20. Mai 2019

Kein Weg zurück

Lettland findet keine Weg aus dem Müll - so scheint es. Auch 15 Jahre nach dem Beitritt zur Europäischen Union hat Lettland immer noch kein Rücknahme-System für Plastik-flaschen. Egal wie eifrig auch "Cūkmens" (Blog1  / Blog2) umherzog, mahnte und bat - die zuständigen Politiker/innen erhörten es nicht. Ob es daran lag, dass die Posten der Umweltminister in letzter Zeit meist eher nach Parteiproporz als nach dem Grad des Engagements für die Umwelt vergeben wurden?

Die Einführung von Rücknahmesystemen in Estland und Litauen haben sowohl die Häufigkeit illegaler Müllentsorgung (im Wald, am Straßenrand etc.) verringert, wie auch die Recyclingquote erheblich erhöht - das geben zumindest die lettischen Umweltaktivisten zu. Gegenwärtig landen vielfach Glas-, Plastik- und Aluminium-Verpackungen irgendwo in der Natur. Zwar rühmen sich die Lett/innen regelmäßig der im Frühjahr mit großer Beteiligung durchgeführten Aufräumaktionen (lett. = "talkas") - aber das hier teilweise 80% des aufgefundenen Mülls aus PET-Flaschen besteht, ist Anlaß zur Frustration. Bereits über 12.000 Unterzeichner/innen konnte eine auf dem Portal "manabalss" ("Meine Stimme") gestartete Petition für die Einführung eines Rücknahmesystems sammeln - nun befasst sich inzwischen auch das Parlament damit. Aber weiterhin sind von der Poltik nur pauschale Ausflüchte zu hören: ineffetiv und zu teuer seien solche Rücknahmesysteme (also wird alles weiterhin "effektiv" in der Natur hinterlassen). Schließlich seien ja bereits Container zur Abfalltrennung vorhanden - wenn sie nur besser genutzt würden.
Noch vor einem Jahr sprach sich der damalige Landwirtschaftsminister Janis Dūklavs strikt gegen die Einführung eines Rücknahmesystems aus - er wurde dafür scharf kritisiert und eines Interessenkonfliktes verdächtigt, da er ja gleichzeitig Miteigentümer der "Piebalga"-Brauerei sei (lsm).

Gegner sind angeblich vor allem die Händler - während die Plastik-Produzenten sich teilweise dafür aussprechen, allerdings auch eine finanzielle Unterstützung durch die EU verlangen (bnn). Angeblich seien landesweit 3000 Anlagen zur Rücknahme von Flaschen nötig - und Investititionen von 78 Millionen Euro (Baltic Times), so behauptet es die Industrie. Um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, könne es nicht sein die Rücknahmesysteme nur in einigen ausgewählten Läden stehen zu haben.

Und dann bleibt ja auch die Frage: was geschieht mit den wieder eingesammelten Flaschen? Wenn damit nur eine Verbrennungsanlage befeuert würde, würde Lettland die in der EU angestrebten Recyclingquoten weit verfehlen, so mahnen die Umweltschützer/innen der "Zaļā brīvība” ("Grüne Freiheit") in einem offenen Brief an die lettischen Umweltbehörden. 2016 konnten nur 25,2% des Hausmülls in Lettland einem Recycling zugeführt werden (Litauen 48,0%, Deutschland 67,1%), und Lettland sei der einzige EU-Mitgliedsstaat, der sogar verlange die EU solle Müllverbrennung mitfinanzieren. Bisher sei das System der lettischen Müllverwertung nur "ein Geschäft, das seine Mission vergessen hat und dem es nur um Gewinnmaximierung geht" (Zaļa brīļvība).

89% der Einwohner Lettlands sprechen sich für die Einführung eines Rücknahmesystems aus, so eine Umfrage der Agentur SKDS. Unter dem Eindruck schärferer EU-Gesetze gegen Einwegplastik diskutierte das lettische Parlament am 28. Oktober 2018 in erster Lesung einen Gesetzentwurf, dem zufolge ab 2020 ein Rücknahmesystem kommen soll; per Preisaufschlag soll das System finanziert werden. Gleichzeitig werden kostenlose Plastiktüten aus den Supermärkten verbannt.

Aus Estland gab es auch schon mal den Vorschlag, ein gemeinsames Rücknahme- und Verwertungssystem mit Lettland aufbauen zu wollen - schließlich seien eine Vielzahl der Flaschen in beiden Ländern in Gebrauch (und verursachten auch Probleme). Diese Gespräche fanden allerdings noch vor den Wahlen in Estland statt - heute sind es sogar in beiden Ländern andere Verantwortliche (baltic-course).

Immerhin gibt es in Lettland schon 3000 Abgabestellen für Altbatterien (siehe: "Zaļais punkts"). Schon seit 2003 gibt es "Pet Baltija", eine Firma die das Polyethylenterephthalat der gebrauchten Plastikflaschen zu Flocken verarbeitet. Interessant ist vielleicht, dass lettische Hersteller solcher Plastikflocken wie "NordicPlast" bereits heute auch auf ("Rohstoff"-)lieferungen aus Litauen und Estland zurückgreifen. Umgekehrt wird per Container in Lettland eingesammeltes gebrauchtes Glas heute in Litauen und der Ukraine weiterverarbeitet (recycleriga). Und wer global denken gelernt hat, wird schnell feststellen dass ein großer Anteil des bisher für eine Wiederverwertung vorgesehenen Plastiks einfach nach China exportiert wurde - dies wurde dort nun gestoppt (angeblich aus Vorsorge für die Umwelt). Leicht auszumalen, welche neuen Wege nun gesucht werden: die scheinbar leichteste Lösung - "nur schnell weg damit!" - also Verbrennung? Aber auch Recycling kann nur dann sinnvoll sein, wenn Abfallvermeidung die Strategien ergänzt. Diese Diskussion wird auch in Lettland weiter anhalten - auch nach der Einführung von Rücknameautomaten.

12. Mai 2019

Stalin in Jelgava

Vor 70 Jahren - am 9.Mai 1949 - kam ein Film in die sowjetischen Kinos, der voll in die Zeit der Heroisierung Stalins passte: "Stalingradskaja Bitwa" (deutscher Titel: "Die Stalingrader Schlacht"). Was jedoch kaum jemand weiß: viele Szenen dieses Films wurden nicht in Russland, sondern im damals sowjetlettischen Jelgava gedreht - und sowjetische Pyrotechnik zerstörte auf diese Weise die letzten Reste des historischen Stadtkerns von Jelgava (früher deutsch=Mitau), der seit einem Angriff der Roten Armee im Sommer 1944 zur Produktionszeit 1948 nur noch in Ruinen stand.

Die ehemalige "Perle von Kurland" war also gerade gut genug zur Illustration einer der größten Schrecken des Krieges. Nur wenige Jahre nachdem die Stadt bereits heftige Schäden durch eine Bombardierung davongetragen hatte, wurden während der Filmarbeiten im Sommer 1947 noch einige weitere Reste historischer Mauern zerstört. "Das, was die Rote Armee nicht geschafft hatte, vollendeten nun die Filmleute", schreibt Elmārs Barkāns in einem Beitrag für das Internetportal "Jauns.lv".

Aber auch aus lettischer Sicht sind die Erinnerungen daran, was die „Mosfiļm” aus Moskau in Jelgava drehte, offenbar nahezu verschwunden. "In unseren Archiven befindet sich dazu nichts, wird Dace Grants vom Rigaer Kinomuseum zitiert. Und Aldis Barševskis vom Museum für Geschichte in Jelgava (Ģ.Eliasa Jelgavas VMM) sagt sogar: "Uns haben Museumsbesucher von den Filmarbeiten erzählt. Gedreht wurden auf dem Marktplatz, in der Uzvaras und der Akadēmijas ielā, und beim Schloß. Dort sind im Film zusammenstürzende Mauern sichtbar - und um genügend Rauchentwicklung zu erzeugen, wurden sogar Reifen angezündet und Ölfässer angesteckt." Da zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen war, in Jelgava neue Wohnblocks zu errichten, wurden die Reste der Häuserreste wirklich gesprengt. Einige meinen sogar, in einer der ersten fertigen Szenen des Films sei ein Haus mit der lettischen Inschrift „Gulbja aptieka” ("Schwanen-Apotheke") zu erkennen gewesen - eine Stelle, die möglicherweise später herausgeschnitten worden sei.

In Jelgava erinnert man sich auch an die Versprechungen, den fertigen Film kostenlos sehen zu dürfen. Da es aber zu dieser Zeit in Jelgava kein Kino gab, habe eine solche Vorführung im Saal der alten Post stattgefunden. Der Film wurde mehrmals verändert und bearbeitet. Noch 1960 sei er nochmals geschnitten worden, um Szenen herauszubekommen, wo die Figur des Lawrenti Beria zu sehen war, der nach der Stalinzeit in Ungnade gefallen war und zum Tode verurteilt wurde.

In der DDR wurde "Die Stalingrader Schlacht" in gekürzter Form aufgeführt. 2008 kam eine DVD auf den Markt, in deren Booklet zu lesen ist, dass erst jetzt die verschwunden geglaubten Originalkopien des Films wieder aufgetaucht seien, und nun aufbereitet und komplett zu sehen seien.

7. Mai 2019

Mindestens, mindestens

Was bringt uns die Europawahl? Vielleicht hoffen die europafreundlichen Deutschen weiterhin auf lettischen Optimismus. Andere schauen genau hin: welche politischen Forderungen hätten in den kommenden Jahren eine Chance auf Realisierung?

