14. Februar 2026

Wahlfach Kunst oder Sport

"Wir sind ein Volk das singt!" so heißt es oft in Lettland, und so sieht es auch Zane Čulkstēna, Gründerin des "KIM?", des Zentrums für zeitgenössische Kunst, und Initiatorin vieler Kulturprojekte in Lettland. Eine aktuelle Umfrage unter lettischen Jugendlichen zeigt: rund 19 % der jungen Menschen äußern den Wunsch, in der Kreativbranche (Kunst, Design, Musik) zu arbeiten, und von einer Karriere als Sportlerin oder Sportler träumen 14%. (IR)

Drang auf die Bühne 

Das bedeutet: fast ein Drittel aller jungen Leute drängen sich in diese beiden Bereiche, die allerdings zusammen nur 3-4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Lettlands erwirtschaften. Durchgeführt wurde die Studie im Rahmen der Initiative "Education Accelerator Latvia", auf drei Jahre (2023-26) angelegt, deren Ziel es ist, durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor einen langfristigen, systemischen Wandel in der beruflichen Bildung und Kompetenzentwicklung zu fördern. (labsoflatvia)

"Wir sind ein Volk von Sängern und Theaterschauspielern, das ist natürlich wunderschön!" meint auch Zane Čulkstēna, und schreibt das vor allem den großen Fanlagern von Stars wie Kristaps Porziņģis oder Kaspars Daugaviņš zu. (IR) Sie selbst studierte mit einem Fulbright-Stipendium an der Columbia-Universität in New York. "Mir ist wichtig, ein Teil der Welt zu sein, nicht nur ein Teil Lettlands", sagte sie einmal in einem Interview. (santa

"Aber ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen ist verwirrt und weiß nicht, welchen Karriereweg sie einschlagen sollen", meint Čulkstēna. "Wenn aber alle auf der Bühne stehen wollen, wer kauft dann die Konzertkarten, wer wird zum Kunstmäzen, wer unterstützt mit seinen Steuern die Durchführung der Sängerfeste? Und wer kann ein neues Theatergebäude errichten?“

Gefeiert und prämiert 

Čulkstēna selbst bietet Marketing- und Imageberatung für Arbeitgeber an und ist Inhaberin der Consultingfirma „ERDA“ (der Firmenname sei von einer Figur in der Wagneroper "Ring des Nibelungen" inspiriert), dort werden auch mit dem Weltwirtschaftsforum gemeinsame Projekte durchgeführt. 

Beim Nachwuchs in Lettland dagegen nimmt das Interesse an Unternehmertum, Finanzen und Wirtschaft ab. Und nur 24% geben an, ein Gespräch mit einem Berufsberater innerhalb oder außerhalb der Schule gehabt zu haben. Die erwähnte Studie, an der 4.881 junge Menschen aus 152 lettischen Schulen und Fachhochschulen teilnahmen, offenbart auch Mängel im System: etwa ein Drittel der Befragten äußert Interesse an Betriebs-Praktika, aber die Hälfte davon hat keinen Praktikumsplatz bekommen. (labsoflatvia / lsm)

Es gehe auch um das Image eines Berufs, meint Zane Čulkstēna. „Junge Menschen haben eine romantische, sogar naive Vorstellung von kreativen Berufen – wenn du Gitarre spielst, bist du cool und berühmt! Das wird auch stark von den Medien gefördert“. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen veranstalte jedes Jahr Preiseverleihungen für die Kultur - es gäbe aber keinen Jahrespreis für Chemie oder Energietechnik. Und in vielen Schulen gäbe es einen Chor, eine Tanzgruppe und einen Keramikkurs - aber keinen Robotik-, Ingenieurs- oder Chemieclub. (IR)

8. Februar 2026

Jung und fruchtbar

In Deutschland ist das Thema schon durch die Presse gegangen, in Lettland ist es neu: ein Verein, der Sexualaufklärung für Jugendliche anbietet, und das auch in Schulen tun möchte. Das Stichwort ist "Teenstar" - und gemeint ist nicht etwa eine Castingshow. Beiträge in deutschsprachigen Medien berichten über "religiöse Hardliner", "Sexualpolitik aus dem Mittelalter" (Moment), "Queerfeindlich" (BR / BLLV), "menschenrechtlich bedenklich" (ORF), "Religiös-extremistisch" (EPF) und über "vermeintliche Homo-Heiler" (Deutschlandfunk).

Nun ist Ähnliches offenbar auch in Lettland angekommen. Leicht ist es nicht, einen Überblick zu bekommen, denn zumindest "TeenStar Deutschland" gibt keine Daten darüber bekannt, in welchen Schulen man tätig ist.

