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4.Mai 1990: die lettischen Volksfront-Vertreter jubeln: obwohl noch Teil des alten Systems, sprach sich damals eine Mehrheit des "Obersten Rates" für die lettische Unabhängigkeit aus. |
Bekannt war damals die "Interfront" - nicht nur Gegner der lettischen Unabhängigkeit, auch Befürworter des Sowjetsystems, im August 1991 dann auch Unterstützer des Putsches gegen Gorbatschow (Internationale Front der Arbeiter Lettlands - Latvijas PSR Internacionālā Darbaļaužu fronte, abgekürzt "Interfront").
Bekannteste Figur - damals wie heute - Tatjana Ždanoka. Damals "Interfront", heute Europaparlament - als vermeintliche Repräsentantin "der Russen in Lettland", so sieht sie sich selbst. Ein ähnlicher Fall ist Alfrēds Rubiks - Ex-Bürgermeister von Riga. Er stand als aktiver Unterstützer des Putsches gegen Gorbatschow schon mal vor Gericht, und ist, wie Ždanoka, als nachgewiesene Gegner der lettischen Verfassung, Unabhängigkeit und demokratischer Ordnung vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen. Das gilt allerdings nicht für das Europaparlament - und so wurde ein Sitz dort für beide zum Kuschelparadies für Träume von der sowjetischen Vergangenheit, nach außen, für gutgläubige Medien verkauft als Kampfzentrale für Menschenrechte. Und das, obwohl Rubiks den EU-Beitritt Lettlands als "politischen Selbstmord" bezeichnete. - Ždanoka reist da schon mal zur Unterstützung Russlands auf die Krim, Rubiks fühlte sich lange als Vorsitzender der Sozialistischen Partei Lettlands am wohlsten (trat 2015 zurück, als er 80 Jahre alt wurde) und schickt seine beiden Söhne Artūrs und Raimonds in die politische Arena, die beide zu jung sind um ähnlich vorbelastet sein zu können.
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In Siegerpose verlassen die Volksfront-Delegierten am 4.Mai 1990 nach der entscheidenden Abstimmung des Parlament - davor hatten sich Tausende Menschen in erwartungsfroher Stimmung versammelt |
bekannt. "Wir hätten vielleicht dafür gestimmt damals, wenn damit auch eine klare Antwort in der Staatsbürgerschaftsfrage gegeben worden wäre," sagt er. Gavrilovs hat selbst inzwischen den Einbürgerungsprozess überstanden, ist lettischer Staatsbürger und bei der Partei "Gods kalpot Latvijai" ("Ehre, Lettland zu dienen") aktiv, die in Riga im Stadtrat zusammen mit der "Saskaņa" (Harmonie) Bürgermeister Nils Ušakovs unterstützt.
Einige Ex-Interfront-Unterstützer hat Journalist Viesturs Sprūde in der Unternehmerwelt ausmachen können: darunter Boulingbahn-Betreiber, Tankstellenchefs oder Bankenvertreter. Aber wer träumt heute noch wirklich von einer Rückkehr zum Sowjetsystem? Die Probleme des heutigen Lettland wie Arbeitslosigkeit, Landflucht, Niedriglöhne und Massenauswanderung könnten zu einer "früher-war-alles-besser"-Haltung verleiten. Wie auch immer die Gegenwart heute gesehen wird - der 4.Mai 1990 wird wohl auf absehbare Zeit im Geschichtsbewußtsein von Lettinnen und Letten, wie auch in der persönlichen Erinnerung vieler Menschen, einen sehr wichtigen Platz einnehmen.
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