Posts mit dem Label Statistik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Statistik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

7. Januar 2016

Optimistisch weiter westwärts

"Der einzige Grund in Lettland zu leben, ist die schöne frische Luft!" so fasst das lettische Portal "KasJauns" die Ergebnisse einer Umfrage zusammen, die von der Agentur SKDS kürzlich durchgeführt wurde.
Gefragt wurde nach möglichen Gründen, denen zufolge ein Leben in Lettland vorzuziehen wäre gegenüber dem Leben in Westeuropa. 60% benannten dabei die ökologische Situation in Lettland als wesentlich besser als im Westen.

In allen anderen Aspekten dagegen zeigte sich der Westen vorn: für 84% ist die sozialie Absicherung in Westeuropa besser, für 89% auch das Leben im Alter. 76% meinen, man könne im Westen besser Arbeit finden, 76% finden die Lebensumstände allgemein im Westen besser, 63% sehen im Westen das bessere Gesundheitssystem und dessen bessere Zugänglichkeit. 44% sehen in Westeuropa gute Ausbildungsmöglichkeiten, 49% glauben auch als Unternehmer im Westen bessere Rahmenbedingungen und Startchancen zu haben.
47% sehen in Westeuropa die Menschenrechte und persönliche Freiheit besser berücksichtigt, und 70% sehen ihre Zukunft im Westen eher gesichert.

Nur 8% der Befragten sahen insgesamt bessere Lebensumstände für sich in Lettland, weitere 7% sehen keinen Unterschied zwischen Ost und West. Befragt nach einem Vergleich ihrer Lebensumstände vor 10 Jahren bezeichneten 24% die Situation jetzt als verbessert, 27% sehen keine wesentlichen Änderungen. 38% sagten, ihnen sei es vor 10 Jahren besser gegangen. (Gesamttext der Umfrageergebnisse hier) Trotz der Einschätzungen, die insgesamt zugunsten Westeuropas ausfallen sagen nur 33%, sie würden lieber in Westeuropa leben, falls ihnen die Möglichkeit dazu gegeben würde, 63% lehnen das ab.


Insgesamt bleiben Lettinnen und Letten offenbar generell Optimisten. Befragt nach den Aussichten für das Neue Jahr 2016, erwarten 49% für ihr privates Leben, 30% für Lettland ein besseres Jahr als das vergangene (SKDS). 22% bezeichneten das Jahr 2015 als besser als die Jahre davor, 15% schätzen es schlechter ein, während 57% keine Unterschiede sahen.Den bisher schlechtesten Wert registrierte die Agentur an der Jahreswende 2008 / 2009, als nur 11% ein besseres Jahr erwarteten. Ein Jahr später waren es mit 12% nur unwesentlich mehr. Am meisten Optimismus zeigten Lettinnen und Letten in den Jahren 2002 bis 2004, also kurz vor dem EU-Beitritt, als 42-43% ein besseres Jahr voraussahen, und nur 11-13% ein schlechteres.

1. März 2011

Zählt euch selbst!

Mit dem heutigen Tag startet in Lettland eine Erhebung zur Bevölkerungszahl und zu den vorhandenen Wohneinheiten. Eine Volkszählung also. Bis Ende Mai sollen genaue Zahlen erhoben werden zu den Lebensumständen der in Lettland wohnenden Menschen. 

"Meine Damen und Herren: bitte zählen Sie sich selbst!"
(offizielles Video des lettischen Statistikamtes)
Der Start wirkt für Außenstehende überraschend: bis zum 10.März wird zu "freiwilliger Selbsterfassung"aufgerufen. Lettland, ein Land das bisher weder durch Tests zur Sicherheit im Internet, E-Voting oder Ähnlichem aufgefallen ist, scheint plötzlich auf eine spontan aufkommende Euphorie der Selbstanzeige zu hoffen. Allen, die diese Möglichkeit bis zum 10.März nicht nutzen, wird bis Ende der Erfassungsperiode ein "Hausbesuch" eines staatlich bestellten Befragers angekündigt. "Seid neuzeitlich! Ausfüllen des Fragebogens im Internet ist leichter, schneller und bequemer!" preist das Statistikamt (CSP) die eigenen Angebote.

