10. Dezember 2008

Krise, oder Ausverkauf?

Manche mögen sich nach "den guten alten Zeiten" zurücksehen: wer etwas Geld übrig hatte, tat es aufs Sparbuch, und gut war's. Heute wird der geneigte Medienkonsument von allerlei Anlagetipps und Finanzratgebern verfolgt, so als ob beim großen Monopoly mit Spielgeld bezahlt werden könnte.
Noch vor wenigen Wochen geriet die Parex-Bank in Lettland auch in die deutschen Schlagzeilen: Anfang November verstaatlichte die lettische Regierung PAREX kurzerhand, und alles stand unter der Schlagzeile: nun ist die Finanzkrise auch in Lettland angekommen.

Anlagetipps im deutschen TV

Heute nun soll plötzlich alles ganz anders sein? Wer heute (10.12.) um 13 Uhr das ARD/ZDF Mittags- magazin schaute, traute wohl seinen Augen nicht: da wird als Anlagetipp doch tatsächlich die PAREX-Bank empfohlen! (höchste Zinsen auf Festgeld). Auch im Internet findet sich der Tipp wieder: auf einer Seite des Bayrischen Rundfunks. Drunter steht auch die Quelle: die FMH-Finanzberatung mit Sitz in Frankfurt am Main - also keine eigenen ZDF- oder ARD-Experten. Wer verdient hier Geld mit was?

... und ex...
Vergangenheit und Gegenwart

Derweil macht PAREX in Lettland andere Schlagzeilen.
Ministerpräsident Godmanis verkündete vor der lettischen Presse: die PAREX-Bank soll verkauft werden, am besten an eine Bank in Westeuropa (Financenet, 10.12.). Ist das nun die neue Verkaufsstrategie? Erst um Einlagen von Auslandskunden werben, und dann die Bank von außen retten lassen, wohl möglich mit Geldern von Währungsfond und EU?

Dem lettischen Journalisten Lato Lapsa scheint es erneut vorbehalten zu sein, Fakten zur PAREX-Bank zu veröffentlichen. Ein neu erschienenes Buch "Kargins Superstar" versucht die Umstände zu beleuchten, unter denen die PAREX-Bank entstand. Dabei geht es um die massenhafte Eröffnung von privaten Geldwechselstellen in den Jahren kurz vor Einführung des Lat, also 1991-93.
Die allererste offizielle Geldwechselstelle befand sich damals im Hauptbahnhof - für die Einwohner Rigas eine Sensation. Kargins soll dem frisch ernannten Chef der lettischen Nationalbank, Einars Repše, damals gedroht haben: "wenn Du mir keine Banklizenz ausstellst, sorge ich dafür, dass der Wechselkurs des neuen Lat so niedrig ist wie bei der italienischen Lira."
Ein weiterer Ausspruch des ehemaligen PAREX-Superstars Kargins
: "da waren diese Volksfront-Politiker an die Macht gelangt und sehnten sich nach finanzieller Unabhängigkeit, hatten aber keine Ahnung wie sie das machen sollten".
Oder auch, sehr vielsagend dazu, wie es damals zuging: "die ersten US-Dollar kauften wir für 17 sowjetische Rubel und verkauften für 21. Warum gerade 21? Wir dachten einfach, 21 ist doch eine Glückzahl!" (alle Zitate aus Lapsa: "Musu vesture 1985-2005", Bd.1).

Bemerkenswert
bei all diesen eher abenteuerlichen Geschichten, dass der damalige Regierungschef derselbe war wie heute: Ivars Godmanis.

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