Da wäre die Möglichkeit der Einführung eines europäischen Mindestlohns. Lettischen Pressemeldungen zufolge, hoffen zumindest die Neuen Konservativen ("Jaunā konservatīvā partija JKP"), die "Progressiven" (“Progresīvie”) und auch die Vereinigung der Russen (“Latvijas krievu savienība”) auf einen europaweiten Mindestlohn (LA). - In dieser Koalition werden sie es aber nicht erreichen können: wollen die einen doch Gesetze nach christlichen Werten ausrichten, die anderen streichen liberale Werte und Gleichberechtigung für alle heraus, und die dritten sehen Lettland von faschistischen Tendenzen beherrscht. So liegen die Forderungen der JKP auch ziemlich niedrig: 200 Euro Mindestlohn, und 500 Euro Mindestrente (lsm). Die Progressiven fordern auch eine europäische Arbeitslosenversicherung, besonders für den Fall von Massenarbeitslosigkeit.


Vier weitere Parteien halten einen europäischen Mindestlohn für eher unrealistisch: die "Grünen und Bauern" ("Zaļo un zemnieku savienība ZZS"), die "Lettische Regionalpartei" ("Latvijas Reģionu apvienība"), "Wem gehört der Staat" (“KPV LV”) und "Für Entwicklung" (“Attīstībai/Par!”). Aber auch unter diesen "Schwestern im Geiste" sollte ziemliche Uneinigkeit herrschen: kommt der Mindestlohn nicht, weil von der EU sowieso nichts Gutes zu erwarten ist, oder weil es einen stärkeren Wirtschaftsaufschwung behindert? Allerdings wird niemand den Spruch "Weiter so wie bisher" bzw. "Wir wollen rein, auch wenn es nichts bringt" auf die Plakate schreiben - auch wenn manche in diese Richtung denken. Ähnlich aber die Forderungen der Parteien dieser Gruppe nach besseren Bedingungen für Investitionen und Unternehmen, und mehr EU-Gelder für schlecht entwickelte Regionen.

Zumindest die "Latvijas Avize" ordnet in ihrer Darstellung die “Saskaņa”, die sich ja gern "sozialdemokratische Partei Saskaņa” nennt, gesondert ein: EU-Vereinbarungen für den sozialen Ausgleich ja, aber keine Aussage über die Erreichbarkeit konkreter Forderungen. Ähnlich wie die Vereinbarungen zur Finanzdisziplin müsse ein Pakt zum sozialen Fortschritt geschlossen werden. 

Die "Neue Einigkeit" (“Jaunā Vienotība”), die ja unter dem Namen “Vienotība” 2014 gleich vier Abgeordnete ins Europaparlament brachte (cvk), meint alle Entscheidungen zur Sozialgesetzgebung sollten im Verantwortungsbereich der Mitgliedsstaaten bleiben. Da sich Lebensstandard und Preisniveau von Land zu Land zu stark unterscheiden, seien auch Forderungen nach Ausgleich sozialer Unterschiede zu früh. Ähnlich denken übrigens auch die "Vaterländer" der "Visu Latvijai!" (hier war ja auch schon zu hören: "Hauptsache, die Einwanderer und Flüchtlinge bekommen nicht mehr als die Letten!"). Na, da sind sie dann doch wieder: die lettischen Optimisten!

30. April 2019

Europa-Flüchtlinge und -Rückkehrer

Lettland vor der Europawahl - was dominiert die politischen Diskussionen? Offenbar "Flüchtlingsfragen". Nein, damit ist wohl nicht eine lettische Idee gemeint, wie die nach Europa drängenden Asylanten auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden können. Es ist eher eine Variante des "Opa nach Europa" gemeint: bist Du es leid mit der lettischen Landespolitik? Rücken Dir Gerichte, Presse und Kritiker zu sehr auf die Pelle? Dann such Dir doch lieber einen sicheren Sessel in Brüssel!

Persönlichkeiten,
Erfahrung,
Einfluss =
(kompetente)
Leistung. So sieht sich
die "Jauna vienotība"
Im Grunde hat es schon der neue Regierungschef Krišjānis Kariņš vorgemacht: nach mehreren Rückschlägen sich für ein paar Jahre ins Europaparlament wählen lassen, um dann, besser abgesichtert an Finanzen und Reputation, zu Hause noch mal richtig "zuzuschlagen". Kariņš ist ein "zurückgekehrter Flüchtling" im doppelten Sinne: sein Vater floh 1944 über Schweden in die USA.
Wenig zu klagen haben auch seine damaligen auf der "Vienotiba"-Liste gewählten Parteikollegen Artis Pabriks (Beinahe-Premier, jetzt wieder Verteidigungsminister) und Valdis Dombrovskis (jetzt in der EU-Kommission unter Claude Juncker zu einem der Vizepräsidenten aufgestiegen). Dombrovskis, Lettlands bisher ranghöchster Brüssel-Bürokrat, kandidiert auch 2019 erneut, gefolgt von Sandra Kalniete. Damit wollen die von argen parteiinternen Erdrutschen gebeutelten "Neu-Einheitlichen" wohl sagen: Rückbesinnung auf die europäische Wohlstandshoffnung. Geworben wird für eine baldige Anhebung der mittleren Einkommen auf 1500Euro.
Ebenfalls noch auf diese Liste rückten der ehemalige Chef der lettischen Korruptionsbehörde KNAB, Aleksejs Loskutovs (seit Anfang 2019 im Europaparlament Nachrücker für Neu-Ministerpräsident Kariņš), die Wirtschaftswissenschaftlerin Inese Vaidere, Nachrückerin für Dombrovskis, der in die EU-Kommission wechselte, und der Mathematikprofessor und Ex-Minister Kārlis Šadurskis (Nachrücker für Pabriks). Angesichts also der großen Anzahl von "Versorgungs-Kandidat/innen" und dem krassen Absturz an Popularität dieser Partei dürfte absehbar sein, dass diesmal weit weniger der ambitionierten Kandidat/innen dieser Liste ihre politische Karriere wie erhofft werden fortsetzen können.

Einen ganz wilden Ritt legte die Vereinigung der "Grünen und Bauernpartei" (Zaļo un Zemnieku savienība ZZS) in Europa hin. Erfolgreich war 2014 nur eine einzige Kandidatin, die mit offenbar zusätzlichen Mitteln einen eigenen Werbe-"Feldzug" hinlegte und genug Aufsehen erregte, um die notwendige Stimmenzahl zu holen (siehe "Einsam in Strassburg"). Iveta Grigule (ARTE hielt sie zunächst für eine Litauerin) wanderte danach von einer Fraktion im Parlament zur anderen - so als ob sie sich vorher nicht überlegt hatte, was sie in Brüssel bzw. Straßburg eigentlich will. 2017 trat sie aus ihrer Partei aus. Eine von ihr initiierte Kampagne gegen die Euro-Einführung verlief im Sande, und auch eine gelegentlich geäußerte Verehrung für Donald Trump hinderte sie nicht jetzt zu sagen: "Ich kandidiere nicht mehr! Das Europaparlament ist eine große, sinnlose Quasselbude" (Diena). "Da wäre sogar mein Kaktus ein besserer Kandidat", stellt ein Beitrag des Forschungszentrums "Re:baltica" mit Blick auf die wenigen Wortmeldungen Grigules im EU-Parlament fest.
Die ZZS, gegenwärtig in den Umfragen stark angeschlagen, braucht also neue Gesichter. Diesmal hoffen die "Bauerngrünen" auf Schachgroßmeisterin, Ex-Finanz- und Wirtschaftsministerin Dana Reizniece-Ozola und "Strongmen" Raimonds Bergmanis, der auch einige Jahre lettischer Verteidigungsminister war.

Auch die "Saskaņa", größte Fraktion im lettischen Parlament, hofft natürlich auf Sitze in Brüssel. Doch die jahrelang unumstritten wirkende "Parteilokomotive", Rigas Bürgermeister Nils Ušakovs, ist in schweres Fahrwasser geraten. Wegen Korruptionsvorwürfen bei den Öffentlichen Verkehrsbetrieben Riga (Rīgas satiksme) wurde zunächst deren Chef der Verkehrsbetriebe Leons Bemhens verhaftet, dann musste Rigas stellvertretender Bürgermeister Andris Ameriks zurücktreten. Illegale Zahlungen an Amtspersonen sollen geflossen sein beim Ankauf von Niedrigflur-Straßenbahnen 2016 und auch bereits bei neuen Trolley- und Autobussen 2013 (diena). Einzig Bürgermeister Ušakovs gab trotz polizeilichen Durchsuchungen seines Arbeitsplatzes und seiner Wohnung bekannt: "Nur die Rigenser, und niemand sonst, können mich entlassen!" Umwelt- und Regionalminister Pūce, von dem die Aussage stammt "Ušakovs schadet Riga jeden Tag, den er im Amt bleibt", habe schließlich bei den Kommunlwahlen 2017 nur die Stimmen von 5000 Rigensern bekommen, Ušakovs selbst aber 105 000. - Dann die überraschende Wendung: sowohl Ušakovs wie auch Ameriks treten für die "Saskaņa" als Spitzenkandidaten bei den Europawahlen an - und das trotz mehrfacher früherer gegenteiliger Bekundungen (re:baltica). Die ... verlassen das sinkende Schiff ... oder so ähnlich.

