Drang auf die Bühne
Das bedeutet: fast ein Drittel aller jungen Leute drängen sich in diese beiden Bereiche, die allerdings zusammen nur 3-4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Lettlands erwirtschaften. Durchgeführt wurde die Studie im Rahmen der Initiative "Education Accelerator Latvia", auf drei Jahre (2023-26) angelegt, deren Ziel es ist, durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor einen langfristigen, systemischen Wandel in der beruflichen Bildung und Kompetenzentwicklung zu fördern. (labsoflatvia)
"Wir sind ein Volk von Sängern und Theaterschauspielern, das ist natürlich wunderschön!" meint auch Zane Čulkstēna, und schreibt das vor allem den großen Fanlagern von Stars wie Kristaps Porziņģis oder Kaspars Daugaviņš zu. (IR) Sie selbst studierte mit einem Fulbright-Stipendium an der Columbia-Universität in New York. "Mir ist wichtig, ein Teil der Welt zu sein, nicht nur ein Teil Lettlands", sagte sie einmal in einem Interview. (santa)
"Aber ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen ist verwirrt und weiß nicht, welchen Karriereweg sie einschlagen sollen", meint Čulkstēna. "Wenn aber alle auf der Bühne stehen wollen, wer kauft dann die Konzertkarten, wer wird zum Kunstmäzen, wer unterstützt mit seinen Steuern die Durchführung der Sängerfeste? Und wer kann ein neues Theatergebäude errichten?“
Gefeiert und prämiert
Čulkstēna selbst bietet Marketing- und Imageberatung für Arbeitgeber an und ist Inhaberin der Consultingfirma „ERDA“ (der Firmenname sei von einer Figur in der Wagneroper "Ring des Nibelungen" inspiriert), dort werden auch mit dem Weltwirtschaftsforum gemeinsame Projekte durchgeführt.
Beim Nachwuchs in Lettland dagegen nimmt das Interesse an Unternehmertum, Finanzen und Wirtschaft ab. Und nur 24% geben an, ein Gespräch mit einem Berufsberater innerhalb oder außerhalb der Schule gehabt zu haben. Die erwähnte Studie, an der 4.881 junge Menschen aus 152 lettischen Schulen und Fachhochschulen teilnahmen, offenbart auch Mängel im System: etwa ein Drittel der Befragten äußert Interesse an Betriebs-Praktika, aber die Hälfte davon hat keinen Praktikumsplatz bekommen. (labsoflatvia / lsm)
Es gehe auch um das Image eines Berufs, meint Zane Čulkstēna. „Junge Menschen haben eine romantische, sogar naive Vorstellung von kreativen Berufen – wenn du Gitarre spielst, bist du cool und berühmt! Das wird auch stark von den Medien gefördert“. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen veranstalte jedes Jahr Preiseverleihungen für die Kultur - es gäbe aber keinen Jahrespreis für Chemie oder Energietechnik. Und in vielen Schulen gäbe es einen Chor, eine Tanzgruppe und einen Keramikkurs - aber keinen Robotik-, Ingenieurs- oder Chemieclub. (IR)

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