Schule mit Sonderkursen

Dem lettischen Katholikenportal "Katolis" zufolge arbeitet "TeenStar" in Lettland mit dem 1992 gegründeten Religionswissenschaftlichen Institut in Riga zusammen (Rīgas Augstākais reliģijas zinātņu institūts), das sich, wie könnte es anders sein, in Riga in der "Katholischen Straße" (Katoļu ielā) befindet. Hier wird auch für "Radio Maria" geworben. Die Pläne der "TeenStar"-Initiatoren in Lettland werden so beschrieben: unter Berufung auf das in den USA von der gebürtigen Wienerin Hanna Klaus entwickelte Programm sei geplant, zweisemestrige Ausbildungsprogramme für drei Altersgruppen anzubieten: für Grundschüler (11–14 Jahre), Gymnasiasten (15–19 Jahre) und Studierende (ab 20 Jahren). Die Abkürzung STAR stehe dabei für „Sexuality Teaching in the context of Adult Responsibility” (Sexualkunde im Kontext der Verantwortung von Erwachsenen). 

Begeisterungsfähig - aber enthaltsam?  

Zunächst aber werden lettische Lehrkräfte geschult, und zwar von Ausbildern aus Kroatien: bereits im Oktober 2025 begannen entsprechende Kurse. Interessant, dass zur Teilnahme "keine besondere Vorbildung" gefordert wurde - laut Portal "Katolis" seien vielmehr "persönliche Reife, Begeisterungsfähigkeit und ein authentischer Lebensstil" entscheidend. Als Ausbildungsorte seien Kirchengemeinden gewünscht. Eine Jobmöglichkeit für ausgebildete Pädagogen oder Pädagoginnen ist dies also nicht. 

Als Ausbildungsveranstalter in Lettland tritt ein Verein"Ģimenes ekoloģijas Institūts" ("Institut für Familienökologie") auf, der auch lizensiert sei die Programme „Cikla šovs“ ("Show des Zyklus", für Mädchen) und „Aģenti misijā“ ("Agenten auf ihrer Mission", für Jungen) in Lettland durchzuführen. Außerdem sei der Verein Mitglied des EIFLE (Europäisches Institut der Erziehung zum Familienleben) und führe "Methoden zur Fruchtbarkeitserkennung" durch. Im November 2025 wurde 23 Personen aus Lettland und 2 aus Litauen ein Ausbildungszertifikat übergeben (augliba). 

Frisch geschulte "TeenStar"-Seminarleiter/innen in Lettland

Geschätzt und geschützt 

Über diese "Zyklusshow" berichteten auch schon deutsche Medien (siehe Deutschlandfunk). Der lettische Veranstalter beruft sich ausdrücklich auf Dr. Elisabeth Raith-Paul (siehe MFM und MFM Deutschland), die als "Erfinderin" dieser Kurse gilt. Motto: "Nur was ich schätze, kann ich schützen". Bei den Kursen für Jungs schlüpfen diese übrigens in die Rolle einer Samenzelle und wetteifern darum, wer zuerst bei der Eizelle ist. (siehe auch: hpd)

"Brauchen Schüler in Lettland christliche Sexualerziehung, die 'Verhütungspropaganda' kritisiert?" fragt Journalistin Ieva Jakone in der lettischen Zeitschrift "IR". Auch der internationale Verband katholischer Ärzte FIAMC hatte bereits auf Hanna Klaus hingewiesen, die gegen "Verhütungsmentalität" das Motto "Fruchtbarkeit ist keine Krankheit" empfiehlt. 

Moralischer Werkzeugkasten

An der Universität Lettlands in Riga ist Dr. Fernandess-Gonsaless tätig, Mitglied bei "Opus Dei", ein geborener Spanier mit guten Lettischkenntnissen. Schon seit 2014 lief ein Projekt mit dem Ziel, methodische Materialien für Lehrer zu erstellen, die zeigen, wie man Kindern vom Vorschulalter bis zur letzten Klasse der Sekundarschule moralische Werte vermittelt. Tests liefen auch an lettischen Schulen (IR). Seit 2024 läuft nun ein weiteres Projekt, mit 200.000 Euro an EU-Geldern gefördert, mit dem Titel „Förderung einer auf Familienwerten basierenden moralischen Sexualerziehung im lettischen Bildungssystem“. Eine Fachkonferenz am 30. Januar 2026 bildete den Abschluß (arete, siehe auch: ogre-net). Und im „Werkzeugkasten zur Sexualerziehung“ wird hier als erstes "TeenStar" hervorgehoben. 