Dann sind da noch die drei neuen Parteien im lettischen Parlament (Saeima): Die "neuen Konservativen", die neoliberalen "Attistibai/par" und die rechtspopulistische "KPV.LV" Was letztere angeht, so scheint die Führung immer noch nicht einig zu sein, ob nun die neue lettische Regierung uinterstützt wird, oder doch nicht. Die EU-Kandidatenliste wird derweil von weitgehend unbekannten Gesichtern dominiert.
Auch bei den "Neuen Konservativen" gibt es keine "Polit-Stars", die nach Brüssel streben. Den Spitzenplatz auf der Liste nimmt ein Sozialwissenschafter und Volleyballtrainer ein, der sich besonders gegen einen "hybriden Krieg" engagieren will.
"100% bereit für Europa!" ist der Slogan der "Entwicklungsliberalen". Hatte der Politologe Ivars Ijabs bisher jahrelang die politischen Ereignisse kommentiert - nun will er selbst ran. Die "Geheimwaffe" aus baltischer Sicht könnte aber Ieva Ilvesa (geb. Kupce) werden, die (dritte) Frau des estnischen Ex-Präsidenten Ilves (die ebenfalls auf der Liste steht). Im Wahlprogramm wird auch das herausgestrichen, was Ilvesa als "First-Lady Estlands" erlebt hat - wohl denen, die nicht auf Estland neidisch sind!

Ebenfalls bisher als politischer Kommentator trat "Otto Ozols" auf - im bürgerlichen Leben Mārtiņš Barkovskis; er kandidiert für die Partei "Verband der Regionen" (Latvijas Reģionu Apvienība), die aber zuletzt bei den Parlamentswahlen unter 5% blieb.
Bei den "Vaterländern" ("Visu Latvijai!"-"Tēvzemei un Brīvībai/LNNK") kann neben dem bisherigen Europaabgeordneten Roberts Zīle auch die beliebte Kulturministerin Dace Melbarde "nach Europa weggewählt" werden - unklar, ob das Lettlands Kulturszene wirklich befürworten würde.

Nun, bleiben noch die kleinen Parteien. Und, siehe da: auch Oma Ždanoka ist noch da! Wer absolut die Position Russlands einnehmen möchte, also alle Putin-Fans, Sowjet-Romantiker und noch nicht bekehrte Stalinisten, die wären hier richtig! Zdanoka hat es geschickt vermocht, in Brüssel als weibliche Menschenrechtskämpferin aufzutreten, und gleichzeitig in der Ost-Ukraine und auf der Krim die pro-russischen Kämpfer zu ermutigen. Wie schön, das da vor dem EU-Wahltag noch ein 9.Mai kommen wird - sicher ein Zdanoka-Aktionstag (ausführlich zu sehen sicher im russischen Fernsehen). Zuletzt verglich Ždanoka die Situation der Russen in Lettland mit derjenigen der Juden vor dem 2.Weltkrieg (lsm) - vielleicht reicht es mit solchen Parolen wieder knapp über die 5%-Hürde.
Merkwürdig nur, dass Ždanoka eigentlich Anfang 2018 ihren Rückzug aus dem Europaparlament bekannt gegeben hatte (Greens /EFA) - ihr Name findet sich dennoch auf der Wahlliste ihrer Partei ("Latvijas Krievu savienība").

Ebenfalls noch Hoffnung machen sich eine Partei, die bei der Parlamentswahl unter 5% geblieben war: auch die "Progressiven" sind noch zu beachten, von manchen auch "die neuen Grünen" genannt. Sie treten energisch für ein modernes Europa ein - sollten also die meisten zu Hause bleiben, die Europa-Freund/innen aber wählen gehen, vielleicht haben sie eine Chance auf ein Mandat.

Eher auf "Irrläufer" und Politverdrossene hoffen vielleicht die übrigen Kleinparteien. Die "Zentrums-Partei" zum Beispiel, wo sich der schon in mehreren anderen Parteien erfolglose EU-Skeptiker Normunds Grostiņš tummelt. Diese "Zentristen" wenden sich gegen eine Verminderung der Direktzahlungen aus der EU-Kasse und sprechen sich für eine Gesetzgebung "auf der Grundlage christlicher Werte" aus. Als "Clou" haben sie sich sogar einen Bundestagsabgeordneten geangelt - der offenbar gleich in mehreren Ländern die Sitzungsgelder einsammeln möchte: den AFD-Hinterbänkler und Bauunternehmer Voldemar Herdt, ein Kasachendeutscher. Herdt gilt aber auch als gern gesehener Russland-Freund in den Putin-freundlichen Medien - er wird wohl doch lieber auf dem warmen Bundestagssessel bleiben.

16 Parteien stellen diesmal Kandidat/innen zur Europawahl auf - und damit noch zwei mehr als vor fünf Jahren (2009 waren es sogar 17 gewesen). 2014 gingen nur noch 30,24% der Wahlberechtigten Lettlands zur Europawahl (2004 waren es 41,34%, 2009 53,7%). "Europa ist in Lettland ein Eliten-Projekt", so schrieb vor fünf Jahren die Adenauer-Stiftung. Politische Beobachter ziehen den Vergleich zu 2014: damals hätten nur 5 Parteien Chancen auf ein Mandat gehabt, diesmal könnten sich aber etwa 10 Hoffnungen machen. 

30. März 2019

Lettische Karavelle entert deutschen Markt

Ein lettischer Lebensmittel-Verarbeiter kauft eine gut eingeführte deutsche Firma auf? Beim Fisch ist das möglich. Die ehemals in Dänemark gegründete "Larsen Danish Seafood", eine Konservenfabrik mit ehemals 250 Beschäftigten im grenznahen Harrislee gehört jetzt zur lettischen "Karavela". Auch die Verarbeitungsanlagen seien inzwischen bereits nach Riga transportiert worden (Baltic Course).
Schon seit einigen Jahren soll das lettische Unternehmen Interesse an dem deutschen bisherigen Konkurrenten gezeigt haben. Verkauft wurde "Larsen" von "Christian i Grótinum (CiG)" mit Sitz auf den Färöer-Inseln, die bereits seit 2015 Eigentümer der damals insolventen "Larsen" war. Der Verarbeiter sei zuletzt nicht mehr profitabel gewesen, schrieben Branchenkenner (Seafoodsource). Die Gewinnspannen seien zuletzt im engen EU-Wettbewerb immer geringer geworden, und verschiedene Verarbeitungsstätten in Deutschland, wie auch Bremerhaven, seien geschlossen (Weserkurier), andere seien bereits nach Osteuropa verlagert worden.

Gegründet 2001, befindet sich "Karavela" im Besitz von nur drei Privatpersonen, darunter Janis Bite, der 56% der Firmenanteile hält.
41,6 Millionen Euro Umsatz machte "Karavela" im Jahr 2018, 7% mehr als im Jahr zuvor. 2014 in Lettland als "Exporteur des Jahres" ausgezeichnet, wurden 2018 71 Millionen Konserven produziert, und in 36 verschiedene Länder exportiert.

Georgien, die Ukraine, Azerbaidan und Uzbekistan sind schon "traditionell" Abnehmerländer von lettischen Fischkonserven. Der Handel mit Russland dagegen ist immer wieder von Sanktionsmaßnahmen und Gegensanktionen und Einschränkungen betroffen. Die größten Abnehmerländer der "Karavela"-Konserven sind aber Schweden, Dänemark, Großbritannien und Deutschland (zusammen 51%)

Jānis Endele
Für den lettischen Markt wird der "Larsen"-Deal als sehr wichtig eingeschätzt."Lange schon gab es keinen solchen Zukauf mehr für die lettische Industrie", schreibt die "Latvijas Avize". Den Verbrauchern werden die beiden Marken “Kaija” (gegründet 1882) und “Arnold Sorensen” bekannt sein, die beide zu "Karavela" gehören. Jānis Endele, Miteigentümer und Marketingchef des Unternehmens, stellte in Aussicht, die unter der Marke “Larsen” bisher gewohnten Produkte auch unter denselben Rezeptueren weiter produziere zu wollen - allerdings jetzt von Riga aus. Das bedeute auch die Ausweitung des bisherigen Sortiments, denn bei "Larsen" gab es bisher auch Sprotten, Kaviar und Muscheln. Ob nun die lettische Firmenleitung die 450 Millionen Euro Umsatz allein in Deutschland erreichen kann, bleibt vorerst in den Sternen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre möchte "Karavela" gern 7% des deutschen Marktes bei Fischkonserven versorgen.

Im Test der "Kölnischen Rundschau" jedenfalls machten "Larsen"-Produkte erst kürzlich noch den ersten Platz - an der Qualität kann es also nicht liegen. Marketingchef Endele lässt sich so zitieren: "Die Marke Larsen ist in Deutschland bekannt, erhältlich in allen Filialnetzen. Daher ist den Deutschen egal, ob das in Deutschland, in Simbabwe oder in Lettland hergestellt wird - es ist die Marke, der das Vertrauen geschenkt wird." (Skaties)

8. März 2019

17 Ziele für 17 Stunden

17 Ziele rief Bremen am 4.+5.März 2019 zum Thema einer Konferenz aus; es sind die 2015 von den Vereinten Nationen (UN) ausgerufenen Ziele zur nachhaltigen Entwicklung, oder auch, englisch abgekürzt, "SDGs". Es ist ein so breites Themenspektrum, dass es eigene Programme dafür gibt, diese Ziele Unwissenden oder Interessierten in möglichst einfacher Sprache zu erklären. "Nachhaltig", das klingt zunächst mal nach Umwelt und Naturschutz. Vor allem aber geht es hier um Zusammenhänge: zwischen Hunger und gesellschaftlichem Frieden, zwischen Konsumverhalten und Stadtentwicklung, zwischen Bildung und menschenwürdiger Arbeit, oder zwischen sauberem Wasser und bezahlbarer und sauberer Energie. Nur zusammen sind wir stark - dieser Satz prägte so manche Rede von Politiker/innen und verantwortlichen Organisatoren.

