Nun ist Ähnliches offenbar auch in Lettland angekommen. Leicht ist es nicht, einen Überblick zu bekommen, denn zumindest "TeenStar Deutschland" gibt keine Daten darüber bekannt, in welchen Schulen man tätig ist.
Schule mit Sonderkursen
Dem lettischen Katholikenportal "Katolis" zufolge arbeitet "TeenStar" in Lettland mit dem 1992 gegründeten Religionswissenschaftlichen Institut in Riga zusammen (Rīgas Augstākais reliģijas zinātņu institūts), das sich, wie könnte es anders sein, in Riga in der "Katholischen Straße" (Katoļu ielā) befindet. Hier wird auch für "Radio Maria" geworben. Die Pläne der "TeenStar"-Initiatoren in Lettland werden so beschrieben: unter Berufung auf das in den USA von der gebürtigen Wienerin Hanna Klaus entwickelte Programm sei geplant, zweisemestrige Ausbildungsprogramme für drei Altersgruppen anzubieten: für Grundschüler (11–14 Jahre), Gymnasiasten (15–19 Jahre) und Studierende (ab 20 Jahren). Die Abkürzung STAR stehe dabei für „Sexuality Teaching in the context of Adult Responsibility” (Sexualkunde im Kontext der Verantwortung von Erwachsenen).
Begeisterungsfähig - aber enthaltsam?
Zunächst aber werden lettische Lehrkräfte geschult, und zwar von Ausbildern aus Kroatien: bereits im Oktober 2025 begannen entsprechende Kurse. Interessant, dass zur Teilnahme "keine besondere Vorbildung" gefordert wurde - laut Portal "Katolis" seien vielmehr "persönliche Reife, Begeisterungsfähigkeit und ein authentischer Lebensstil" entscheidend. Als Ausbildungsorte seien Kirchengemeinden gewünscht. Eine Jobmöglichkeit für ausgebildete Pädagogen oder Pädagoginnen ist dies also nicht.
Als Ausbildungsveranstalter in Lettland tritt ein Verein"Ģimenes ekoloģijas Institūts" ("Institut für Familienökologie") auf, der auch lizensiert sei die Programme „Cikla šovs“ ("Show des Zyklus", für Mädchen) und „Aģenti misijā“ ("Agenten auf ihrer Mission", für Jungen) in Lettland durchzuführen. Außerdem sei der Verein Mitglied des EIFLE (Europäisches Institut der Erziehung zum Familienleben) und führe "Methoden zur Fruchtbarkeitserkennung" durch. Im November 2025 wurde 23 Personen aus Lettland und 2 aus Litauen ein Ausbildungszertifikat übergeben (augliba).
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| Frisch geschulte "TeenStar"-Seminarleiter/innen in Lettland |
Geschätzt und geschützt
Über diese "Zyklusshow" berichteten auch schon deutsche Medien (siehe Deutschlandfunk). Der lettische Veranstalter beruft sich ausdrücklich auf Dr. Elisabeth Raith-Paul (siehe MFM und MFM Deutschland), die als "Erfinderin" dieser Kurse gilt. Motto: "Nur was ich schätze, kann ich schützen". Bei den Kursen für Jungs schlüpfen diese übrigens in die Rolle einer Samenzelle und wetteifern darum, wer zuerst bei der Eizelle ist. (siehe auch: hpd)
"Brauchen Schüler in Lettland christliche Sexualerziehung, die 'Verhütungspropaganda' kritisiert?" fragt Journalistin Ieva Jakone in der lettischen Zeitschrift "IR". Auch der internationale Verband katholischer Ärzte FIAMC hatte bereits auf Hanna Klaus hingewiesen, die gegen "Verhütungsmentalität" das Motto "Fruchtbarkeit ist keine Krankheit" empfiehlt.
Moralischer Werkzeugkasten
An der Universität Lettlands in Riga ist Dr. Fernandess-Gonsaless tätig, Mitglied bei "Opus Dei", ein geborener Spanier mit guten Lettischkenntnissen. Schon seit 2014 lief ein Projekt mit dem Ziel, methodische Materialien für Lehrer zu erstellen, die zeigen, wie man Kindern vom Vorschulalter bis zur letzten Klasse der Sekundarschule moralische Werte vermittelt. Tests liefen auch an lettischen Schulen (IR). Seit 2024 läuft nun ein weiteres Projekt, mit 200.000 Euro an EU-Geldern gefördert, mit dem Titel „Förderung einer auf Familienwerten basierenden moralischen Sexualerziehung im lettischen Bildungssystem“. Eine Fachkonferenz am 30. Januar 2026 bildete den Abschluß (arete, siehe auch: ogre-net). Und im „Werkzeugkasten zur Sexualerziehung“ wird hier als erstes "TeenStar" hervorgehoben.
