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29. August 2026

Lernen nach dem Sturm

Es war eine stürmische, turbulente Woche, gekrönt von einem "Super-Samstag": In der Nacht zum 23.August fiel in Tausenden Haushalten der Strom aus. Auch als der Sturm längst weitergezogen war: 72 Stunden, etwa 3 Tage mussten etwa 11.000 Kunden ohne Strom auskommen. Insgesamt waren 277.000 Haushalte betroffen. Der stärkste Sommersturm seit 60 Jahren (seit 1966) hat in Lettland auch erhebliche Schäden für der Landwirtschaft verursacht - die Regierung rief den Ausnahmezustand aus.

Schadensbilanz 

Viele Tankstellen, Kindergärten, Ämter und andere Dienststellen mussten geschlossen werden, in einigen Orten mussten Polizeitwagen mittels Lautsprechern die Bevölkerung über die Lage informieren. Und in den wenigen Fällen, dass staatliche Dienststellen schon Montagmorgen wieder öffneten, dann konnten sie teilweise Anträge nur in Papierform entgegen nehmen - denn sowohl Computer wie auch Telefone waren außer Betrieb. Auch bei einigen Mobilfunkanbietern brach das Netz komplett zusammen. Einige Gemeinden bemühten sich, ihre Webseiten mit aktuelle Informationen zu füttern - aber was nutzt es, wenn viele gar keinen Empfang hatten? ("IR"). Inzwischen ist es Zeit für eine Schadensbilanz (lsm). 

Unklare Vorwarnungen

Es gab durchaus Vorwarnungen, und viele hatten sich vorbereitet: Handys und Tablets waren aufgeladen, die externen Akkus voll, Wasser bereitgestellt. Unerschütterlich positiv Gesinnte äußerten sich froh darüber, dass dies alles nicht im Winter passierte - denn dann wäre bei vielen auch die Heizung ausgefallen. Und was natürlich in Lettland ungewöhnlich ist: am Tag nach dem Sturm, also am Sonntag, waren kaum geöffnete Läden zu finden, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Und dort, wo Läden öffneten, musste auf Barzahlung umgestellt werden. Krankenhäuser verfügen über Notfallgeneratoren, aber bei Tankstellen war dies nur bei 10% der Fall. 

"Ohne Strom war es auch nicht möglich, Essen zuzubereiten, also mussten wir uns mit Butterbrötchen begnügen. Als der Gefrierschrank anfing aufzutauen, verdarben die Lebensmittel nach und nach. Gut, dass ich einen Hund habe,“ so eine Aussage in der Zeitschrift "IR". 

Was hat sonst gefehlt? "Ein Generator, ein Gaskocher und ein Radio mit Batterien. Wenn man uns gesagt hätte, dass drei Tage lang kein Strom sein würde, hätten wir damit gerechnet und nach einer Lösung gesucht. Aber es gab überhaupt keine Informationen. Wir waren die ganze Zeit in einer Art Wartemodus – wann es wieder gehen würde.“ (IR)

Freileitungen und eng stehende Bäume 

Für die massiven Stromausfälle waren meist umstürzende Bäume verantwortlich. Also denken nun die Stromnetzbetreiber über eine Erweiterung der Schutzzonen um die Stromleitungen nach. Derzeit beträgt die Schutzzone für 330-kV-Leitungen 27 Meter zu jeder Seite, für 110-kV-Leitungen hingegen 13 Meter. Ein Gesetzentwurf zur Erweiterung der Schutzzonen wurde inzwischen bereits im Parlament eingebracht. Zuständig in Lettland ist die "AS Augstsprieguma tīkls (AST)" (Hochspannungsnetz AG). Insgesamt verwaltet AST mehr als 5.500 Kilometer Übertragungsleitungen, von denen nur etwas mehr als 100 Kilometer Untergrund-Kabelstrecken sind.

Für die Instandhaltung und den Ausbau des Stromnetzes ist in Lettland "AS Sadales tīkls" verantwortlich. Am 28. August meldete die Firma, dass die Reparaturmaßnahmen immer noch andauern. Etwa 2000 Kundinnen und Kunden seien immer noch ohne Strom. 31% des heutigen Netzes bestehe aus Freileitungen, 69% seien wetterbeständig, heißt es - bis 2035 soll dies auf 85 % ausgebaut werden (TVNet). Schon bis 2030 ist geplant, alle Ortschaften mit mehr als 500 Einwohnern auch ohne Freileitungen versorgen zu können. (IR) 

Für die Zukunft: Notfallzentren 

Auch einheitliche Richtlinien seien nötig, wann Veranstaltungen abgesagt werden müssen, sagt Arvis Zīle, Leiter des lettischen Zentrums für Krisenmanagement, das direkt der Staatskanzlei und dem Ministerpräsidenten unterstellt ist. Bisher hätten Veranstalter immer nach eigenem Ermessen entschieden. 