Einigkeit in den vordersten Gästereihen:
Schuster, Grantz, Hiller, Sieling, Maas (alle SPD)
Gleichzeitig nannte sich die Veranstaltung auch "Städtepartnerkonferenz" - rund 250 Teilnehmer/innen sollen es gewesen sein. Bremen suchte bei den Einladungen alles hervor, was nur irgendwie Partnerschaftsbeziehungen oder Kontakte mit der Hansestadt hat: von den "Vernetzungspartnern" Oldenburg und Groningen, über einer "Stadtteilpartnerschaft" von Bremen-Hemelingen mit der arabischen Stadt Tamra in Israel, bis hin zu den offiziellen Städtepartnerschaften wie Kaliningrad (mit Bremerhaven), Durban in Südafrika, Izmir in der Türkei, oder Dalian in China. Und eben Riga. Wie schon 2016 stellte auch diesmal die lettische Hauptstadt eine Delegation.

Was aber kann hier als Ergebnis erwartet werden? Glaubt man den Pressemeldungen der Organisator/innen, gab es viele praktische Ansätze und Ideen. Vor allem SPD-nahe Medien berichten ausgesprochen positiv (Vorwärts / Demo). Regionale Bremische Medien konzentrieren sich auf die bunte Vielfalt der Gäste (Weserkurier). Berichte der traditionellen entwicklungspolitischen Organisationen wiederum klingen so, als sei in erster Linie deutsche Aufbauhilfe für arme Länder zu leisten. Aber ist damit schon der notwendige Arbeitsansatz erfasst, oder wenigstens ausreichend beschrieben?

Nun wurde ja allerdings der Umweltschutz nicht erst 2015 erfunden - aber die Delegation aus Riga erklärte offen: wir sind da erst ganz am Anfang. Aus Bremens Partnerstadt wurden nette Bildchen aus der Rigaer Altstadt präsentiert, garniert vom "grandiosen" Sieg bei der Eurovision 2002. Als dann auch die Freiheitsstatue ins Bild kam, sah sich die Moderatorin, eine Radio-Bremen-Journalistin, veranlasst zu fragen: "Hat die Freiheitsstatue aus eurer Sicht etwas mit den nachhaltigen SDG-Zielen zu tun?"

Nein, die Rigenserinnen hätten es diesmal in Bremen sehr viel leichter haben können, einen positiven Eindruck von Riga bei den Konferenzteilnehmer/innen zu hinterlassen. Da zeigte doch das chinesische Dalian schöne Bildchen von frisch neu gebauten Fahrradstraßen - allerdings ohne einen einzigen Radfahrer darauf. Da hätte Riga sagen können: wir haben bei uns inzwischen schon einen Fahrradboom!
Oder: bei den deutschen Gastgebern wäre vielleicht von Interesse gewesen was passiert, wenn in Riga mal Wetterbedingungen drohen endlose Verkehrsstaus auszulösen: es werden kostenlose ÖPNV-Tickets verteilt. So hätte man sich - im Umkehrschluss - vielleicht internationale Ratschläge abholen können, wie die totale Pleite des staatlichen ÖPNV-Unternehmens verhindert werden kann.

Medien-Workshop
Ja, die Organisator/innen der Konferenz haben sich redlich Mühe gegeben, den bunten Korb von Erwartungen und Wünschen in ein Format mit positiver Ausstrahlung zu packen. Allerdings erscheint es unverständlich, dass auch bei der zweiten Konferenz dieses Formats die Zivilgesellschaft verzichtbar erscheint. Hauptsache ist wohl weiterhin: unsere Partner kommen überhaupt nach Bremen. Obwohl das Konzept den intensiven Austausch mit der Zivilgesellschaft, ja sogar die Kooperation zwischen Staat und NGOs verkündet - wurde es zumindest mit Riga nicht mal versucht umzusetzen. Zum zweiten Mal nahmen aus Riga ausschließlich Angestellte der Rigaer Stadtverwaltung teil. Vielleicht kommt daher auch das Bekenntnis, man sei erst am Anfang des Überlegens, was die UN denn wohl 2015 beschlossen habe.

Die Bremer Partnerschaftskonferenz hat sich also vieler Möglichkeiten selbst beraubt. Konsequenterweise wurde von den Teilnehmer/innen auch keinerlei Abschlusserklärung beschlossen, sondern man ging - mehr oder weniger - grußlos auseinander. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Einerseits stand für die angesetzten Workshops jeweils viel zu wenig Zeit zur Verfügung; es kann ja zum Beispiel nicht von "World Cafe" die Rede sein, wenn nicht mal in einer Arbeitsgruppe von fünf Leuten Zeit genug war dass jede/r sich der/dem anderen mal kurz vorstellt. Andererseits war diesmal viel Zeit für Besuche Bremischer Einrichtungen vor Ort reserviert - nach Auskunft der Gäste ein durchweg positives und interessantes Erlebnis.

Workshop mit Werder-Bremen-Trainer
Eines muss noch erwähnt werden: die Rede von Frank Imhoff, derzeit Vizepräsident der Bremischen Bürgerschaft. Einerseits fiel inhaltlich auf, dass Imhoff sich bemüßigt sah, die Initiative von Greta Thunberg deutlich positiv hervorzuheben - ohne allerdings im Publikum damit Beifall erhaschen zu können. Und dann schien mir Imhoff der einzige Beteiligte zu sein, der nicht der SPD angehört - selbst Bremische Lokalpolitiker/innen des sonstigen Parteienspektrums wurden auf der Städtepartnerkonferenz nicht gesehen. Oder, sagen wir es umgekehrt: die Veranstaltung, mit dem Glanz eines Aussenminister-Besuchs an der Spitze, passte sehr gut in den derzeit laufenden doppelten Wahlkampf (Bürgerschaft + Europa).

UN-Ziele und Stadtmusikanten-
Sommer: eine naheliegende
Bremische Verbindung
Nach etwa 17 Arbeitsstunden zerstreuten sich die Teilnehmer/innen. Über Pläne, in zwei Jahren die nächste, ähnliche Konferenz zu veranstalten, ebenfalls in Bremen, konnte man nur in den deutschsprachigen Medien lesen. Der rote Faden derartiger Veranstaltungen scheint jedoch auch im zweiten Anlauf noch nicht wirklich gefunden zu sein. Vielleicht sind 17 Ziele zu viel? Im Medienworkshop tauchte kurz sogar ein 18. Ziel als erstrebenswert auf: das der Partizipation (Bürger/innen als partizipierende Teilnehmende am Medienbetrieb). Unter dem Dach der von der UN bereits beschlossenen Ziele herrscht vielleicht eine Spur zu großer Selbstverständlichkeit. Arbeiten wirklich alle für dieselben Ziele? Zumindest die Rahmenbedingungen sind ja jeweils deutlich unterschiedlich. An dieser Diskussion muss wohl auch zwischen Bremen und Riga noch deutlich gearbeitet werden.

3. März 2019

Alle Vögel die noch da sind

Für die Ornithologen Lettlands ist es wahrscheinlich so selbstverständlich wie den Stuttgartern die Kehrwoche: auch im Winter gibt es eine Bestandserfassung der Vogelwelt. Dank moderner interaktiver digitaler Methoden werden inzwischen per Internetportal viele Bürgerinnen und Bürger einbezogen. Diesmal ging es um Überwinterungen in den Gärten.

Drei Tage lang, vom 25.-27. Januar 2019, wurde gezählt und ausgewertet. Pro Garten wurden in Lettland (innerhalb einer Stunde) durchschnittlich 29 Vögel und 6 Vogelarten gezählt. Mit 26 verschiedenen Vogelarten stellte diesmal tatsächlich ein Garten in Riga den Rekord auf. Nun ja, auch die Futterstellen werden natürlich mitgezählt. Insgesamt beteiligt haben sich 215 Gärten. Zahlenmäßig am häufigsten genannt wurden Große Kohlmeise (lett. Lielā zīlīte, 163x), Blaumeise (lett. zilzīlīte, 116x), aber auch der Feldsperling (lett. lauku zvirbulis, 75x), der Gimpel (lett. sarkankrūtītis / svilpis, 62 Nennungen) und sogar der Buntspecht (lett. dižraibo dzenis, 84 Nennungen).

Manche Leute haben in Lettland aber offenbar auch Rebhühner im Garten (lett. Laukirbe, in Aloja, Daugavpils, Gulbene, Krustpils, Limbaži), Sumpfmeisen (lett. purva zīlīte, in Alūksne, Salacgrīva, Riga, Saulkrasti, Talsi, Tukums, Valka, Viļaka und Sigulda), Birkenzeisige (lett. ķeģis, in Amata, Madona, Salaspils, Saulkrasti, Sigulda, Dobele, Jēkabpils und Riga) oder Kernbeißer (lett. dižknābis, in Amata, Ādaži, Carnikava, Dobele, Grobina, Jelgava, Jūrmala, Kandava, Ķekava, Pārgauja, Pāvilosta, Priekuli und Riga). In Riga und Krustpils erschien sogar einmal ein Seidenschwanz (lett. zīdaste) in einem Garten.