In Bayern dagegen gibt es immerhin staatliche Richtlinien für die Sexualkunde. Das zitiert auch Journalistin Ieva Jakone in ihrem Artikel, und sie ergänzt: "Im Jahr 2022 haben das deutsche Bildungsministerium und die Grundschulbehörde in Regensburg, Bayern, den geplanten Teen STAR-Sexualkundeunterricht abgesagt, da er nicht den offiziellen bayerischen Richtlinien für Sexualkunde entsprach. Teen STAR wurde Homophobie und christlicher Fundamentalismus vorgeworfen." (IR)

Im Mittelpunkt seiner Studie stehe eine Familie aus Mann und Frau, sagt Fernandes über sein Projekt. „Das bedeutet nicht, dass wir andere Familien verachten oder benachteiligen“, meint er. "Andere Kollegen an der Universität untersuchen andere Familienformen, wir haben nichts dagegen“. (IR) Als Ergebnis einer Umfrage geht seine Studie davon aus, dass lediglich 10% der bisher existierenden lettischen Unterrichtsmaterialien "akzeptabel" seien, also eine Familiengründung unterstütze. Zu oft stünden "nur Gesundheit und Menschenrechte" im Vordergrund - also wird vor allem "TeenStar" empfohlen.  

Energiesparen - mal anders 

Und auch mit folgenden Aussagen wird der Letto-Spanier zitiert: „Unsere Sexualität ist wie Energie, wie Geld. Es ist wichtig, dieses Potenzial nicht zu verschwenden, es nicht in bedeutungslosen Beziehungen und Erfahrungen mit Pornografie oder Masturbation, frühen sexuellen Erfahrungen zu verschwenden“, sagt er. Stattdessen sollte sexuelle Energie gespart und für das verwendet werden, wofür sie eigentlich gedacht ist: um Bindungen in „ernsthaften, dauerhaften Beziehungen, die offen für das Leben sind“ zu stärken. Es sei nicht notwendig, Kindern zu vermitteln, dass sie schon im Schulalter Sex haben müssten. „Es ist normal, dass ihr so etwas in eurem Körper spürt, ihr müsst euch keine Sorgen machen, aber ihr solltet es auch nicht sofort ausleben. Ihr müsst keine Drogen ausprobieren, um zu verstehen, was das ist.“ (IR)

Abtreibungen rückläufig 

Aktuelle Statistiken zeigen, dass die Zahl der Schwangerschaften bei jungen Frauen in Lettland zurückgeht - sowohl die Zahl der Mütter unter 20 Jahren als auch die Zahl der Abtreibungen sinkt. 2023 haben 374 junge Frauen unter 20 Jahren ein Kind geboren, im Jahr 2015 waren es noch 765. Die Zahl der Abtreibungen in dieser Altersgruppe ist, laut Angaben des lettischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle SKPC, in den vergangenen Jahren zurückgegangen (siehe auch data.stat.gov.lv). 

Das Fach "Gesundheitsunterreicht" ist an lettischen Schulen nicht mehr obligatorisch. Bildungsministerin Dace Melbārde plant  aber eigene Weiterbildungskurse für Lehrkräfte: „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche einen vertrauenswürdigen und sachkundigen Erwachsenen an ihrer Seite haben“. Über die Tätigkeit von Dr. Fernandess-Gonsaless sei ihr nichts bekannt. Das sei wohl ein Projekt der Universität und unterliege der Freiheit der Wissenschaft. Es sei aber nicht vorgesehen, die dort angebotenen Materialien allgemein im Bildungssystem zu übernehmen. (IR)

Auch die lettische Organisation "Papardes zieds" bietet schon seit vielen Jahren Bildungs- und Informationsprogramme und Kurse für Jugendliche verschiedener Altersgruppen zu den Themen sexuelle und reproduktive Gesundheit, Suchtprävention und psychische Gesundheit an, man beruft sich dabei auf Richtlinien und Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Deren Leiterin Iveta Ķelle äußert im Interview Unverständnis über das Projekt der lettischen Universität. „Es mag sein, dass viele verschiedene Meinungen notwendig sind, aber angesichts des extremen Mangels an Sexualaufklärung in Lettland denke ich, dass ein solcher Prozess und ein solches Programm mehr Schaden als Nutzen bringen.“ (IR)

1. Februar 2026

Fisch muss schwimmen

Barsche, Hechte, Brachsen, Plötzen, Schleien, Karpfen - wer Fisch mag, dem bietet sich in Lettland vor allem als Anglerin oder Angler ein breites Angebot. In einem Land, in dem im Winter Flüsse und Seen zufrieren und somit auch Eisangeln üblich ist, scheint das ganze lettische Jahr ein Angeljahr zu sein.

