Kunst und Katastrophen
Die Sportart, die er betreibt, heißt Lettisch "Daiļslidošana", wörtlich übersetzt: "schön Schlittschuh laufen". Also nicht einfach schnell, oder stundenlang - schön muss es sein. "Eiskunst" heißt es auf Deutsch. Aber Fedirs Kuļišs, wie sein Namen inzwischen lettisch geschrieben wird, sein Weg zur Kunst war kompliziert. Geboren am 26. März 2005 in Kiew, wurde ihm nun durch Beschluss des lettischen Parlaments (ohne Gegenstimmen) die lettische Staatsbürgerschaft zuerkannt (ein Weihnachtsgeschenk, unterschrieben vom Staatspräsident am 23.12). "Er integriert sich gut in Lettland, lernt Lettisch, entdeckt lettische Kultur, Traditionen und Lebensweise und zeigt bei Trainings, Wettkämpfen und im täglichen Umgang stets Respekt gegenüber dem Staat Lettland, seinen Menschen und Werten" heißt es in der Begründung (saeima / sportacentrs).
Adoptiert von der Trainerin
Fedirs Kulišs hat schwere Zeiten hinter sich. Er war 16 Jahre alt, als beide Eltern durch eine Covid-19-Infektion starben; kurz darauf musste er erleben wie Russland sein Heimatland angriff (TV3). Ohne finanzielle Mittel, aber mit der Entschlossenheit, ernsthaft zu trainieren, klopfte Fedirs Kulišs zu Beginn des Krieges an die Türen des Eiskunstlaufclubs "Kristal Ice" und Trainerin Olga Kovaļkova in Riga an. „Er schrieb, dass er mittellos sei und nichts bezahlen könne, aber wenn wir ihn aufnehmen würden, könnte er kommen,“ so erzählt es die Trainerin. Schon mit 5 Jahren hatte Fedirs auf Eislaufkufen gestanden - gefördert von seinen Eltern (allskaters)
Zwei für Olympia
Bei den Weltmeisterschaften 2025 in den USA hatte Kulišs Platz 24 erreicht und damit für Lettland einen zweiten Startplatz für die Olympischen Spiele 2026 in Italien gesichert. Schon einige Jahre mehr Erfahrung hat Deniss Vasiļjevs, 26 Jahre alt, und schon zum zehnten Mal bei Europameisterschaften dabei. Vasiļjevs trainiert in der Schweiz bei Ex-Weltmeister Stéphane Lambiel, gewann 2022 EM-Bronze, erzielte damit das bisher beste Ergebnis eines lettischen Eiskunstläufers und wurde in Lettland zum "Sportler des Jahres" gewählt.
Jetzt, nach den Europameisterschaften von Sheffield 2026, stehen beiden Letten besser da als das Nachbarland Estland, wo die Brüder Aleksandr und Mihhail Selevko bei den EM zwar mit Platz fünf und sechs besser abschnitten (Vasiļjevs Platz 9, Kulišs Platz 15) - da aber Estland in dieser Disziplin nur einen Olympiastartplatz hat, muss wohl einer von beiden Brüdern zu Hause bleiben (auch die Eltern dieser beiden stammen aus der Ukraine).
Anfang Dezember 2025 wurde Fedirs Kulišs - in Abwesenheit von Vasiļjevs - sogar lettische Meister (skatelatvia / TvNet / lsm). "Ich bin mir nicht sicher, was ich von den Olympischen Spielen erwarten soll", so der Neu-Lette Kulišs, "Ich denke, es wird etwas sehr viel Größeres werden."


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