Werden Sitze im Parlament verlost? Nein, nicht doch - aber es geht um die Reihenfolge. Wählerinnen und Wähler in Deutschland sind es ja gewohnt, dass sich oben auf dem Wahlzettel immer diejenigen Parteien befinden, die zuvor den größten Wahlerfolg hatten. Neu gegründete Gruppierungen dagegen müssen irgendwo unten auf dem Zettel gesucht werden (siehe Bundeswahlleiterin).
Vierzehn für den dritten Zehnten
In Lettland ist das anders. 14 Listen möchten diesmal sich in Lettland zur Wahl stellen, und alle mussten am 6. Juli zum Verlosungstermin antreten (cvk). Insgesamt bewerben sich diesmal 1434 Kandidat/innen (davon 34% Frauen) um die 100 Sitze im lettischen Parlament (Saeima).
Das Ergebnis (in Kurzform):
1) Souveräne Macht - Verband der Jungletten
2) Wir ändern die Regeln
3) Bündnis Harmoniezentrum
4) Bauernunion
5) Nationale Vereinigung "Alles für Lettland"
6) Liste Gobzems
7) Gemeinsame Liste "Grüne Partei", "Partei der Regionen", Liepaja-Partei"
8) Lettland zuerst
9) Neue Einigkeit
10) Neue konservative Partei
11) Für Lettlands Entwicklung
12) Aufgehende Sonne für Lettland
13) Partei für Stabilität
14) Die Progressiven
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| Vertreter/innen lettischer Parteien warten auf das Ergebnis der Listennummernauslosung |
Autos, Grundbesitz, Kontostand
Ja, bei der Namensfindung für ihre Parteien waren Lettinnen und Letten immer schon sehr fantasiebegabt. Aber im Unterschied zu Deutschland sind auch sehr viele private Details zu allen Kandidatinnen und Kandidaten öffentlich einsehbar - die meisten, die sich zur Wahl stellen, bemühen sich um Transparenz. So werden viele Details zu Grundbesitz, Beruf, Ausbildung, aber auch dem Kontostand und den genutzten Fahrzeugen öffentlich mitgeliefert. So zum Beispiel, dass diessmal 764 Personen verheiratet sind, 190 nicht verheiratet, 130 geschieden, und 327 dazu keine Angaben gemacht haben. (cvk)
Wir können auch nachlesen, dass Kandidat Dmitrijs Osiņenko gleich sieben Autos sein eigen nennt: fünf BMWs, dazu einen VW Golf und einen Mercedes, noch dazu einen LKW von VW und ein Moped. Wer also gern einen Autoliebhaber wählen möchte - vielleicht diesen? Oder vielleicht Kandidat Valdis Kotāns - ein Mensch mit drei Autos und fünf Motorrädern (3x Kawasaki, eine BMW und eine KTM), darüber hinaus noch zwei Aprilia und eine Honda, die er als "Moped" bezeichnet. Da kann wohl nur Normunds Garenčiks mithalten - mit sechs BMWs, drei Mercedes-PKWs und drei Motorrädern (Yamaha, BMW und Jawa) ebenfalls bestens motorisiert.
Von dem bekannten Theaterregisseur Alvis Hermanis, der ebenfalls zur Wahl steht, erfahren wir, dass er einen Tesla fährt und gleich bei vier verschiedenen Banken ein Konto hat (angegeben ist der genaue Kontostand). Bei Kandidat Sandris Bergmanis sind acht verschiedene Wohnungen als Eigentum angegeben, in Riga, Jūrmala, Salaspils und Ķekava, dazu auch noch Grundbesitz an 11 verschiedenen Orten. Ein Meister der geschickten Geldverteilung ist auch Kandidat Augusts Brigmanis, politisch eher ein "alter Hase", und ausgestattet mit gleich acht verschiedenen Bankkonten. Kandidat Andrejs Judins hat wohl eine ähnliche Taktik: sogar neun Bankkonten. Nur wenige geben Aktien oder Wertpapiere als Vermögen an: Kandidat Kristiāns Samanovičs hat gleich sechs verschiedene Depots angelegt, Kandidat Artjoms Uršuļskis und auch Mārtiņš Spravņiks beide je zehn.
Kandidat Andris Bačuks führt recht unterschiedliche berufliche Tätigkeiten auf: Landwirt, Fußballschiedsrichter, Physiotherapeut und Fachmann für Sozialwesen. Aber wer gleich 26 verschiedene Arbeitsstellen angibt, wie Kandidatin Eva Kazeka, eine Expertin für Arbeitsschutz, da ist wohl anzunehmen, dass sie diese 26 Jobs nicht gleichzeitig ausübt. Kandidatin Anna Ilze Gailīte gibt stolz "Re-Emigratin" als Beruf an, hat in Paris studiert und besitzt auch noch eine Wohnung in der Hauptstadt Frankreichs. Auch Kandidat Sandis Riekstiņš hat einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz: er hat sich als Freiwilliger den Streikräften der ukrainischen Armee angeschlossen. Nahezu Gegenteiliges unternahm Kandidat Aleksejs Rosļikovs: er hält sich schon seit einigen Monaten in Belarus auf, um dort eine pro-russische Bewegung aufzubauen. Und der Namensgeber der Liste Nr. 6, Aldis Gobzems, lebt inzwischen nur noch in Spanien und hat seinen Namen in "Arigo Toro" geändert.
Auch einige Liebhaber von Oldtimern sind klar auszumachen. Kandidat Armands Krauze besitzt zwei Ford Capris aus den 1970iger Jahren, Mariss Martinsons besitzt einen Cadillac aus dem Jahr 1972, Kandidat Leonīds Loginovs hütet einen schönen GAZ M-21 "Wolga" aus dem Jahr 1960, und der gegenwärtige Ministerpräsident Andris Kulbergs kann sogar einen Alfa Romeo 6C 2500SS aus dem Jahr 1939 vorweisen. Kandidat Gunārs Ciglis hält noch einen JuMZ-Traktor aus sowjetischer Zeit in Ehren. Ivars Kupčs dagegen gibt an, er habe einen Traktor selbst gebaut - und Jānis Dūklavs nennt stolz ein von ihm selbst gebautes Boot sein eigen.
Zur Zeit, also Mitte Juli 2026, weisen Umfragen noch mehr als 25% unentschlossene Wahlberechtigte aus. Ob die vielen Details zu Eigentum und Besitz da weiterhelfen? Oder sollten wir die Liste vielleicht noch ergänzen? Mögliche Fragen: welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Auch Infos zum Sternzeichen (und Aszendenten!) fehlen übrigens. Na ja, bis Oktober ist ja noch ein wenig Zeit. Die lettische Wahlkommission wird alle von den Kandidatinnen und Kandidaten eingereichten Informationen sorgsam überprüfen - ein Kandidat wurde bereits gestrichen, weil er verschwiegen hatte, dass er gar nicht die lettische Staatsbürgerschaft besitzt (lsm)


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