Mit deutschen Augen gesehen - wo in den 80er Jahren ganze Volksbewegungen sich gegen allzu fleissige staatliche Datensammelwut richteten und im scheinbar so ordnungsliebenden Deutschland fleissig Aufrufe zum Ungehorsam gegen die Lust an der Bürgerüberwachung schrieben, scheint der lettische Ansatz mehr als optimistisch. Wer sich die Umfragebögen ansieht, wird schnell feststellen, dass hier eine Reihe sehr sensibler Daten gehandelt wird. Immerhin müssen Passdaten oder Bankdaten online eingegeben werden um teilnehmen zu können - eine Standard-Chipkarte (elektronischer Ausweis) wie z.B. beim E-Voting in Estland gibt es bisher in Lettland nicht. 
Auch die Fragen werden einige vielleicht erstaunen. Gefragt wird "Pēteris Pilsonis" unter anderem auch nach der Anzahl und persönliche Details zu allen in einem Haushalt lebenden Bewohner/innen, sowie danach, wer sich mehr als ein Jahr oder weniger als ein Jahr im Ausland aufhält (offenbar also der Versuch einer Erfassung der Bewegung von "Arbeitsemigranten").

Vielleicht ist auch - da in der heutigen lettischen Politik kaum etwas ohne kommerziellen Nebeneffekt geplant wird - der ganze Aufwand auch als Werbung für die Online-Dienste der Banken gedacht. Wer Kunde bei der "Citadeles banka" (früher "Parex"), "DnB Nord banka", "Latvijas Krājbanka", "SEB bankas" oder "Swedbank"ist, kann mit seinem Bankpasswort auch die virtuellen Fragebögen ausfüllen. Die staatlichen Zählüberwacher betonen allerdings, dass auch alle 874 lettischen Bibliotheken mit entsprechend nutzbaren Internetzugängen ausgestattet seien. Es reicht aus, wenn immer nur ein "Haushaltmitglied" den Fragebogen ausfüllt. Dazu muss er oder sie lediglich die Personencodenummern der anderen Haushaltsmitglieder wissen.
Zur Datensicherheit gibt es nur allgemeine Beteuerungen der staatlichen Stellen zu lesen. In den Werbefilmchen sind Sätze wie "die Datensicherheit garantiert das Gesetz" oder "Jede bei der Zählung eingesetzte Person garantiert persönlich für die Vertraulichkeit der Daten". Knaststrafen für Plaudertaschen? Die Strategie scheint hier zu sein, den Fall der "Zuwiderhandlung" als möglichst unvorstellbar darzuzustellen.Als hauptsächliches Argument gegen Zählungsunwillige wird betont, dass keine Fragen zu persönlichem Einkommen, Vermögen und Besitz, sowie Gesundheit gestellt werden.

Die Ergebnisse der Zählungen sollen erst 2012/2013 veröffentlicht werden. Hoffentlich haben die Behörden wenigstens ausreichend schnelle Leitungen und Zugänge in allen Regionen geschaltet - bei meinen heutigen Versuchen, die Informationen der offiziellen Webseite aufzurufen, brach die Verbindung regelmäßig zusammen ...

Leicht ironische Reaktionen rief die Ankündigung der Zählungsbehörde hervor, die Erhebung auch zur Zählung von Lettlands Obdachlosen nutzen zu wollen. "Solange es draußen entsprechend kalt ist, und sich diese Personen in Notunterkünften aufhalten, werden wir diese Möglichkeit nutzen," wird der stellvertretende CSD-Direktor Pēteris Veģis zitiert.

Webseite der Volkszählung

Lettisches Statistikamt CSP