14. September 2026

Was das Murmeltier verspricht - und bricht ...

"Und ewig grüßt das Murmeltier" - in diesem legendären Film ist ja der 2. Februar, an dem sich alles wiederholt und von vorn losgeht. In Lettland ist es, alle vier Jahre, der ersten Samstag im Oktober. So legt es das lettische Wahlgesetz fest, und am 3. Oktober 2026 ist es wieder soweit: ein neues Parlament (Saeima) wird gewählt. So war es schon 1922, 1925, 1928 und 1931 - damals noch mit drei Jahren Wahlperiode. Dann "putschte" 1934 Präsident Ulmanis und bestimmte sich selbst als Alleinherrscher - Parlamentswahlen gab es erst wieder 1993, damals sogar im Juni. Ab 1995 fanden die Wahlen wieder im Oktober statt - mit Ausnahme des Jahres 2011, denn damals war das Parlament nach einem Referendum aufgelöst worden, der Termin wurde auf den 17. September vorgezogen. 

Köpfe, Sprüche, Schwüre - vieles davon lange bekannt 

Alle Parteien, alle Kandidatinnen und Kandidaten befinden sich jetzt also auf der Suche: alle möglichen Kommunikationswege werden genutzt, um den Wahlberechtigten die eigene Botschaft zu übermitteln, Manche, so wie der offenbar unverwüstliche Ainārs Šlesers, glauben unerschütterlich an die eigene Person, und präsentieren sich selbst auf allen Wahlplakaten. Bei anderen, so etwa die ZZS ("Zaļo un Zemnieku savienība" / Bauernunion), versuchen es lieber nicht mit Kandidatenköpfen - wurde doch ZZS-Minister Reinis Uzulnieks gerade erst mit 3,5 Promille Blutalkohol beim Autofahren erwischt (lsm) (bei was Kandidat Šlesers alles schon erwischt wurde, versuchen seine Fans einfach hartnäckig zu ignorieren). 

Wahlplakat im Jahr 2010: 
"Alles wird gut!"
Es gibt auch Themen, die als Forderungen und Versprechungen immer wiederkehren. Wären bei den vergangenen Wahlen alle Versprechungen eingehalten worden, dann wären heute:
die Medikamente preisgünstig
die Wartezeiten bei den Ärzten kurz
die lettischen Hochschulen gehören zu den besten der Welt
die Wirtschaft wächst rasant
die Bürokratie schrumpft
der Mindestlohn beträgt die Hälfte des Durchschnittslohns
für den einzigen Wohnsitz muss keine Grundsteuer gezahlt werden

Gewohnte Reflexe 

Inese Braže (Re:Baltica) erinnert ihrer Analyse auch an 2009, die erste Regierung unter Valdis Dombrovskis. In Folge der globalen Finanzkrise musste der Staat die Parex-Bank retten, entließ zahlreiche Beschäftigte im öffentlichen Dienst, schloss Schulen, kürzte Löhne und Renten, und Tausende Menschen wanderten aus, da sie ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten. "IR" Was sollen nach einer solchen Phase Parteien noch versprechen? "Alles wird gut?"

Wahlplakat im Jahr 2009: "Schluß
mit der Bürokratie!"
Braže stellt auch eine Hitliste wiederholter Versprechungen auf. Im Bereich Bildung: gefordert wird oft mehr Lohn für Pädagoginnen und Pädagogen (am 1.9.27 soll die 40-Stunden-Woche eingeführt werden), in der Realität aber merken die Menschen vor allem, dass Schulen geschlossen werden, und daran hängen auch Emotionen. Und seit 2011 haben verschiedene Regierungen immer wieder versprochen, 1,5 % des BIP für Forschung und Entwicklung zu reservieren - tatsächlich sind es gegenwärtig 0,9%, eine der niedrigsten Prozentsätze in der EU. 

Immer wieder wird versprochen, die "Schattenwirtschaft" in Lettland zurückzudrängen, also  alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die nicht staatlich erfasst werden, keine Steuern oder Sozialabgaben zahlen und staatliche Marktregulierungen umgehen. 2025 wurde aber deren Anteil immer noch auf 21,8% gschätzt. 

Schon seit mehr als 10 Jahren wird versprochen, den Mindestlohn auf die Hälfte des lettischen Durchschnittslohns anzuheben. Momentan liegt der Durchschnitttslohn bei 1831 Euro, der Mindestlohn bei 780 Euro. 

