängigkeit im Jahre 1990, dieses Jahr auch in neuen Räumlichkeiten begangen werden.

Die Rekonstruktion in Zahlen (siehe Delfi.lv): aus 3909 m2 Ausstellungsfläche vorher wurden 8396 m2 - auch durch einen neuen unterirdischen Bereich. Gekostet hat das Projekt 29,8 Millionen Euro, davon hat 16,751 Millionen Euro die Stadt Riga aufbringen müssen, der Rest stammt aus Strukturfondmitteln der Europäischen Union. Etwa 5000 Spezialisten verschiedener Fachgebiete waren am Projekt beteiligt. Es wurden 8704 m3 Beton und 1541,5 t Metall verbaut, 114 Fenster, 51 historische Türen und 515 m2 Holzpaneelen restauriert.

3. April 2013

Auf nach Daugavpils!

Ab dem 24.April 2013 wird auch die zweitgrößte lettische Stadt Daugavpils wieder ein Stückchen mehr eine Reise wert sein: an diesem Tag wird das "Kunstzentrum Marc Rothko" seine Türen für Besucher eröffnen. Dies wird sowohl für das Kulturleben wie auch für den Tourismus der östlichen, sonst eher etwas abseits gelegenen Landesteile Lettlands sicher einer der Höhepunkte des Jahres darstellen. Somit könnte das Rothko-Zentrum einen Treffpunkt für Liebhaber der expressionistischen Malerei, der lettischen Kunst- und Kulturgeschichte, wie auch für Interessenten an neuen Sehenswürdigkeiten und Projekten der Region darstellen. Das Konzept des Museums sieht bisher vor, dass der Eintritt (normal 3,50 Lat / 5 Euro) frei sind wird für alle, die in Daugavpils geboren und registriert sind.

Das Gebäude in der Mihaila ielā 3, in dem zunächst sechs großformatige Bilder von Mark Rothko (lett. Schreibweise = Rotko) zu sehen sein werden, wurde 2012 vom Verband der Lettischen Bauindustrie (Latvijas Būvnieku asociācija) als "Restaurierung des Jahres" ausgezeichnet. Die Bauarbeiten, die insgesamt 2,5 Millionen Lat gekostet haben und zu 85% aus EU-Geldern finanziert wurden, konnten bereits im Oktober 2012 beendet werden. Der Bau des Gebäudes war urspünglich in den Jahren 1831-33 als Artillerie-Arsenal von Zar Nikolaus I. in Auftrag gegeben worden und wurde in Teilen noch bis 1993 von der Roten Armee genutzt.
Marion Kahan, die in New York für das Guggenheim Museum arbeitet und auch das Mangement der Sammlungen der Rothko-Kinder Kate Rothko und Christopher Rothko verantwortlich ist, besuchte schon vor einigen Wochen Daugavpils um sich für einen Erfahrungsaustausch bezüglich der räumlichen Voraussetzungen für die Bilder zur Verfügung zu stellen. In dem neuen Gebäude sollen künftig auch andere Ausstellungen sowie auch Kunst der Region Latgale zu sehen sein, und die Einrichtung stellt sich auch als Partner für die Ausrichtung verschiedener Konferenzen zur Verfügung.
Schon seit mehreren Jahren wird in Daugavpils ein Pleinair als internationales Künstler/innen-Treffen organisiert (Starptautiskais mākslas plenērs Marks Rotko), die Ausstellung der dort geschaffenen Werke werden dann jeweils an Rothko's Geburtstag, dem 25.September, eröffnet.

Marcus Rothkowitz (Marc Rothko) wurde 1903 als viertes Kind des jüdischen Apothekers Jacob und seiner Frau Anna Goldin Rothkowitz in Daugavpils (Dünaburg / Dwinsk) geboren. Die Namensänderung von Rothkowitz zu Rothko kam 1940 zustande, als der Künstler die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt.
Sammlungen von Rothko's Werken sind bisher vor allem zu sehen in der Tate-Galerie in London ("Rothko-Room"),der Stiftung Beyeler in Riehen bei Basel, und in der "Rothko-Chapel" in Houston/Texas zu sehen.

