Integration - wie geht das?
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Alltag mit deutlich interkulturellem Einschlag: in Lettland ein eher seltenes Bild |
Nach Angaben des NIC waren es 2004 noch 5402 Personen, die sich in Lettland mit zeitlich begrenzter Aufenthaltserlaubnis lebten, 2011 war diese Zahl auf 7519 Personen angewachsen und steigt weiter.
Neben den immer noch ca.320.000 vorwiegend russischstämmigen "Nichtstaatsbürgern" (14,1% der in Lettland lebenden Menschen), also Personen die das Recht haben in Lettland zu leben, aber aus verschiedenen Gründen sich bisher dem Einbürgerungsprozeß verweigert haben, scheint die Zahl der Neuankömmlinge aus weiteren Staaten gering. Ein wenig merkwürdig klingt es schon: da sollen diejenigen, die beim Blick auf die jahrzehntelang vertrauten Russen oft schon sagen: "das geht nicht, das passt nicht zusammen, das wird nie funktionieren!" - nun sich mit dem Fokus von Neubürgern "aus Drittstaaten" (gemäß Definition des Lissaboner Abkommens) kümmern. Über 20 Jahre nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit Lettlands gelten nun sowohl für "Nicht-Staatsbürger" wie auch für Imigranten von außerhalb der EU ähnliche Regeln. Schon das NIC versieht es mit einem Fragezeichen: "Harmonisches Europa?"
Das NIC definiert nun drei verschiedene Gruppen von Immigranten: Erstens Ex-Bürger der UDSSR, die zu Zeiten der lettischen SSR (nach lettischer Definition: zu Zeiten der Okkupation Lettlands) ins Land gekommen sind, und deren Nachkommen. Sie haben gemäß dem Gesetz über Nicht-Staatsbürger (nepilsoni) besondere Rechte: sie müssen nicht ständig neue Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnisse beantragen, sie haben das Recht die lettische Staatsbürgerschaft zu beantragen und damit auch das Wahlrecht zu bekommen. Zweitens ständig und langfristig in Lettland lebende Bürger anderer Staaten, darunter EU-Bürger, Schweizer, auch Russen. Drittens jüngere Einwanderer, die nach 1992 nach Lettland gekommen sind und keine EU-Bürger sind - vielfach Bürger anderer Ex-Sowjetstaaten.
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Ausschnitt einer Seminardokumentation des "Nationalen Integrationszentrums" |
Hoffnung auf die Jugend
Manche setzen in Lettland nun alle Hoffnung auf die Jugend. Die neue Generation könnte vielleicht weniger eingeschliffenes Freund-Feind-Denken, mehr Sprachkenntnisse und Erfahrung im Umgang mit anderen Ethnien und Mentalitäten durch Auslandsaufenthalte erwarten. Leider lässt sich das im Moment in den lettischen Schulen noch nicht feststellen - vielleicht mit Ausnahme der Zunahme lettischer Sprachkenntnisse bei jungen Russen. Das NIC zitiert eine Umfrage, der zufolge 42% aller lettischen Schülerinnen und Schüler nicht gemeinsam in einer Klasse mit Russischstämmigen unterrichtet werden wollen, und sogar 56% aller Russischstämmigen nicht mit lettischen Mitschülern zusammengesetzt werden wollen. Besorgniserregend auch wie wenige der Jugendlichen an Möglichkeiten glauben, auf politische Entscheidungen überhaupt Einfluß nehmen zu können."Die Jugendpolitik und die Beteiligung der Gesellschaft - hier wird sich in Zukunft entscheiden, ob Lettland eine ausgeglichene Gesellschaft haben wird," so steht es in einem Thesenpapier des NIC. Im Jahr 2010 war noch ein Drittel der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos.
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Sich schnell und unauffällig möglichst wie ein Einheimischer benehmen - ob das geht? |
Bestes Rezept: sich nicht wie ein Ausländer fühlen?
Von größerem Interesse auf lettischer Seite erzählen regelmäßig diejenigen, die von weiter entfernteren Ländern kommen. Mexikaner, Spanier, Japaner fühlen sich - besonders wenn sie Gelegenheit haben ihre eigene Sprache zu lehren - in Lettland weitgehend akzeptiert. Von wissenschaftlicher Seite sind Beobachtungen notiert, denen zufolge die meisten Letten Menschen aus anderen Ländern zumindest eher "in Ruhe lassen" - man lebt nebeneinander her.
Der nächste Punkt wäre ein Zusammenleben verschiedener Ethnien und Kulturen stärker in die Ausbildung von Pädagogen aufzunehmen. Anderseits könnten die lettischen Erfahrungen mit bilingualen Schulen auch helfen zukünftig Immigrantenkinder besser aufzunehmen. Die Zahl von 454 Kindern mit Migrationshintergrund im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr scheint zunächst noch sehr überschaubar. Je 54 Schülerinnen und Schüler sind britischer bzw. deutscher Herkunft, 26 aus den USA. Die größten "Exoten" sind bisher 10 Immigrantenkinder aus Thailand, 8 aus Korea, zwei aus Venezuela und ein Chinese.
Konferenzeinladung “A Harmonious Europe (?) - Integration policy in Europe in the 21st century” - “Saliedēti Eiropā (?) – Integrācijas politika Eiropā 21. gadsimtā” (15/16.Mai2013)
1 Kommentar:
(Hausmitteilung) Liebe Kommentarinteressierte! Bitte keine Fantasietexte ohne Sinn, oder pure Werbelinks posten - danke!
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