Der Winter in Lettland ist hart genug, so dass auch die Winterfütterung von Gartenvögeln nicht so umstritten ist wie in Deutschland, wo manche es inzwischen angesichts der zunehmend warmen Winter für überflüssig halten. 
Bei ähnlichen Wintervogelzählungen in Deutschland führen übrigens immer noch die Spatzen, Amseln, und Finken die Zählungslisten an. Die Quoten für Kernbeißer lagen in Deutschland immerhin bei 8,2%, Sumpfmeisen lagen bei 7,7%, für Birkenzeisige bei 0,4%, für den Seidenschwanz bei 0,1%, und für Rebhühner fast bei 0% (beobachtet in 41 von 22.000 teilnehmenden Gärten).

Hier gibt es mehr zum Vogelschutz in Lettland: 
Lettischer Naturschutzbund / Ornithologische Vereinigung (Latvijas Dabas fonds, Latvijas Ornitoloģijas biedrība LOB, gemeinsame Webseite in Lettisch / Englisch / Russisch / Litauisch)

Ornithologische Vereinigung LOB (lettisch / englisch)

Webcams zur Vogelbeobachtung in Lettland

Liste aller Vogelarten in Lettland (Latvijas Putni, lettisch /englisch)

Liste der in Lettland bedrohten und schützenswerten Vögel (lettisch / lateinisch)

20. Februar 2019

Präsidentenrochade

nein, kein Bild von irgend
einem Opernball, sondern
estnisch-lettisches
Tête-à-tête
auf der Sicherheitskonferenz in
München
Noch vor wenigen Monaten hätten politische Beobachter die in wenigen Wochen anstehende Wahl eines lettischen Präsidenten noch für wenig Aufsehen erregend gehalten: es galt als sehr gut möglich, dass Präsident Raimonds Vējonis eine zweite Amtszeit gewährt wird. Aber während staunende Deutsche im ehrwürdigen Hamburger Rathaus, im Ostpreußenmuseum in Lüneburg und in Berlin einen augenscheinlich gut gelauten lettischen Präsidenten erleben durften, kam zu Hause in Lettland eine Kampagne zur Wahl eines ganz anderen Präsidenten erst richtig ins Rollen.

Seit den lettischen Parlamentswahlen haben sich die politischen Machtverhältnisse neu sortiert. Die ehemals so einflußreiche Franktion der "Bauern und Grünen" Lettlands (Zaļo un Zemnieku savienība ZZS), aus deren Reihen Vējonis stammt, schrumpfte zur zweitkleinsten Fraktion im Parlament mit nur noch 11 Abgeordneten; Ex-Regierungschef Kučinskis erklärte zwar inzwischen die Unterstützung seiner Fraktion für eine zweite Amtszeit von Vējonis (lsm), dem kommt nun aber wahrscheinlich keine große Bedeutung mehr zu.

Mit Wirkung ab 2019 trat zudem eine Änderung der Verfassung in Kraft, der zufolge es nur noch offene (transparente) Abstimmungen bei der Präsidentschaftswahl geben soll (lvportal). Zwar wird der lettische Präsident weiterhin alle vier Jahre vom Parlament gewählt, aber bei unklaren Mehrheitsverhältnissen oder bei zwischen den einzelnen Wahlgängen plötzlich neu ins Rennen geschickten Kandidat/innen sollen nun geheime Absprachen verhindert werden. Ob damit aber der neue Präsident - oder die neue Präsidentin - nun schneller gewählt werden wird bleibt fraglich: alle haben jetzt den viele Wochen dauernden Prozeß zur Regierungsbildung moch frisch im Gedächtnis, bei dem es auch immer wieder neue Kandidaten gab, deren Versuche zur Regierungsbildung jeweils misslang.

Da wäre also Egils Levits. Der Rechtswissenschaftler, Ex-Botschafter und Richter am Europäischen Gerichtshof genießt zwar in Lettland hohes Ansehen, spricht vier Sprachen fließend und war schon 2015 Präsidentschaftskandidat. Kürzlich erschien sein Buch mit dem Titel "Der Staatswille" ("valstsgriba"), auf 848 Seiten versammelte Gedanken zur Entwicklung des lettischen Staates. Levits würde es sicher weder an Idealismus noch an Pragmatismus mangeln im Präsidentenamt - erst 2018 wurde er zum "Europäer des Jahres" in Lettland gewählt. In der vergangenen Woche - Präsident Vējonis befand sich wie gesagt in Deutschland - trat dann noch eine Pro-Levits-Initiative mit einer öffentlichen Petition und eigener Facebookseite auf - darunter bekannte Persönlichkeiten wie Stararchitektin Zaiga Gaile, Bibliotheksdirektor Andris Vilks, die Schriftstellerinnen Māra Zālīte, Nora Ikstena und Anna Žīgure, oder die Regisseure Alvis Hermanis, Viesturs Kairišs und Dāvis Sīmanis. (lsm / LA / Diena)

Als "in der Tonlage weit übertrieben und zu hektisch" kritisiert Romāns Meļņiks, Journalist der Tageszeitung "Diena", das plötzliche Aufsehen rund um Levits. "Fast wird der Eindruck erweckt, das Ende der Welt sei nahe, wenn Levits nicht gewählt werde," konstatiert er. "Eine einzige Person kann doch nicht, wie ein Väterchen Zar, alle unsere Probleme lösen - weder die geistigen noch die materiellen."
Unter den Parteien im Parlament, denen laut Verfassung die Entscheidung über den lettischen Präsidenten zukommt, ist außer Kučinskis ZZS nur die Position der nationalkonservativen Vaterlandspartei ("VL-TB/LNNK") klar; schon 2015 war Levits ihr Kandidat. Die Oppositionspartei "Harmonie" ("Saskaņa") will, so heißt es, auf jeden Fall einen eigenen Kadidaten ins Rennen schicken - und verübelt es Vējonis öffentlich, dass er nicht auch dem Saskaņa-Kandidaten, als immerhin Vertreter der stärksten Fraktion im Parlament, die Chance zur Regierungsbildung gab. Was die neu gebildete Koalition angeht, so kündigte Ministerpräsident Krišjānis Kariņš eine Einigung auf einen Präsidentschaftskandidaten bis zum 15. April an.

Levits selbst äußert sich in sofern bisher zurückhaltend, dass er "nicht nur Kandidat einer Partei" sein möchte. "Wenn die Koaltion sich auf einen Kandidaten einigen kann, dann gut - wenn nicht, sollen sie einen anderen suchen." Gefragt nach den wichtigsten Aufgaben eines Präsidenten antwortet Levits: "Erstens Lettland international zu repräsentieren - das ist für alle kleineren Staaten wichtig. Dann hat der Präsident eine Art 'Reserve-Funkion' im Falle von Regierungs- und Staatskrisen. Und er sollte auch weitsichtiger denken als Politiker im Tagesgeschäft das tun." (lsm)

Während also zu Hause in Lettland eher Levits die Schlagzeilen bestimmte, musste Vējonis aushalten, dass wohl nicht jeder Lette und jede Lettin einordnen können, was Gespräche mit Personen namens "Pīteru Čenčeru", "Volfgangu Šoibli" oder "Ulrihu Mēdgi"bedeuten könnten. Immerhin schien der einheimischen Klatschpresse der Auftritt der Präsidentengattin schon mal gut zu gefallen (Kokteilis). Aber die Chancen zur Wiederwahl steigen ja leider nur minimal, wenn die Gattin bei der Kleiderwahl richtig liegt. "Immhin keine neuen Peinlichkeiten", wird da mancher Lette und manche Lettin denken, angesichts mancher Fehlgriffe offizieller Auftritte der Vergangenheit bei anderen Personen.
Gefragt nach seinem offensichtlichen Gegenkandidaten gab Vējonis dann nach seiner Rückkehr recht nebulöse Bemerkungen zu Protokoll, "hinter jeder Kampagne stehe ja auch meist einer, der das finanziert." (DeFacto / lsm) Wollte er damit Kritik befeuern, die Levits als zu stark für die Interessen von Auslandskapital und großen Unternehmen abhängig darstellen? Es blieb vorerst unklar. Jedenfalls hat die überraschende Rochade (lettischer Präsident für die deutsche Presse, Gegenkandidat für die lettische) die politisch Interessierten jetzt so richtig auf Temparatur gebracht: die Diskussionen um den best möglichen nächsten lettischen Präsidenten sind jetzt warmgelaufen.

27. Januar 2019

Laß es Lein sein!

Lettland war vor allem zwischen den Weltkriegen stolz auf die Erzeugnisse lettischer Landwirtschaft, die mitgeholfen haben, das eigene Land aufzubauen und ein eigenes Selbstbewußtsein zu entwickeln. So soll etwa lettische Butter in Berliner Hotels das edelste und beste gewesen sein, das dort in den Gourmetküchen Verwendung fand.

Auch der Anbau von Lein hat in Lettland durchaus seit längerem bereits Tradition. Nun wurde zum ersten Mal seit 84 Jahren in Lettland auch wieder eine neue Leinsorte gezüchtet. Diesen Erfolg reklamieren zwei Institute für sich: das Landwirtschaftliche Wissenschaftliche Institut Latgale (Latgales lauksaimniecības zinātnes centra LLZC) und das Institut für Agroressourcen und Ökonomie (Agroresursu un ekonomikas institūta AREI).