Fischland Lettland 

69 verschiedene Unternehmen beschäftigen sich in Lettland auch mit Fischzucht, also Aquakultur. Im Jahr 2023 beschäftigte die Branche insgesamt 302 Menschen. Gezüchtet werden Forellen, Karpfen, Störe und Welse. Insgesamt werden 783,9 Tonnen Fisch produziert, davon 25,5 Tonnen für den Export. Seit 2009 stieg die Produktion langsam, aber stetig an und erreichte 2021 mit 902,5 t einen vorläufigen Höhepunkt. Bisher wurde dieser Bereich als weniger bedeutender Teil der lettischen Fischwirtschaft angesehen, allerdings mit Wachstumspotential. (kem)

Einer dieser bereits existierenden Betriebe für Forellenzucht (Foreļu audzētava) ist zum Beispiel in Kaltene (bei Talsi) zu finden, offenbar schon seit 1980, also schon seit Sowjetzeiten. Ein anderer Betrieb ist Pelči, südlich von Kuldiga zu finden, wo Fischfutter aus Dänemark und Finnland eingesetzt wird. Oder die Fischzuchtanlage in Grūbe ("Krāces"), mit EU-Geldern modernisiert, nahe Ape an der estnischen Grenze vom Wasser der Vaidava gespeist, nebst Wasserkraftwerk und Tourismusanlage.

Groß gezüchtet 

Nun aber sollen Forellen im großen Maßstab "produziert" werden: bis zu 10.000 Tonnen in einer Saison. Es geht um Aquakultur, und zwar im offenen Meer: am Ostseestrand zwischen Roja und Meršrags plant eine japanische Firma die Errichtung einer solchen Anlage, und verspricht 43 Millionen Euro zu investieren. (lsm) "Musholm", eine dänische Tochtergesellschaft des japanischen Fischereikonzerns Okamura Foods, erwarb 51 % der Anteile an "Riga Bay Aquaculture" (RBA) (eurofish). Dieser Deal wird aber auch als Zeichen dafür gesehen, dass Musholm zunehmend Schwierigkeiten hat, sich mit den verschärften dänischen Lizenzen und Zuchtgenehmigungen auseinanderzusetzen. Also: Auf nach Lettland, dem Land der unschränkten Möglichkeiten?  Die Firma verspricht 60 feste Arbeitsplätze zu schaffen, dazu seien 150 Saisonarbeiter/innen gefragt. (ReTalsi)

Aquakultur-Planungsgebiete in der Rigaer Bucht

Küste ungeschützt? 

Wie ist das möglich? Die lettische Meeresschutzplanung sieht die Küste der Rigaer Bucht als nicht geeignet für Aquakulturanlagen an (siehe: likumi); ins Auge gefasst werden lediglich Untersuchungen, um vielleicht "umweltfreundliche Technologien" zu entwickeln. Der geltenden amtlichen Einschätzung zufolge sind, im Gegensatz zur Muschelzucht, von Aquakultur negative Folgen zu erwarten, denn "das während des Zuchtprozesses verwendete und nicht verwertete Fischfutter, die Stoffwechsel-Endprodukte und Medikamente verstärken die Eutrophierung der Meere und beeinträchtigen die natürlichen Populationen". Dem zufolge seien Aquakulturfarmen "in Küstengewässern in einer Tiefe von bis zu 20 m nicht zu empfehlen". (likumi)

Dennoch gibt es Pläne, dass 5 km von der Küste enfernt Anlagen zur Forellenzucht entstehen sollen. Minderheitsgesellschafter des Joint Ventures mit RBA ist auch die Familie Līnis mit ihrer Firma „Sudrablīnis Holdings“, die in Vecmīlgrāvis das Fischverarbeitungsunternehmen „Sudrablīnis“ betreibt. "Wir wollen gern unsere Produktion erweitern", sagt Miteigentümer Edgars Līnis, "und das dänische Unternehmen ist schon lange unser Partner". (lsm) Man stellte beim Landwirtschaftsministerium einen Antrag, dieses schrieb ein Modellprojekt aus, bei dem sich dann ernsthaft nur ein einziges Unternehmen bewarb: "Riga Bay Aquaculture". Das Projekt sieht vor, insgesamt 25 Netze mit einer Gesamtfläche von 196,4 ha in 50 cm (bis maximal 21 Meter) Tiefe unterhalb der Wasseroberbfläche zu installieren - in einem Bereich, der immerhin als Natura2000-Schutzgebiet ausgewiesen ist. (eva.gov.lv / Videseksperti)