Es gibt bereits Firmen, die "72-Stunden-Überlebensrucksäcke" (Dabei / 72x / mugursoma72 / BalticOutdoors) anbieten - deren Anschaffung auch das Krisenzentrum empfiehlt. Eine Standardausrüstung ist das allerdings nicht - es gibt Varianten ab 150 Euro das Stück - im Preis sind aber noch keine Lebensmittel enthalten. Ein gefriergetrockneter Notvorrat wird in kleinen Eimerchen für 120 bis 180 Euro angeboten (dabai). In der Werbung der Anbieter sieht die Nutzung fast aus wie ein Familienausflug - lass uns mal in den Wald gehen und mit den Kindern ein wenig üben. 

Es ist vorgesehen, in Zukunft in jeder lettischen Gemeinde ein Notfallzentrum einzurichten, wo zumindest ein Stromanschluss, Trinkwasser und eine Internetverbindung für alle bereit gehalten werden soll. Über weitere Maßnahmen will die Regierung zeitnah entscheiden. 

30. Dezember 2025

Spuren im Schnee

Ich teile hier mal eine Grafik, erstellt offenbar von lettischen Tierfreund/innen, unter dem Label "Zootēka". Die Aktivitäten sind hauptsächlich auf die "sozialen Netzwerke" konzentriert, wie Facebook, Instagram, auch Youtube, Spotify, im lettischen Radio, oder als Übersicht bei Linktr.ee. Ohne Worte (Tiernamen übersetzt), ohne Kommentar! 
Wohl denen, die genug Schnee in der Landschaft haben, dass Spuren so klar erkennbar sind. Das unterste Beispiel möchte wohl niemand nachmachen, oder? 
(auch zum lernen von Tiernamen im Lettischen zu verwenden ...)


18. Februar 2023

Es windet sich

Die Journalistin Jana Altenberga wagt sich für die Zeitschrift "IR" an eine Zwischenbilanz der Windenergie in Lettland. Bisher wurden Windparks mit einer Kapazität von 136 MW installiert, schreibt sie - das ist fast fünfmal weniger als in Litauen (671 MW) und nur halb soviel wie in Estland (320 MW). Im Jahr 2021 wurde nur 2,5 % der gesamten Strommenge durch Windkraft erzeugt. 

Dass Windenergie nun auch in Lettland stärker in den Fokus gerückt wird, liegt an den erhöhten Energiekosten, meint Toms Nāburgs, Vorsitzender der lettischen Windenergieverbands. "Durch die technologische Entwicklung und den Anstieg der Strompreise ist eine Förderung von Strom aus Windenergie nicht mehr erforderlich - die Kosten von rund 40 Euro pro Megawattstunde können endlich mit den Marktpreisen konkurrieren. Aber bisher sind auch unsere Staatsoberhäupter zu diesem Thema noch nicht über ein paar schöne Reden hinausgekommen."

Dem Bericht von Altberga zufolge plant der private Netzbetreiber "Augstsprieguma Tīkls AS" Projekte von insgesamt 6.287 MW, davon 1346 MW für Windenergie. Offenbar ist der für Solarenergie vorgesehene Anteil deshalb größer, weil bei Windenergieanlagen die Umweltverträglichkeitsprüfung in Lettland wesentlich umfangreicher ist. Zudem gab es bisher einige Beschränkungen und Verbote, die die verfügbaren Flächen für den Bau von Windparks erheblich einschränken. So durften zum Beispiel Anlagen von mehr als 2 MW nicht näher als 800 Meter von Wohngebäuden und öffentlichen Gebäuden entfernt sein. 