Flachs (Linum usitatissimum L.) ist eine der ältesten Kulturpflanzen Europas. Seit 1923, als der Flachsanbau Teil der lettischen Landwirtschaftspolitik wurde, haben sich aber die Anbauflächen auch in Lettland stark verringert. Die Flachssorten werden in zwei Gruppen unterteilt: entweder zur Produktion von Öl (die Samen enthalten bis zu 40%), oder zur Fasergewinnung. Zu Sowjetzeiten wurde 1970 der Anbau ganz eingestellt, 1993 im unabhängigen Lettland dann wieder aufgenommen. Zuletzt sank die Anbaufläche in Lettland allerdings allein zwischen 2005 und 2008 von 2000ha auf nur noch 600ha. Konsequenz: eine Zukunft kann es nur mit neuen Ideen geben!

Was bisher fehlte: es gab keine speziell auf lettische Wetterbedingungen abgestimmt gezüchteten Sorten. Flachsrost, ausgelöst durch Pilze, war bisher ein großes Problem.
Der Erfolg kam nun mit der Zuchsorte ‘I 18-1’, genannt "Vilani"; sie soll sowohl für die Öl- als auch Fasergewinnung geeignet sein. Sie wird mit einer Vegetationsperiode von 83 Tagen als mittelfrühe Sorte eingestuft. Die Sorte blüht weiß und gilt als dem lettischen Klima gut angepasst.

Ehrung mit Präsident:
Dr. Veneranda Stramkale, Chefwissenschaftlerin des
agrarwissenschaftlichen Instituts in Latgale
Es ist das erste Mal seit 84 Jahren, dass wieder eine lettische Sorte neu registriert werden konnte. Das lettische Landwirtschaftsministerium verlieh der Agrarwissenschaftlerin Dr. Veneranda Stramkale im Rahmen des Wettbewerbs “Sējējs 2018” einen Preis für ihr Lebenswerk. (Landwirtschaftsministerium)

Dr. Veneranda Stramkalne, die im Dezember ihrem 80.Geburtstag entgegen sieht, betreibt zusammen mit ihrem Sohn Aldis eine kleine Filiale des AREI-Instituts in Viļāni in Latgale - “Latgales lauksaimniecības zinātnes centru”. Die neue Leinsorte bedeutet also auch eine Referenz an diesen Ort. Auf 53 Arbeitsjahre in der Landwirtschaft kann Stramkalne bereits zurückblicken. "Mir wurden schon oft andere Jobs angeboten, aber ich denke, ich mache momentan genau das, was den Menschen direkt nutzen kann - ich könnte ja jedem Bauern eine Ratgeberin sein," so erzählte es die Wissenschaftlerin in einem Interview (lsm).
Nirgendwo anders ist größere Vielfalt zu finden als bei Dr. Stramkale am Ufer des Flüsschens Malta: 14 verschiedene Kulturpflanzenarten und insgesamt 102 Sorten sind hier zu finden. "Zwischen April und Oktober bin ich eigentlich immer auf dem Feld," erzählt die Forscherin, die sich auch in einer wichtigen Rolle für die Region Latgale sieht.

Bleibt noch ein Vorschlag. Der 3000-Einwohner-Ort Viļāni weist stolz eine eigene städtische Hymne aus. Dort wird bisher der "weiß blühende Faulbaum" (lett. "Ieva") besungen - es könnte ja in Zukunft auch die Leinblüte sein.

24. Januar 2019

Geburt nach 16 Wochen: Kristjan-Johannes machts - vorerst

Mit der Unterstützung von 61 der 100 Abgeordneten wurde am 23.Januar 2019 im lettischen Parlament ein neuer Regierungschef bestätigt: Krišjanis Kariņš, bisher Europaabgeordneter seiner Partei "Jaunā Vienotība" (Neue Einigkeit). Damit haben die am 3.Oktober ins Parlament gewählten Parteien 109 Tage und damit gut ein Drittel eines Jahres für die Gespräche über eine Regierungsbildung gebraucht. Trotzdem steht die Regierung Kariņš auf ziemlich wackeligen Füßen: sie sind es fünf Koalitionsparteien, zugestimmt haben der neuen Regierung aber nur 4 1/2.

Was Krišs verspricht: Wohlstand, Wohlstand,
Wachstum ...
Die Koalitionsvereinbarung wurde unterzeichnet von "Jaunā vienotība" JV (Neue Einigkeit, 8 Sitze, 3 Minister), "Attistībai par" AP ("Für Entwicklung, dafür", 13 Sitze, 3 Minister), die "Nationāla apvienība" NA ("nationale Vereinigung Alles für Lettland", 13 Sitze, 2 Minister), die "Jaunā Konservatīvā Partija" JKP ("Neue Konservative Partei", 16 Sitze, 3 Minister) und die Partei "KPV-LV" ("Wem gehört der Staat", 16 Sitze, 3 Minister).

Bestätigt wurde auch die Verteilung der Minister: Artis Pabriks (AP) wird erneut Verteidigungsminister, Außenminister bleibt Edgars Rinkēvičs (JV), Wirtschaftsminister wird Ralfs Nemiro (KPV), Finanzminister Jānis Reirs (JV) und Innenminister Sandis Ģirģens (KPV). Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft wird Ilga Šuplinska (JKP) leiten, Dace Melbārde (NA) bleibt wie bisher Kulturministerin, und das Wohlfahrts/Sozialministerium leitet jetzt Ramona Petraviča (KPV). Verkehrsminister wird Tālis Linkaits (JKP), Justizminister Jānis Bordāns (JKP), über das Gesundheitswesen wacht Ilze Viņķele (AP), Minister für Umwelt und Regionales wird Juris Pūce (AP),  Landwirtschaftsminister wird der bisherige Umweltminister Kaspars Gerhards (NA).

Was die "KPV" gerne versprechen möchte: bis
2050 sollen es 2,5 Millionen lettische Staatsbürger sein
Allerdings kam es bei der Abstimmung im Parlament zu Uneinigkeit innerhalb der von manchen als "populistisch" eingestuften Partei KPV: eigentlich hätten die Koalitionsparteien zusammen über 66 Stimmen verfügt - aber 5 der 16 KPV-Abgeordneten stimmten gegen die Regierung, darunter auch Aldis Gobzems, der vorher selbst schon eine Regierungsbildung unter seiner Führung versucht hatte. Gegen die Regierung Kariņš stimmte ebenfalls die Partei des bisherigen Regierungschefs Māris Kučinskis "Zaļo un Zemnieku savienība" ZZS (Grüne und Bauernpartei, 11 Sitze), sowie die Partei mit der größten Parlamentsfraktion "Saskaņa" ("Harmonie", 23 Sitze).

Bis zu diesem Punkt mussten offenbar viele Sackgassen ausprobiert werden:
- die JKP wollte auf keinen Fall die "Bauern und Grünen" mit in der Regierung haben
- die beiden gleichstarken Parteien, beide neu im Parlament, JKP und KPV schickten ihre Kandidaten Bordāns und Gobzems ins Rennen zum Versuch einer Regierungsbildung; offenbar fest von ihren Erfolgchancen überzeugt. Beide scheiterten frühzeitig.
- auch Artis Pabriks, früher schon in verschiedenen Parteien aktiv, nun Spitzenkandidat der AP, musste es erst unbedingt als (vom Präsidenten benannter) Kandidat versuchen. Auch er scheiterte schon bevor es zur Abstimmung kam.
- schließlich waren auch einige der von der KPV benannte Ministerkandidaten ein Streitpunkt: manche, wie sogar Spitzenkandidat Gobzems bekamen vom Verfassungsbüro und dem lettischen Sicherheitsdienst keine Freigabe zur Einsicht in Staatsgeheimnisse. Kann so jemand Innenminister werden? Kariņš setzte durch: nein.

Sind diese Differenzen jetzt nach Regierungsbildung beseitigt? Es bleibt vorerst unklar. Seit der Wahl im Oktober ging es in der öffentlichen Diskussion sehr viel um Ministerposten, sehr wenig um Sachfragen. Die Zusammensetzung einer möglichen Koalition stand dabei kaum in Frage - denn alle schlossen eine Zusammenarbeit mit der als russlandfreundlich geltenden "Saskaņa" aus. Obwohl nun mit der KPV und der JKP zwei Parteien Teil der Koalition sind, die im Wahlkampf heftig gegen die bisherige Regierung auftraten, ist in der Regierungserklärung die Kariņš nun abgab, sehr viel vom Fortsetzen des bisherigen Kurses die Rede: wirtschaftsfreundlich, pro EU-Integration, mindestens 2% des BSP soll auch weiterhin fürs Militär ausgegeben werden, und es wird Sparen und Finanzstabilität versprochen. Als einzige klare Änderung zur bisherigen Poltik wird die Abschaffung der (obligātā iepirkuma komponenti) OIK angekündigt - einer Abgabe auf den Ernergiepreis, die eigentlich zur Förderung nachhaltiger Energie eingeführt worden war, zuletzt aber stark umstritten war.

