
Als die Sowjets Lettland 1991 verließen, war nur noch wenig von den Unterlagen des KGB übrig: die meisten Dokumente waren schon zerstört oder nach Russland verbracht worden. Das, was in Lettland noch aufzufinden war, galt als zu bruchstückhaft um nur auf dieser Grundlage Kriminalprozesse anzustrengen, und alle bisherigen Präsident/innen entschieden sich bisher gegen eine Publizierung dieses Materials.
Angefangen sei für ihn zu der Zeit, als er noch viel Alkohol getrunken habe, erzählt nun Rokpelnis. Im legendären "Skapis" ("Schrank"), einer Bar im Hotel Riga, habe er, bereits ordentlich angetrunken, mal einen anderen Gast angeschrien mit den Worten: "Was, du bist Kommunist? Ich erschieße dich!" - Und prompt sei eine Vorladung zum KGB-Verhör die Folge gewesen. "Aber damals wagten sie mich nicht anzurühren, es schützte mich wohl einzig der Name meines Vaters", meint Rokpelnis (NRA). Der Vater Fricis Rokpelnis war Co-Autor der sowjetlettischen Hymne, Direktor des Rainis-Literaturmuseums und nahm wichtige Posten in der sowjetischen Kulturverwaltung ein.
Sohn Rokpelnis behauptet sogar, anfangs nur "erkunden zu wollen, wie der KGB arbeitet" - und kurz danach sei ja auch "Glasnost" verkündet worden, eine interessante Zeit also (lsm). Er habe immer nur mit einem einzigen Kontaktmann geredet: KGB-Offizier Juris Miļevskis; als dieser beim KGB aufgehört habe, sei auch seine Kontakte mit dem KGB beendet gewesen.
Miļevskis habe vor allem wissen wollen, wie die Schriftsteller denken, vor allem Uldis Bērziņš un Knuts Skujenieks, mit denen Rokpelnis gut bekannt war. Einmal habe er auch etwas über den Esten Arvo Valton herausfinden sollen, das habe er aber abgelehnt.
Er habe niemand angeschwärzt beim KGB, oder denunziert. Der KGB habe vielmehr verstehen wollen, wie die lettische Intelligenzia denkt. Auch Geldzahlungen habe er abgelehnt, behauptet Rokpelnis. In den 90igern habe er dann Miļevskis nochmals wiedergetroffen. Ein dunkler Wolga mit getönten Scheiben sei vorbeigefahren, man habe ihn hereingebeten.

Jānis Rokpelnis, geboren 1945, ist ein in Lettland anerkannter und vielfach ausgezeichneter Dichter und Schriftsteller; schon 1976 erhielt er die ersten Preise, zuletzt erhielt er 2016 den lettischen Literaturpreis für sein Lebenswerk. Seine Werke wurden bisher ins Englische, Französische, Italienische, Litauische und Russische übersetzt.
Das überraschende Bekenntnis von Rokpelnis löste sehr unterschiedliche Reaktionen in der lettischen Öffentlichkeit aus. Verständnis äußerte die Journalistin Sanita Jemberga, und schrieb gleichzeitig, dass ihr Respekt für Rokpelnis als hervorragender Dichter sich mit dem Bekenntnis nicht ändern werde. 583 Hinweise auf Kollaborateure aus dem Kulturbereich sollen unter den KGB-Materialien noch zu finden sein - so Kārlis Kangeris, Vorsitzender eines Komittees, das gegenwärtig die Inhalte "KGB-Säcke" untersucht (insgesamt sollen es 4300 Personennamen sein, die sich in den noch vorhandenen KGB-Dokumenten finden). Das Komittee hatte vorgeschlagen, die Veröffentlichung für Mai 2018 vorzusehen. Viele Stimmen in der lettischen Öffentlichkeit bezweifeln aber die ehrliche Absicht der lettischen Regierung, eine vollständige Veröffentlichung zuzulassen - zu viele weitere bekannte Persönkeiten werden unter den KGB-Informanten vermutet.
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