In Bayern dagegen gibt es immerhin staatliche Richtlinien für die Sexualkunde. Das zitiert auch Journalistin Ieva Jakone in ihrem Artikel, und sie ergänzt: "Im Jahr 2022 haben das deutsche Bildungsministerium und die Grundschulbehörde in Regensburg, Bayern, den geplanten Teen STAR-Sexualkundeunterricht abgesagt, da er nicht den offiziellen bayerischen Richtlinien für Sexualkunde entsprach. Teen STAR wurde Homophobie und christlicher Fundamentalismus vorgeworfen." (IR)Im Mittelpunkt seiner Studie stehe eine Familie aus Mann und Frau, sagt Fernandes über sein Projekt. „Das bedeutet nicht, dass wir andere Familien verachten oder benachteiligen“, meint er. "Andere Kollegen an der Universität untersuchen andere Familienformen, wir haben nichts dagegen“. (IR) Als Ergebnis einer Umfrage geht seine Studie davon aus, dass lediglich 10% der bisher existierenden lettischen Unterrichtsmaterialien "akzeptabel" seien, also eine Familiengründung unterstütze. Zu oft stünden "nur Gesundheit und Menschenrechte" im Vordergrund - also wird vor allem "TeenStar" empfohlen.
Energiesparen - mal anders
Und auch mit folgenden Aussagen wird der Letto-Spanier zitiert: „Unsere Sexualität ist wie Energie, wie Geld. Es ist wichtig, dieses Potenzial nicht zu verschwenden, es nicht in bedeutungslosen Beziehungen und Erfahrungen mit Pornografie oder Masturbation, frühen sexuellen Erfahrungen zu verschwenden“, sagt er. Stattdessen sollte sexuelle Energie gespart und für das verwendet werden, wofür sie eigentlich gedacht ist: um Bindungen in „ernsthaften, dauerhaften Beziehungen, die offen für das Leben sind“ zu stärken. Es sei nicht notwendig, Kindern zu vermitteln, dass sie schon im Schulalter Sex haben müssten. „Es ist normal, dass ihr so etwas in eurem Körper spürt, ihr müsst euch keine Sorgen machen, aber ihr solltet es auch nicht sofort ausleben. Ihr müsst keine Drogen ausprobieren, um zu verstehen, was das ist.“ (IR)
Abtreibungen rückläufig
Aktuelle Statistiken zeigen, dass die Zahl der Schwangerschaften bei jungen Frauen in Lettland zurückgeht - sowohl die Zahl der Mütter unter 20 Jahren als auch die Zahl der Abtreibungen sinkt. 2023 haben 374 junge Frauen unter 20 Jahren ein Kind geboren, im Jahr 2015 waren es noch 765. Die Zahl der Abtreibungen in dieser Altersgruppe ist, laut Angaben des lettischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle SKPC, in den vergangenen Jahren zurückgegangen (siehe auch data.stat.gov.lv).
Das Fach "Gesundheitsunterreicht" ist an lettischen Schulen nicht mehr obligatorisch. Bildungsministerin Dace Melbārde plant aber eigene Weiterbildungskurse für Lehrkräfte: „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche einen vertrauenswürdigen und sachkundigen Erwachsenen an ihrer Seite haben“. Über die Tätigkeit von Dr. Fernandess-Gonsaless sei ihr nichts bekannt. Das sei wohl ein Projekt der Universität und unterliege der Freiheit der Wissenschaft. Es sei aber nicht vorgesehen, die dort angebotenen Materialien allgemein im Bildungssystem zu übernehmen. (IR)
Auch die lettische Organisation "Papardes zieds" bietet schon seit vielen Jahren Bildungs- und Informationsprogramme und Kurse für Jugendliche verschiedener Altersgruppen zu den Themen sexuelle und reproduktive Gesundheit, Suchtprävention und psychische Gesundheit an, man beruft sich dabei auf Richtlinien und Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Deren Leiterin Iveta Ķelle äußert im Interview Unverständnis über das Projekt der lettischen Universität. „Es mag sein, dass viele verschiedene Meinungen notwendig sind, aber angesichts des extremen Mangels an Sexualaufklärung in Lettland denke ich, dass ein solcher Prozess und ein solches Programm mehr Schaden als Nutzen bringen.“ (IR)































