Zugegeben: wer in Norddeutschland wohnt, hat nicht so oft diese Begegnungen. Sich draußen in der Natur bewegen, vielleicht durchs Gras, Büsche und Sträucher. Und dann abends feststellen, dass da jemand aufgesprungen ist. Kleine lästige Tierchen. In Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen wird regelmäßig gewarnt: (Übersichtskarte) die Tierchen an sich sind nicht gefährlich, können aber Krankheiten übertragen. Echte Zecken eben.
Und wenn wir uns dann noch ansehen, wo akut die meisten durch Zecken hervorgerufenen Krankheitsfälle verortet werden - mit Schrecken sehen wir gerade die baltischen Staaten dunkel eingefärbt. Warum ist das so?
Naturnah
Die europäische Behörde meint, besonders gefährdet seien Menschen, deren Tätigkeit auch beruflich mit der Natur verbunden ist: z. B. Jagen, Angeln, Camping, Pilze- und Beeren sammeln, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, militärische Ausbildung. (ECDC) Das deutsche RKI formuliert es so: der Mensch ist ein zufälliger Endwirt. (RKI)
In Lettland kann man Zecken auch mitten in Riga begegnen, warnt Epidemiologin Kate Karolīna Tomašūna in einem Beitrag der Zeitschrift "IR". Die "Latvijas Avize" schrieb: "Das lettische Klima - wie geschaffen für die Zecken" und macht 5 Orte aus, wo die Gefahr den Tierchen zu begegnen am größten sei: Pāvilosta, Alsunga, Dundaga, Kuldīga und Skrunda. Zu beachten ist allerdings, dass die Verbreitungskarten für Zeckenenzephalitis oder Lyme-Borreliose unterschiedlich ausfallen.
Artenvielfalt
Das lettische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (Slimību profilakses un kontroles centrs SPKC) informiert: In Lettland kommen drei epidemiologisch bedeutsame Zeckenarten vor – die Weidezecke (Ixodes ricinus), die Taiga-Zecke (Ixodes persulcatus), sowie die in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffenden Netzzecken (Dermacentor reticulatus).
Im Jahr 2026 wurden bis Ende Juni 24 Fälle von Zeckenenzephalitis und 93 Fälle von Lyme-Borreliose registriert, berichtet Epidemiologin Tomašūna. Das Zentrums für Infektiologie behandelte im Juni 13 Patienten, bei fünf von ihnen verlief die Erkrankung schwer. (IR) Die Erkrankungsrate an Zeckenenzephalitis in Lettland gehört zu den höchsten in Europa; der Fünfjahresdurchschnitt liegt bei etwa 15 Fällen pro 100.000 Einwohner (EU-Durchschnitt = 0,81). Im vergangenen Jahr wurden in Lettland 186 Fälle von Zeckenenzephalitis registriert – 20 mehr als im Jahr zuvor. An der Lyme-Borreliose erkrankten 539 Menschen, was einem Anstieg um 180 Fälle entspricht. Unübertroffen bleibt jedoch die im Jahr 2017 registrierte Zahl – mehr als 600 Fälle von Lyme-Borreliose.
Wenig Winterruhe
Auch der Verlauf des Winters beeinflusst das Vorkommen von Zecken. Frost verringert die Anzahl der überwinternden Zecken, während die Schneedecke sie vor der Kälte schützt. In dieser Hinsicht war der vergangene Winter ideal für Zecken. Und da es jetzt drei verschiedene Zeckenarten gibt, erweitert sich auch deren Vorkommen sowohl auf den Frühling bis hinein in den Spätherbst. Eine Impfung schützt nur vor Zeckenenzephalitis, nicht jedoch vor Lyme-Borreliose, Ehrlichiose oder anderen durch Zecken übertragenen Infektionen.


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