Auch ein neues Unternehmen, die "lettische Windpark GmbH" (“Latvijas vēja parki”), gemeinsam gegründet am 22. Juli 2022 von der Verwaltung der lettischen Staatswälder (Latvijas valsts meži) und dem lettischen staatlichen Energieversorger "Latvenergo" deutet wohl darauf hin, dass in Zukunft auch in Gebieten mit Staatswald gebaut werden soll. Bis 2030 sollen so Anlagen von 800 MW entstehen. Das hat zur Folge, dass offenbar eine Diskussion darüber begonnen hat, "welchen Investoren der Wald zuerst geöffnet wird" - naturfreundlich klingt anders. Raimonds Čudars, gerade frisch im Amt als "Minister für Energie und Klima", scheint vor allem Wert auf gleiche Wettbewerbschancen der verschiedenen Firmen zu legen. 

Ilvija Boreiko, Vorstandschefin bei "Latvijas vēja parki", gibt sich gut vorbereitet: "Wir führen zur Zeit verschiedene ökologische Studien durch, ornothologisch, zu Fledermäusen und anderen Tier- und Pflanzenarten, damit durch Windparks möglichst die biologische Vielfalt nicht beeinträchtigt wird." Diese Studien seien nicht auf Kurland und die Küste nördlich von Riga beschränkt. "Es geht uns nicht darum, wo die stärksten Winde wehen, sondern uns interessiert der Wind in 200-300m Höhe; darauf bezogen ist das Potential in ganz Lettland etwa gleich. Ich denke, wir können bis zu 120 Windturbinen produzieren." Die ersten fertigen Anlagen sollen demnach 2026 in Betrieb gehen. (latvenergo) Dem gestiegenen Interesse entspricht auch, dass Lettland im April 2023 Gastgeber der "WindWorks" sein wird, der bisher größten Zusammenkunft von Expertinnen und Expertinnen der Windenergie in den baltischen Staaten. 

Für den Bau von Windenergieanlagen auf See (offshore) sieht sich Lettland allerdings derzeit noch nicht vorbereitet. Bisher gibt es nur ein einziges Projekt von "Elwind", einem estnisch-lettischen Joint-Venture. Weitere ähnliche Projektanträge wurden vom zuständigen Ministerium bisher abgelehnt. Minister Čudars erklärt das mit noch fehlenden entsprechenden Verordnungen, nach welchen Regeln solche Küstengebiete für Windenergieanlagen freigegeben werden könnten. Das Ministerium arbeite daran. (IR)

29. Juli 2021

Rekorde die nicht alle mögen

Lettland staunt über Deutschland: wie kann in einem so scheinbar gut organisierten, strukturiertem, geordneten, und wohlhabenden Land plötzlich die Flut hereinbrechen und alles ins Chaos stürzen? Und der zweite Gedanke ist vielleicht: es ist ein sehr ungewöhnliches Gefühhl, dass im zentralen Europa dauerhaft Starkregen und Gewitterluft das Regime übernehmen, während im nördlichen Lettland, immerhin auf demselben Breitengrad gelegen wie Aberdeen oder das Loch Ness in Schottland, wochenlange Hitze und Dürre herrschen. 

Nun ja, einige Lettinnen und Letten werden es als willkommenen Ausgleich für die gewöhnlich langen und zumindest dunklen Winter begrüßen. Aber wer die Zahlen und Fakten zusammenstellt, kann selbst urteilen. Der Juni 2021 war der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Lettland (seit 1924). Die mittlere Lufttemperatur lag bei 18,9 Grad, das sind ganze 4,1Grad mehr als das der den Jahren 1981 bis 2020 gemessene Durchschnitt (lsm).

Der heißeste Tag war dabei der 21. Juni - ungewöhnlich, denn um Mitsommer herum ist regnerisches Wetter sonst schon fast legendär. Dieses Jahr meldeten Daugavgrīvā und Pāvilosta Temperaturen von +33,7 Grad. Dabei sank die Temperatur auch in der Nacht zum 21. Juni in Daugavgrīvā auf nicht unter +23,7 Grad - solche eine warme Nacht gab es vorher in Lettland nur zweimal 2012 und 1931. 

Vereinzelt gab es auch Gewitter und Hagelschlag, aber besonders Kurland erlebte im Juni 41 Liter pro Quadratmeter nur 44% der normalen Niederschlagsmenge. (lsm)

Auch im Juli scheint die heiße Sommerzeit in Lettland vorerst nicht zu enden. Bis zum 20. Juli waren in Riga bereits 18 Nächte zu verzeichnen, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad absank. Weitere Daten: Latvijas Vides, ģeoloģijas un meteoroloģijas centra LVĢMC (Lettisches Zentrum für Umwelt, Geologie und Meteorologie)