Genehmigung noch unklar 

Kritik gibt es aber an der Vorgehensweise des zuständigen Ministeriums - wurde hier ein einzelnes Unternehmen bevorzugt, dessen Tätigkeit dann im Nachhinein irgendwie genehmigt werden soll? Normunds Šmits, Staatssekretär im lettischen Umweltministerium, erklärt den Vorgang so: "Wir haben keine Flächen für Aquakultur vorgegeben, das war der Wunsch des Unternehmens. Es gab keinen Grund, den Vorschlag nicht zu unterstützen. Wir sprechen hier nicht davon, dass die Bucht von Riga mit Fischfarmen übersät wird: es handelt sich um eine einzige Anlage". (IR

Aber widerspricht nicht Aquakultur in der Rigaer Bucht der bisherigen Meeresschutzplanung? „Gemäß dem Meeresplan befindet sich das Aquakulturprojekt in einem Gebiet mit allgemeiner Nutzung“, antwortet Jānis Irbe (ZZS), parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Klima und Energie. Faktisch gäbe es da keine generellen Beschränkungen (IR)

Beschwichtigungen 

"Die Einwohner von Roja und Mērsrags erwarten die Aquakulturbetreiber nicht mit offenen Armen", so schreibt die lettische Lokalpresse (ReTalsi / lsm / NTZ) Zudem stehen Umweltverträglichkeitsprüfungen noch aus. "Auch bei klarer Wetterlage sind die Anlagen praktisch vom Ufer aus nicht zu sehen, stören also niemanden", versucht Unternehmensvertreter Edgars Līnis wohl nach dem Prinzip "aus den Augen, aus dem Sinn" zu beruhigen. Auch Geruchsbelästigung gäbe es keine. 

"Bei uns produzieren wir 30 Tonnen Fisch pro Jahr", erzählt Zigis Goldmanis, Chef des lettischen Forellenzuchtbetriebs (Gamma-Rent) in Kaltene von eigenen Erfahrungen. "Für jedes kg Gewichtszunahme frisst ein Fisch 1,05 kg Futter", meint er, "aber der Fisch nimmt nur ein Teil der Nahrung auf, das Ergebnis ist ziemlich schmutziges und übelriechendes Wasser, vor allem Rückstände von Stickstoff und Phosphor". Das Argument, nur mit der jetzt geplanten Art und Weise der Forellenzucht konkurrenzfäig zu sein, lässt er nicht gelten: "Wenn man nicht konkurrenzfähig ist, sollte man besser Hühner züchten!" (lsm)

Bedenken 

Eigentlich ist bekannt, dass sich der Wasseraustausch in der flachen Rigaer Bucht nur alle 30 bis 50 Jahre einmal vollzieht - Verschmutzungen würden also langfristige Folgen haben. "Wir sind ja nicht kategorisch gegen Aquakultur", sagt auch Kristīne Raginska, Ortsamtschefin der Gemeinde Engure. "Wir sind aber gegen die Art, wie hier Fische gezüchtet werden sollen - die verlorenen Naturwerte bekommen wir nicht zurück." Das Lettische Institut für Hydroökologie (LHEI) bestätigte diese Annahme in einem Gutachten, das auch der Regierung vorgelegt wurde: durch die Forellenzucht in offenen Gehegen würden demnach jährlich mindestens 400–600 Tonnen Stickstoff und 50–100 Tonnen Phosphor in die Rigaer Bucht gelangen. "Die umfangreichen Emissionen aus der Aquakultur werden mit den Südwestströmungen entlang der Westküste des Rigaischen Meerbusens in Richtung Jūrmala und Riga fließen", meint LHEI-Direktor Juris Aigars. (lsm) Und die laut HELCOM zulässigen Schadstoffgrenzwerte für die Rigaer Bucht werden bereits jetzt überschritten - eigentlich wäre bei Stickstoff eine Reduzierung um 7 % und bei Phosphor um 23 % erforderlich. 

Sollte es trotz dieser Bedenken eine Betriebsgenehmigung für die Forellenzüchter geben, wird diese in der Regel für 30 Jahre erteilt. Noch ist nicht klar, wie die Umweltverträglichkeitsprüfungen der zuständigen lettischen Behörden ausfallen werden. Auch eine Aufforderung an das Unternehmen, die Zucht in geschlossenen Käfigen zu prüfen, wäre möglich. Von Seiten des Ministeriums für Klima und Energie (KEM) werde es aber keine Einwände geben, betont dessen Vertreter Jānis Irbe