Der 1964 in den USA als Kind lettischer Eltern geborene Krišjanis Kariņš promovierte 1996 an der University of Pennsylvania im Fachbereich Sprachwissenschaften. In der politischen Szene Lettlands tauchte er zuerst 2002 als einer der Mitgründer der Partei "Jaunais Laiks" JL ("Neue Zeit") auf. Im selben Jahr kandidierte er für die JL bei den Parlamentswahlen und wurde auch gewählt. Schon damals war er für ein Ministeramt im Gespräch. Als Regierungschef Einars Repše 2004 zurücktrat nominierte seine Partei Kariņš für dieses Amt - statt dessen bekam damals Indulis Emsis (Grüne) das Vertrauen zur Regierungsbildung, auch durch die Unterstützung der damals einflußreichen Tautas Partija ("Volkspartei"). Als die Regierung Emsis schon Ende 2004 wieder auseinanderbrach, schlug die JL erneut Kariņš vor, und erneut erfolglos. Er wurde aber Wirtschaftsminister in der Regierung Aigars Kalvītis. Als "Jaunais Laiks" 2006 aus der Regierung Kalvītis austrat, trat auch Kariņš zurück. 2009 kandidierte Kariņš auf der Liste der "Jaunais Laiks" zum Europaparlament und wurde auch gewählt (dort Mitglied der Fraktion der EVP). 2014 errang er erneut einen Sitz im EP, diesmal auf der Liste der "Vienotība" ("Einigkeit"), einem Zusammenschluß unter Beteiligung auch der JL. Bei den Parlamentswahlen 2018 kandidierte Kariņš für die "Jaunā Vienotība", einem Zusammenschluß aus Resten der "Vienotība", "Kuldīgas novadam" ("für den Kreis Kuldiga"), "Tukuma pilsētai un novadam" ("Für Stadt und Kreis Tukums"), "Valmierai un Vidzemei" ("Für Valmiera und Vidzeme"), "Jēkabpils reģionālo partija" ("Regionalpartei Jēkabpils") und der "Latgales partija" ("Lagale Partei").

16. Januar 2019

Als das Gas nach Jelgava kam

Wenn es in Osteuropa Unfälle mit Gasexplosionen gibt, könnte es sein dass auch die Menschen in Lettland genauer hinhören - klingt es doch wieder nach Schluder, Pfusch und Korruption. Es klingt nach Zuständen wie zu Sowjetzeiten. Natürlich ist es bis zu einem gewissen Grad auch ein Vorurteil, denn Gasexplosionen gab es in den vergangenen Wochen zum Beispiel auch in Paris, in Donzdorf bei Göppingen, oder in Wien.

Screenshot aus dem lettischen Fernsehbericht
zur Katastrophe von Jelgava 1969
In den lettischen Medien wurde jetzt an ein Unglück erinnert, dass am 12. Januar vor genau 50 Jahren in Jelgava ereignete: im Keller eines Wohnhauses in der Raiņa ielā 9. Die Folge: 41 Tote, darunter 14 Kinder.

Ein Ereignis, dass auch heute noch vielen Lettinnen und Letten unbekannt ist - damals wurde alles getan, um Stillschweigen zu dem Unglück zu bewahren. 1969 war in den Zeitungen fast nichts darüber zu finden. "Es war ein Sonntag. Am Tag darauf war der erste Schultag nach den Ferien," erzählt Juris Pudelis, der die Ereignisse damals hautnah miterlebt hat (lsm). "Mein jüngerer Bruder Pēteris und der jüngere, Jānis, schliefen im Nachbarzimmer. Die Explosion war gar nicht laut. Ich stand mit meinen Eltern im Türrahmen. Ich erinnere mich an große Staubwolken. Wie Nebel. Es war ein sonniger Wintertag - minus 15 Grad, und dann dieser Staub. Die Brüder waren in den Zimmern, die zusammengebrochen waren."

Es war der 12. Januar 1969 um 10.55 Uhr, als eine Gasexplosion Teile des Hauses in der Raiņa ielā 9 zerstörte. Valdis Āboliņš, Bauaufseher für das Projekt, wohnte im selben Haus, aber seine Wohnung blieb unzerstört. "Ich sah den Fotoapperat auf dem Tisch, ich war Fotoamateur zu der Zeit," erzählt er. "Ich ging auf den Balkon und machte nur 30 Sekunden nach der Explosion das erste Foto." Zwei Stunden vergingen, und einige begannen mit bloßen Händen zu graben, so der Augenzeuge. Zuerst habe man gedacht es seien Betonplatten zusammengebrochen. Und die Soldaten, die dann zur Hilfe geschickt worden seien, hätten ohne Arbeitshandschuhe arbeiten müssen. "Aber mein Vater hat auf seiner Arbeit angerufen, die haben schweres Bergungsgerät geschickt."

Das Haus hatte damals als eines der ersten in der Stadt Gasanschluss bekommen. Zu dieser Zeit war in ganz Lettland die Versorgung mit Gas für die Wohnung erst in den Anfängen - so machte man Fehler. Später stellte man am Unglücksort in Jelgava fest, dass auch die Räume eines benachbarten Kinos schon voller Gas waren - nicht auszudenken, die Explosion hätte sich während einer Vorführung ereignet.

dem heutigen Gebäude ist das Unglück nicht mehr
anzusehen
Den betroffenen Familien wurden damals Wohnungen in einer anderen Straße zu gewiesen. Die Untersuchungen wurden schnell abgeschlossen. Sechs Monate später gab es einen Gerichtsprozess - einem Meister und einem Ingenieur der Baubrigaden wurde die Schuld zugesprochen. Der eine bekam eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, der andere musste sich auf der Arbeit bewähren und bekam ein Jahr einen Lohnabzug von 10%.

Als ein Jahr später am 12. Januar Nachbarn und Hinterbliebene ein Gedenken an das Ereignis vorbereiteten, wurde es von den Behörden verboten. In dieser Zeit brachte das sowjetlettische Fernsehen lieber Berichte vom Aufbau schöner neuer Wohnungen für glückliche Arbeiterfamilien, wie es auch die Dokumentation des lettischen Fernsehens zeigt (lsm). Der erste detaillierte Bericht erschien in den lettischen Medien erst 1995.(Bericht Panorama zum Thema)

31. Dezember 2018

Böllerei

Während in Deutschland einige Medien sich darauf konzentrieren, wie viele Menschen Hunderte und Tausende von Euros ausgeben, um ihr privates lautes Feuerwerk irgendwo zu zünden (sicher nicht dort, wo es keiner gebührend zur Kenntnis nehmen kann), scheint die Böllerei in Lettland anders zu laufen. Waren Sie schon mal bei Lettinnen und Letten am letzten Tag des Jahres zu Gast? Falls ja, wie viele Raketen wurden dort gezündet?
So in etwa soll es werden: Screenshot aus einem Werbefilm der
"International Fireworks Design GmbH"
Wohl bekannt ist aber das große Fest-Feuerwerk in Riga, vorwiegend am Daugava-Ufer. Das wäre doch eine Form des öffentlichen Funkensprühens, wovon in deutschen Landen vielleicht mancher Stadtbürgermeister träumt: öffentlich organisiert, mit sicherheitstechnischer Begleitung und kostenlosem Zutritt. Wenn statt dessen das private massenhafte Verballern von CO2 in die Atmosphäre unterbleiben könnte ...

Zitat: "Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden rund 4.500 Tonnen Feinstaub (PM10) frei gesetzt, diese Menge entspricht in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und circa 2,25 Prozent aller PM10-Emissionen (2016)." (Quelle: Umweltbundesamt)

In Lettland steht dagegen offenbar an erster Stelle die Summe der staatlichen oder städtischen Ausgaben. "Dieses Jahr kostet das Sylvesterfeuerwerk 18.000 Euro", so titelt zum Beispiel die "Neatkarīga". Genauer gesagt: 17 638 Euro ohne Mehrwertsteuer, rechnet das Blatt aus. Ausrichter des städtischen Feuerwerks ist diesmal die "International Fireworks Design Gmbh" mit Sitz in Riga. 17 lizensierte Firmen gibt es bisher in Lettland, die Feuerwerk organisiert anbieten. Zum Jahresende 2017 soll das Feuerwerk mit 25187 Euro Kosten noch etwas teurer gewesen sein - allerdings hat es am 18. November 2018 dieses Jahr auch schon das große "100-Jahre-Lettland-Feuerwerk" gegeben. Auch dafür sind die Kosten bis auf den letzten Euro bekannt: 160.658 Euro. Also dann, mit staatlich organisiertem oder privatem Zündeln, oder auch ganz ohne: Frohes Neues! Laimīgu Jauno Gadu!

24. Dezember 2018

Kirchliche Festtage

17% der Einwohner/innen Lettlands glauben nicht an Gott - so ermittelte es die Agentur SKDS kurz vor Weihnachten in einer Umfrage. Weitere 30% glauben zwar an Gott, zählen sich aber nicht zu den christlichen Kirchen. Die Gruppe derjenigen, die an Gott glauben und sich zu den christlichen Kirchen zählen liegt zusammengezählt bei 43% und damit seit 2009 in den SKDS-Umfragen ziemlich stabil (Arnis Kaktiņš).

"Am Weihnachtsabend gehe ich zur Kirche" - dieser Aussage stimmen dagegen nur noch 18% zu. Mit "vielleicht" antworten noch 23%, aber die Gruppe der Nicht-Kirchgänger selbst zum Weihnachtsfest stieg in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Lettland auf 50% (Arnis Kaktiņš)

21. November 2018

Vor fünf Jahren ...

konnte in Riga von Glück sagen, wer nicht spät nachmittags noch auf den Gedanken kam, schnell einkaufen gehen zu wollen. Das Dach einer Filiale der Kette "Maxima" im Stadteil Zolitude stürzte komplett ein - mit bösen Folgen.

