9. Dezember 2007

Auf den Spuren der Denkmäler

Wer kennt Makss Metjūss? Vielleicht würde er uns in Riga über den Weg laufen, aber viel verrät Makss nicht über sich. Allerdings versucht er sich lettischen Gepflogenheiten anzupassen, und das bedeutet für Menschen aus anderen Ländern oft schon ein kleines Versteckspiel. Makss ist zugezogen aus Anglija - also England. Und da Makss sich offenbar in Riga wohlfühlt, hat er die alte englische Schreibweise (Max Matthews) aufgegeben und schafft sich fleissig neue Identitäten: als Stadtführer und Buchautor. Seine Internetseite widmet er seinem neuen Lebensinhalt: der Erforschung Rigas.

Auch anderen ist sicher schon die Vielfalt an Denkmälern, Gedenksteinen, Plaketten und Skulpturen in Riga aufgefallen. Ständig kommen neue hinzu - auch wenn die großen Schlagzeilen sich eher um Andenken an Sowjetzeiten drehen. Doch viele steinerne und metallene Ze
ugnisse finden sich auch eher unscheinbar am Wegesrand - Makss fotografiert sie und versucht Informa- tionen dazu zu recher- chieren. Dabei doku- mentiert er auch vergängliche Kunstwerke, wie zum Beispiel die Figur des "Denkers", die 2004 nur ein paar Monate lang in der Nähe des lettischen Parlaments ihren Platz hatte, oder "Spiderman", der sich 2005 plötzlich an einigen Parkbäumen fand. Makss hat aber auch die "ganz gewöhnlichen Denkmäler" aufgelistet - bisher sind es allein schon 129, die an bestimmte Personen der Geschichte und Kultur erinnern sollen.

Und Makss lernt auch gern dazu. Denn in Riga gibt es wie in jeder Stadt, die gern Gäste und Besucher/innen empfängt, eine Menge nett klingende Geschichten. So fotografiert Makss auf dem Rathausplatz die Gedenkplakette an den angeblich ersten Weihnachtsbaum, den es im Jahre 1510 in Riga gegeben haben soll - eine Geschichte, die auf Martin Luther persönlich zurückgeführt wird. Aber von Lesern seiner Webseite lässt sich Makss belehren, und dokumentiert nunmehr auch die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dieser Geschichte.

Bei Makss lässt sich in aller Ruhe "surfen", denn Makss hat auch Rigas Friedhöfe und Kirchgärten "durch- forscht": wer hätte schon gewußt, dass in in Riga noch ein Denkmal zu Ehren der deutschen Landeswehr gibt? Oder die Reste der Berliner Mauer, die in Riga aufgestellt sind? Oder, neben den Gedenken an deportierte Letten, auch den Gedenkstein an die von Sowjets 1941 aus Riga deportierten Russen? Wer weiß schon, dass es mitten in Riga ein Kunstwerk zu Ehren von an AIDS gestorbenen Künstlern gibt? Oder das die japanische Stadt Kobi Riga eine Uhr schenkte? Oder den Gedenkstein, der an den Baum erinnert, den Peter I. in Riga pflanzte? Auch Usbekistan schenkte Riga ein Denkmal: es stellt Mirzo Ulugbek dar, einen Wissenschaftler aus Samarkand.

Fehlt eigentlich nur der Ergeiz, es Anglijas Makss gleichzutun. So nach dem Motto: ich sehe etwas, was Du nicht siehst ...

Webseite "Riga Research"

Makss' Liste der Denkmäler in Riga

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