Bleibt wohl zu hoffen, dass dieser neue Anziehungspunkt für Kunstfreunde etwas mehr Optimismus auch in diese Region bringen kann als es Marc Rothko selbst vermochte, der in seinem Leben von vielen Depressionen geplagt war und 1970 seinem Leben selbst ein Ende setzte.

Homepage der Stadt Daugavpils / Marc Rothko Zentrum 

12. Februar 2013

Künstlerische Fastenzeit

Einen Tag zu früh - aber dennoch als eine Art "künstlerischer Aschermittwoch" kommt der heutige 12.Februar für Liebhaber der lettischen Kunst daher. Die Fastenzeit wird länger dauern: das 1905 errichtete Hauptgebäude des Lettischen Nationalen Kunstmuseums (Latvijas Nacionālais mākslas muzeja / LNMM) mit seinen 8 249 m² Grundfläche, an der Krišjāņa Valdemāra iela gelegen, schließt bis zur Fertigstellung der Modernisierung für mindestens die kommenden zwei Jahre, und die umfangreiche Gemäldesammlung verschwindet für diese Zeit in Speicherhäusern an (aus Sicherheitsgründen) unbekanntem Ort.

Die Umbauarbeiten müssen bei sehr knappem Personalbestand bewältigt werden: 5.000 Gemälde stehen unter der Aufsicht von 4 Angestellten, für 10.000 Grafiken sind drei Angestellte zuständig und für die 24.000 Bücher nur einer. Als im Herbst 2010 der Rigaer Stadtrat mit dem litauischen Architekturbüro "Process Office" / „Andrius Skiezgelas Architecture”den Gewinner der Ausschreibung zur Renovierung des nationalen Kunstmuseums bekannt gab hoffte man noch, die Wiedereröffnung für 2014 vorsehen zu können - davon ist jetzt keine Rede mehr.

Ausblick mit Perspektive:das lettische nationale
Kunstmuseum hofft mit Beginn von Umbauarbeiten
schon jetzt auf baldige Wiedereröffnung
Das Museum wird zum ersten Mal seit seinem Bestehen renoviert, die Kostenschätzung beläuft sich derzeit auf 24 Millionen Lat. Schon einige Male wurde der Beginn der Renovierung angekündigt und wieder verschoben. Im Januar 2013 ging es dann ganz schnell: einstimmig genehmigte der Stadtrat 15 Millionen Lat für Umbau und Renovierung des Museumsgebäudes, stimmte den 7.9 Millionen Lat Co-Finanzierung aus dem EU-Regionalfond zu und auch für 211.000 Lat Zuschuß aus dem Staatshaushalt wurde der Weg frei gemacht. Die Verträge mit der Baufirma Re&Re wurden schnell unterschrieben, die eine Beendigung der Bauzeit nach 29 Monaten vorsehen.

Während des Kulturhauptstadtjahres 2014 wird es also kein Möglichkeit geben sich die lettische Nationalsammlung anzusehen. Das lettische Zentrum für zeitgenössische Kunst (Laikmetīgās mākslas centra LMC) wird Installationen in der Innenstadt fördern, aber natürlich die Möglichkeiten eines Museums nicht ersetzen können. "Aber besser im nächsten Jahr den Gästen die Zukunftspläne zeigen," meint Museumsdirektorin Māra Lāce, "als Risse und Flecken an den Wänden. Einige Werke werden wir ja in den dann fertig gestellten Räumlichkeiten der Rigaer Börse und der neuen Nationalbibliothek zeigen können, ein Teil der Werke lettischer Kunst des 20.Jahrhunderts werden für eine Ausstellung nach Norwegen gehen."