Hier einige Fakten des genauen Ablaufs, so wie er heute feststeht:
21. November 2013, 8.00 Uhr - Die "Maxima”-Filiale Priedaines ielā 20 öffnet ihre Türen für die Kunden. Auf dem Dach wird an einer Begrünung und einem Spielplatz gearbeitet.
16.15 Uhr - Die Arbeiter verlassen das Dach.
16.20 Uhr - Der Feuermelder des Gebäudes schlägt an. Eine Stimme warnt in drei verschiedenen Sprachen vor einer gefährlichen Situation im Gebäude. Ein Brand wird aber nicht entdeckt.
17.05 Uhr - Die Warnmeldungen werden ausgeschaltet. Ein Teil der Kunden der den Laden verlassen hatte kehrt zurück.
17.44 Uhr - Bei der Überwachungsfirma ertönt ein Alarmsignal: "erweiterte Schäden".
17.22. Uhr 21 Sekunden - Das Dach des Ladens bricht zusammen.
17.46 Uhr - Beim Rettungsdienst geht ein Notruf ein.
18.00 Uhr - 14 Minuten nach dem Alarm erreichen die ersten Retter den Ort des Geschehens.
18.08 Uhr - Die Retter bergen die ersten Verletzten.
18.18 Uhr - Der erste Tote wird gefunden.
19.04 Uhr - auf 900qm Fläche brechen weitere Gebäudeteile ein - ausgerechnet dort, wo auch schon Rettungsmannschaften tätig waren
19.52 Uhr - Die Polizei beginnt ihre Untersuchungen um die Ursachen der Katastrophe zu finden.
21.27 Uhr - Mit Spezialkränen werden Betonteile angehoben, um weiter Überlebende zu bergen.

In den Folgetagen:
Am 22. November wird drei Tage Staatstrauer verkündet.
Auch unter den Rettungsmannschaften gibt es drei Tote und 12 Verletzte.
Bis zum 23.November abends werden 54 Tote geborgen. Nochmals bricht ein weiteres Teil des Gebäudes zusammen, diesmal ohne weitere Verletzte.
Am Nachmittag des 25. November werden die Rettungsarbeiten abgeschlossen, an denen insgesamt 557 Menschen und 25 technische Einheiten beteiligt waren.
(zusammengestellt nach lsm)

Damals trat der lettische Ministerpräsident Dombrovskis - heute Mitglied der EU-Kommission in Brüssel - zurück (siehe Blogbeitrag).

Bis heute ist vor Gericht in dieser Sache noch kein Urteil gesprochen worden. Es wurden viele Zeugen gehört und Angeklagte befragt. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift noch geändert, Details sind bisher nicht öffentlich. Einen Urteilsspruch wird es zumindest 2018 nicht mehr geben. Der Beginn des Verfahrens wurde in das Konferenzzentrum Ķīpsala verlegt, dort waren alle 460 Zuschauerplätze besetzt.
Auf der Anklagebank sitzen bisher neun Menschen; fünf sind wegen Nichtbeachtung von Bauvorschriften angeklagt, drei wegen Verletzung ihrer Amtspflichten und einer wegen Verstosses gegen Bestimmungen der Arbeitssicherheit.

Im Laufe von drei Jahren gab es bereits 150 Gerichtstermine in dieser Sache. Richter Erlens Ernstsons ist zuversichtlich den Prozeß auch abschließen zu können (lsm). 
Befragt wurden bisher mehr als 400 Personen, darunter 12 Experten, auch vom Unglück Betroffene und Überlebende. Die Hinterbliebenen haben sich mit "Maxima Lettland" auf eine Kompensation von je 100.000 Euro geeinigt.
Heute abend fand vor Ort eine Gedenkfeier an das Geschehen statt.

15. November 2018

Kirsons gibt den Löffel ab - aber nur in Berlin

missverstandene Kirsons-Werbung?

Schnelllebige Schnellrestaurants

Es war vielleicht eine Überraschung für Berlin, als im Mai 2016 (Blogbeitrag) gleich zwei Restaurants der aus Lettland bekannten Kette "Lido" (in Berlin = "Kirsons") eröffnet wurden. Und als Ende 2016 klar wurde, beide Restaurants machen auch in der Wintersaison weiter ("Kirsons überwintert"), galt es als positives Zeichen - und noch im Frühsommer diesen Jahres wurde "2 Jahre Kirsons in Berlin" gefeiert. Nun ist plötzlich Schluß im "Kirsons Charlotte". "Aus technischen Gründen" - diese vorläufig klingende Begründung ziert die Eingangstür allerdings bereits seit mehreren Wochen.

Was tun, wenn man hungrig auf lettische Speisekarte ist? Rüber zum "Alexa", der zweiten "Kirsons"-Filiale in Berlin. Dort tummelt sich überraschend viel Personal mit überraschend offener Auskunft: Nein, das "Charlotte" wird nicht wiedereröffnen. Ob denn die eigene Filiale im "Alexa" erhalten bleibe? Das wird zwar positiv beantwortet, aber der zugehörige Gesichtsausdruck sieht alles andere als zuversichtlich aus. Ebenfalls bedenklich stimmt, dass die "Weihnachtsdekoration" des Ladens noch aus dem Vorjahr zu stammen scheint. Ungern erinnert man sich in Lettland an die Krisenzeiten, als auch Ķirsons seinen Angestellten den Lohn schuldig blieb (bnn-news).

Aus für "Charlotte", Schrumpfung bei "Alexa"?

Auch die Auswahl an Speisen im "Alexa" scheint ausgedünnt: auf lettische Art geräuchertes Hühnchen? Schon lange nicht mehr ("das war eine Sonderlieferung"). Lettisches Sauerkraut? Heute nicht. Maizes supa? Vielleicht morgen. Einzig das "Užavas"-Bier (+ Piebalgas in Flaschen), und die lettischen Backkartoffeln scheinen noch vertraut von der lettischen Speisekarte. Im Angebot: ein "Business-Lunch" (Hühnchenbrust süß-sauer, mit Reis und Gemüse), der ähnlich auch in einem billigen Asia-Imbiss zu haben wäre.

Zwei Jahre zuvor tönte der Firmenchef noch davon, insgesamt 15 Restaurants allein in Berlin eröffnen zu wollen (lsm). Berliner, die im "Charlotte" öfter zu Gast waren berichten von einem scheinbar stets gut besuchtem Lokal. Hat hier also der lettische Unternehmer einfach das gemacht, was ja europaweit und global offenbar längst üblich ist? Subventionen der EU in Millionenhöhe genutzt, dazu Finanzen der lettischen Investitionsagentur - um dann nach Auslaufen dieser Finanzierungsquelle einfach wieder zu schließen, und das noch unangekündigt durch die Hintertür?
Aus der Werbung der LIDO-Kette: immer stolz auf die Firmengeschichte

In Lettland kassiert, in Deutschland abgeschöpft

Ganz anders dagegen in Lettland: eine aktuelle Übersicht zu den umsatzstärksten Restaurants in Lettland (firmas.lv / Leta) sieht die LIDO-Ketten von Gunārs Ķirsons im Jahr 2017 mit 5,8% Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr auf nun 38.584 Millionen Euro klar auf Platz eins. Im Mai war ein Interview mit in der lettischen Presse zu lesen, in dem eine komplette Renovierung des Rigaer "Stammlokals" ("Vērmanītis") für 800.000 Euro angekündigt wird. Gleichzeitig wollte der Unternehmenschef damals die Frage nach eventuellen Schließungen von Filialen nicht beantworten (tvnet).

Dabei ist auch in Riga das Überleben von Restaurants auch für diejenigen nicht selbstverständlich, die bisher bereits als gut eingeführt und bekannt galten. So steht laut einem Pressebericht offenbar das Restaurant "Bergs" in der Passage "Berga bazars", das sich selbst als "Lettlands bestes Boutique-Hotel" anpreist, kurz vor der Schließung (Jauns). Das 2003 eröffnete Fünfsternehotel "Bergs" errang europaweit Anerkennung, als das Restaurant 2010 unter die "50 besten Restaurant Europas" gewählt wurde (BalticTravelnews, Dienas bizness) - allerdings könnten das auch Marketingmaßnahmen der Branche gewesen sein, denn die zu dieser Rangliste gehörende Webseite ist inzwischen komplett wieder aus dem Internet verschwunden. Das Lokal also vielleicht bald ebenso.

Berlin ohne Lettisch - who cares?

Und in Berlin lettisch essen gehen wollen - eine Illusion, die keiner braucht? Auch das Restaurant "Schwalbennest" im Berliner Nikolaiviertel, die "Berliner Zeitung" war bei der Eröffnung noch ganz euphorisch, schloss bereits im September 2016 wieder seine Pforten (nur die Facebookseite existiert noch). Dann investierte Kirsons 3 Millionen in Berlin. Manche fanden ja gleich zu Beginn schon die "Trachtenmädels" und andere Details eher "peinlich" (wetravel24). Wer anonymen Bewertungen traut, schaut bei "Kununu" nach - dort haben drei angeblich bei "Kirsons" Angestellte ihre Bewertungen hinterlassen: "Für Gäste toll, für Mitarbeiter nicht zu empfehlen" ist da genauso zu lesen wie auch 'Lettische Mitarbeiter/innen mögen keine deutschen Kolleg/innen". Wo wohl die Wahrheit liegt? Irgendwo "in der Mitte"?

neue Firmenchronik?
Am Fenster der Ex-Filiale in der Charlottenstraße 13 klebt ein Zettel der besagt, dass die Genehmigung auch draußen Tische und Stühle hinstellen zu dürfen, noch bis zum 24.Januar 2019 gültig ist. Auch der "Nach-Hause-Lieferservice" wird online noch eifrig beworben (mit "Kirson Alexa GmbH" als neuer, eigenständiger Firma?). Also, vielleicht gibts bei "Charlotte" demnächst noch eine "Open-Air-Sylvestersause" zum Abschluß? "Viss kārtībā", wie man so auf Lettisch sagt. Zuzutrauen wäre es Kirsons allemal!