Und zu den allseits bekannten Versprechungen kommt in Lettland noch hinzu, dass es relativ viele Kandidaten und Kandidatinnen gibt, die gerne öfter mal die Partei wechseln, und das kann auch kurz nach der Wahl passieren. Der Gedankengang  könnte so gehen: die erfolglosen Sprüche - das war die Partei, nicht ich. Es bleibt der Wunsch, dass auch diesmal die Wahlberechtigen noch etwas finden, was sich anzukreuzen und zu wählen lohnt. 

5. September 2026

Die Aufspringer

Zugegeben: wer in Norddeutschland wohnt, hat nicht so oft diese Begegnungen. Sich draußen in der Natur bewegen, vielleicht durchs Gras, Büsche und Sträucher. Und dann abends feststellen, dass da jemand aufgesprungen ist. Kleine lästige Tierchen. In Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen wird regelmäßig gewarnt: (Übersichtskarte) die Tierchen an sich sind nicht gefährlich, können aber Krankheiten übertragen. Echte Zecken eben. 

Und wenn wir uns dann noch ansehen, wo akut die meisten durch Zecken hervorgerufenen Krankheitsfälle verortet werden - mit Schrecken sehen wir gerade die baltischen Staaten dunkel eingefärbt. Warum ist das so? 

Naturnah 

Die europäische Behörde meint, besonders gefährdet seien Menschen, deren Tätigkeit auch beruflich mit der Natur verbunden ist:  z. B. Jagen, Angeln, Camping, Pilze- und Beeren sammeln, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, militärische Ausbildung. (ECDC) Das deutsche RKI formuliert es so: der Mensch ist ein zufälliger Endwirt. (RKI)

In Lettland kann man Zecken auch mitten in Riga begegnen, warnt Epidemiologin Kate Karolīna Tomašūna in einem Beitrag der Zeitschrift "IR". Die "Latvijas Avize" schrieb: "Das lettische Klima - wie geschaffen für die Zecken" und macht 5 Orte aus, wo die Gefahr den Tierchen zu begegnen am größten sei: Pāvilosta, Alsunga, Dundaga, Kuldīga und Skrunda. Zu beachten ist allerdings, dass die Verbreitungskarten für Zeckenenzephalitis oder Lyme-Borreliose unterschiedlich ausfallen. 

Artenvielfalt 

Das lettische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (Slimību profilakses un kontroles centrs SPKC) informiert: In Lettland kommen drei epidemiologisch bedeutsame Zeckenarten vor – die Weidezecke (Ixodes ricinus), die Taiga-Zecke (Ixodes persulcatus), sowie die in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffenden Netzzecken (Dermacentor reticulatus). 

Im Jahr 2026 wurden bis Ende Juni 24 Fälle von Zeckenenzephalitis und 93 Fälle von Lyme-Borreliose registriert, berichtet Epidemiologin Tomašūna. Das Zentrums für Infektiologie behandelte im Juni 13 Patienten, bei fünf von ihnen verlief die Erkrankung schwer. (IR) Die Erkrankungsrate an Zeckenenzephalitis in Lettland gehört zu den höchsten in Europa; der Fünfjahresdurchschnitt liegt bei etwa 15 Fällen pro 100.000 Einwohner (EU-Durchschnitt = 0,81). Im vergangenen Jahr wurden in Lettland 186 Fälle von Zeckenenzephalitis registriert – 20 mehr als im Jahr zuvor. An der Lyme-Borreliose erkrankten 539 Menschen, was einem Anstieg um 180 Fälle entspricht. Unübertroffen bleibt jedoch die im Jahr 2017 registrierte Zahl – mehr als 600 Fälle von Lyme-Borreliose.

Wenig Winterruhe 

Auch der Verlauf des Winters beeinflusst das Vorkommen von Zecken. Frost verringert die Anzahl der überwinternden Zecken, während die Schneedecke sie vor der Kälte schützt. In dieser Hinsicht war der vergangene Winter ideal für Zecken. Und da es jetzt drei verschiedene Zeckenarten gibt, erweitert sich auch deren Vorkommen sowohl auf den Frühling bis hinein in den Spätherbst. Eine Impfung schützt nur vor Zeckenenzephalitis, nicht jedoch vor Lyme-Borreliose, Ehrlichiose oder anderen durch Zecken übertragenen Infektionen.