31. Januar 2010

Straßenbahn in Daugavpils droht Ende

Es gibt in den baltischen Staaten nicht viele Straßenbahnen. Litauen kommt komplett ohne Nahverkehr auf Schienen aus, in Estland gibt es einzig die vier Schmalspur-Linien in Tallinn, in Riga hingegen zahlreiche Verbindungen. Die älteste Straßenbahn Lettlands rattert allerdings in Liepāja über die Gleise, gegründet 1899. Dort sollte sich der Besucher nicht wundern, daß die Bahnen keine Nummer tragen. Es gibt nur eine Linie. Die jüngste Straßenbahn wiederum fährt mit immerhin drei Linien im ostlettischen Daugavpils. Und diesem Unternehmen droht nun das Ende.

Die Straßenbahn in Daugavpils wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 mit einer Linie vom Stadtteil Jaunbūve ins Zentrum gegründet. Die ersten Waggons waren ein Geschenk aus Riga, ein Produkt der Riager Waggonfabrik. Dieser Hersteller prudziert seit langem keine Straßenbahnen mehr und in Riga wurden die Waggons schon während der Sowjetzeit durch Produkte des Herstellers Tatra aus der damaligen Tschechoslowakei ersetzt.
Heute nutzen die Straßenbahn in Daugavpils bei einem Netz von 25 Kilometern mit 53 Waggons täglich etwa 20.000 Fahrgäste. Doch seit vielen Jahren ist in das Rollmaterial nicht mehr investiert worden. Die Waggons sind bis zu 25 Jahren alt. Ersatzteile können von den Herstellern nicht mehr beschafft werden, weil neben der Rigaer Fabrik auch die Lieferanten aus Tschechien und Rußland diese Waggons lange nicht mehr herstellen. So berichtet das Unternehmen, daß mitunter ein Woggon für Ersatzteile geopfert werden muß.

Einstweilen kosten auch die Fahrkarten entsprechend wenig, 30 Santīmi, etwa 45 Euro Cent. Das ist zuwenig, um die Kosten wieder hereinzubringen. Um ohne Subventionen auszukommen, müßte der Preis 60 betragen, was aber angesichts der Einkommensituation der Fahrgäste nicht realistisch ist. Das Unternehmen plant daher, mit Hilfe von EU Fonds eine Modernisierung zu realisieren, um den Menschen die Straßenbahn in der Stadt zu erhalten, die für viele unverzichtbar ist und die auch zum Stabild von Daugavpils gehört.

Kommentare:

Andreas Vogt hat gesagt…

Wie weit sind diese Bemühungen vorangeschritten und wird auch an eine Erweiterung des Netzes gedacht?

Albatros hat gesagt…

Im März 2011 hat die Betreibergesellschaft bekannt gegeben, dass ein mit Geldern des europäischen Regionalentwicklungsfonds zu finanzierendes Projekt zur Entwicklung der Straßenbahn in Daugavpils mit dem lettischen Finanzministerium abgestimmt wurde. Falls das Projekt von der EU bestätigt wird, nehme ich an hat auch die Straßenbahn in Daugavpils eine Zukunft. Das 15-Millionen-Euro-Projekt soll zu 83% von der EU getragen werden.
(siehe >www.tramvajs.daugavpils.lv< unter "Jaunumi")