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| Haltestellen-Info am 16.9.: Alles fällt aus |
Warten auf den Bus
Hat sich das gelohnt? Ähnlich wie Journalistin Ilze Šķietniece in ihrem Beirag der Zeitschrift "IR" fragen sich das wohl auch viele der Betroffenen. Die Aktion "ein Tag ohne Regionalbusse" haben Schätzungen zu folge 40.000 bis 50.000 Menschen beeinträchtigt. Es beteiligten sich acht Verkehrsunternehmen, an nur einem Tag wurden 3200 Regionafahrten gestrichen - es war die bisher größte Protestaktion dieser Art in Lettland.
Was die Transportunternehmen fordern ist eine jährliche Indexierung des Kilometerpreises; die bisher geschlossenen Verträge haben eine Laufzeit von 10 Jahren, aber innerhalb dieser Frist ist nur zweimal eine Preisanpassung vorgesehen. Schon im vergangenen Jahr hatte es eine ähnliche Protestaktion gegeben - die dauerte aber nur eine Stunde. "Seitdem hat sich nichts geändert", sagt Ivo Ošenieks, Vorsitzender des Verbandes der Personenverkehrsunternehmen. Damals hatte der Verband auch darauf hingewiesen, dass aufgrund Kürzungen im Streckennetz auch mehrere Millionen Euro an Einnahmen wegfallen.(db) Wäre die vorige Regierung Siliņa nicht gestürzt worden, hätte die Aktion schon im Sommer stattgefunden, meint er. Dem neuen Verkehrsminister habe man erst etwas Zeit geben wollen, sich in das Thema einzuarbeiten - aber mit den Wahlen habe die Streikaktion nichts zu tun, meint Ošenieks (IR)Mehr Geld - oder intelligentere Konzepte?
Noch kurz vor dem Streik hatte die Regierung Kulbergs beschlossen, weitere 9,85 Millionen Euro für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs bis zum Jahresende bereitzustellen (lsm). Der Protest fand trotzdem statt, Grund seien vor allem die stark gestiegenen Kraftstoff-Preise (in Deutschland gerne "Spritpreise" genannt). Die Transportunternehmen betonen, dass seit Unterzeichnung der derzeit gültigen Verträge die Kraftstoffpreise um mehr als 56 % gestiegen seien und die Gesamtinflationsrate 38,1 % erreicht habe.
Am Morgen des 16. September standen also viele vor der Frage: wie komme ich jetzt zur Arbeit oder zur Schule? Es gibt aber weitere, eher strukturelle Probleme. „Zwei Drittel unserer Fahrer sind im Vorruhestands- oder Rentenalter, schon das beeinträchtigt bereits die Möglichkeiten, alle Fahrten vollständig durchzuführen“, betont Verbandschef Ošenieks.(nra) Daher würden auch die jetzt angedrohten Vertragsstrafen das Problem nicht lösen, denn man müsse auch wettbewerbsfähige Löhne zahlen.
Nicht alle protestieren
Vier Personenbeförderungsunternehmen, die staatliche Aufträge ausführen, nahmen nicht an dem Protest teil – VTU Valmiera, Ventspils Reiss, Latvijas Sabiedriskais autobuss und CATA. Das Unternehmen aus Valmiera befindet sich vollständig im Besitz der Gemeinde; dessen Vertreterin Kristīne Melece darauf hinwies, dass das Unternehmen das Ziel der Protestaktion – die Indexierung langfristiger Verträge – moralisch unterstützt, die Kommune jedoch beschlossen habe, sich nicht daran zu beteiligen, da sie sich bewusst sei, wie wichtig der öffentliche Nahverkehr für die Einwohner des Landkreises sei. Und CATA habe gar keine langfristigen Verträge abgeschlossen. (IR)
Das für den öffentlichen Nahverkehr vorgesehene Grundbudget betrage fast 94 Millionen Euro pro Jahr, wovon 53 Millionen für den Busverkehr vorgesehen sind - so fasst Journalistin Ilze Šķietniece ihre Recherchen zusammen. Um den Forderungen der Verkehrsunternehmen nach einer Indexierung der langfristigen Verträge nachzukommen, würde dies den Staatshaushalt jährlich 15 Millionen Euro kosten.(IR) „Man sollte aber nicht mit der Frage beginnen, wie viel zusätzliches Geld benötigt wird, sondern: Welche Dienstleistungen benötigen die Bürger?“ so sagt es Aldis Ķibēns, Vorstandsmitglied bei "Lux Express Latvia".
Starke und weniger starke Nachfrage
Ķibēns nennt als Beispiel die Strecke Liepāja–Riga. "Lux Express" bietet dort seit Mai 2024 Personenbeförderung an, und in diesen zweieinhalb Jahren ist die Zahl der Fahrgäste auf den staatlich subventionierten Fahrten zurückgegangen. Das bedeutet, dass diese Fahrten noch unrentabler werden als zuvor, da die erwarteten Fahrgeldeinnahmen ausbleiben. Die Fahrgäste nennen mehrere Gründe, warum sie einen kommerziellen Busbetreiber bevorzugen: Wenn man das Ticket ein paar Wochen im Voraus kauft, ist es günstiger als auf den staatlich subventionierten Fahrten, die Busse sind sauber und komfortabel, man kann darin mobile Geräte aufladen, und die Fahrer sind immer freundlich. „Diejenigen, die langfristige Verträge abgeschlossen haben, haben keinen Grund, sich anzustrengen, da sie unabhängig davon, ob ein oder 50 Fahrgäste mitfahren, denselben Geldbetrag vom Staat erhalten“, kommentiert Ķibēns diese absurde Situation.
Neuesten Meldungen zufolge hat das lettische Verkehrsministerium inzwischen eingewilligt, die Vertragspreise für den regionalen Busverkehr künftig jährlich zu überprüfen. (lasi)





























