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| "Aber ich bin Minister!" - "Ihr Ministerium können Sie vielleicht auch besoffen führen, aber ein Auto nicht!" (Gatis Šļūka) |
Wie im Rausch
Im zurückliegenden Parlamentswahlkampf hatte einer der amtierenden Minister ganz besondere Schlagzeilen gemacht: Sozialminister Reinis Uzulnieks war am 12. September mit sehr viel Alkohol im Blut (von mehr als 3 Promille war die Rede) von der Polizei erwischt worden. Er wurde daraufhin unverzüglich als Minister entlassen. Seine Fraktion der "Bauernunion" (ZZS) schloss ihn daraufhin auch gleich aus der Partei aus - aber als einer der ZZS-Spitzenkanditaten konnte er nicht mehr von den Wahlzetteln gestrichen werden. Nun können ja Lettinnen und Letten alle Kandidatinnen und Kandidaten auf der Parteiliste ihrer Wahl auch mit Plus- und Minuiszeichen versehen: erstaunlich daher, dass Uzulnieks mit 1147 Pluszeichen die meisten der gesamten Liste bekam. Allerdings waren auch 1030 Minuszeichen dabei (ebenfalls die meisten auf der gesamten Liste der ZZS für Zemgale).
Am 10.Mai war es Verteidigungsminster Andris Sprūds gewesen, der nach Meinung der damaligen Regierungschefin Evika Siliņa nicht genug unternommen hatte, um den lettischen Luftraum vor Drohnenangriffen zu schützen (er trat zurück im selben Moment, als Siliņa seine Entlassung bekannt gab).
Der Holzmichel
Aber es gab ja auch noch Armands Krauze. Seit 2023 als Minister für Landwirtschaft und Forsten im Amt, gleichzeitig auch Vorsitzender der Fraktion "ZZS". Im März 2026 leitete die Generalstaatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ihn wegen mutmaßlicher rechtswidrigen Gewährung von Beihilfen an Holzunternehmer ein; am 14.Mai wurde er von lettischen Ermittlungsbeamten vorläufig festgenommen. Daraufhin hatte Siliņa auch ihn vom Amt suspendiert - eine ihrer letzten Amtshandlungen als Ministerpräsidentin. „Ich kann keinen Verdachtsschatten über Regierungsmitgliedern dulden“, so Siliņa. Noch am selben Tag, am 14. Mai 2026, gab Siliņa ihren eigenen Rücktritt bekannt, nachdem ihre Regierungskoalition keine Mehrheit mehr im Parlament hatte.
Manchmal fallen lettische Minister nicht tief, wenn sie denn fallen. Krauze hatte vor seiner Ernennung zum Minister einen Platz im lettischen Parlament - den nahm er schon eine Woche nach seiner Suspendierung wieder auf (Nachrücker müssen dann den Platz wieder räumen). Allerdings erhielt die ZZS jetzt bei den Wahlen landesweit nur 4,4%, und Armands Krauze gelang es, die meisten Minuszeichen der gesamten Parteiliste einzusammeln (cvk). - Andris Sprūds dagegen wurde jetzt erneut für seine Partei "Progresīvie" erneut ins Parlament gewählt, ebenso wie Evika Siliņa für "Jauna Vienotība".
Geschenkte Traktoren ?
Der Fall Krauze scheint jedoch noch nicht abgeschlossen. Schon im Mai hatte er verkündet, in der Regierung Kulbergs nicht mitarbeiten zu wollen (LA). Dem Generalstaatsanwalt warf er vor, von Politikern beeinflusst und gelenkt zu werden (LA)
Journalistin Ieva Jakone hat sich auf den Weg gemacht und Armands Krauze zu Hause (im Dorf Inciems) besucht. Sie wollte dem Verdacht nachgehen, Krauze habe von "einem Freund" aus der Holzindustrie einen Traktor im Wert von 100.000 Euro geschenkt bekommen. Sie stellt fest: auf dem Hof befinden sich mehrere Traktoren älterer Bauert, die sicherlich schon viele Jahre im Einsatz sind. Und dann noch ein neuer CLASS Axion 821 mit Baujahr 2021. (IR)
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| Sieht so Traktorfahrers Traumland aus? Es stört kein Baum, kein Strauch ... |
Krauze selbst sagt dazu, er habe den Traktor gemietet. Aber von wem? Die Firma von Kāpostiņš betreibt weder Landwirtschaft noch Maschinenverleih - besitzt aber diesen einen Traktor. Warum kauft also jemand einen Traktor, um ihn dann jemand anderem zu überlassen? Krauze dazu: "Ich interessiere mich nicht für solche Details. Ich habe gefragt, von wem ich mieten kann, und er hat ihn vermietet“.
Auf die Frage, warum Kāpostiņš ihn so häufig im Ministerium besucht habe, antwortet der Ex-Minister ausweichend. Nein, ein Berater sei das nicht gewesen, eben nur ein guter Freund. Ob man über die Holzindustrie geredet habe? "Mein einem Freund redet man über alles Mögliche," so Krauze. 2023 hatte die Regierung in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss gefasst, die Holzindustrie zu unterstützen - was zu Verlusten bei den Staatswäldern von 49,4 Millionen Euro führte (lsm). 14 Unternehmen hatten staatliche Beihilfen erhalten, und sämtliche dieser Firmen schlossen das Jahr 2023 mit Gewinnen ab. (IR)
Wald oder Einnahmen - eines davon muss wachsen
Armands Krauze, der Andi Scheuer der lettischen Politik? Der neuen Regierung wird er nun nach den Wahlen nicht mehr angehören. Der Staatsgerichtshof sieht keinen Grund einzuschreiten, und das lettische Verfassungsgericht wies einen Antrag ab, sich mit dem Fall zu befassen. Auch der jetzige Regierungschef Kulbergs hat bereits abgelehnt, die unter der Vergängerregierung diesbezüglich (insgeheim) gefassten Beschlüsse zu Gunsten der Holzindustrie zurückzunehmen - das sei "rechtlich nicht möglich", so Kulbergs. (LA)
So wird es also weitergehen mit Berichten wie aktuell dem aus Rucava, nahe der Grenze zu Litauen. "Kahlschlag non-stop", auch bei einem 400 Jahre alten Wald (lsm). "Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einem wohlhabenden Land leben wollen, oder in einem Reservat wo die Menschen in Armut leben", solche und ähnliche Zitate werden auch Ex-Forstminister Krauze zugeschrieben. (LA)






























