24. März 2008

Kauf Kartoffeln, statt Brot!

Einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Dienas Bizness" zufolge machen sich in Lettland im Verbraucherverhalten die unterschiedlichen Preissteigerungen bemerkbar. So sei die Nachfrage nach Kartoffeln wegen ihres vergleichsweise geringen Preises in den vergangenen Monaten um 20% gestiegen, während das ach so berühmte und von Lettinnen und Letten im Ausland so vermisste lettische Brot einen Rückgang von 10 - 15% zu beklagen habe. Der Karikaturist derselben Zeitung illustrierte sarkastisch daraufhin folgende Unterhaltung eines Ehepaares beim Einkauf: "Wahnsinn, alles ist schon wieder teurer geworden! Man prüft wohl, bald Essenszuteilungen einzuführen." - "Ach Quatsch, nichts ist teuer, denn des Letten billigstes und am meisten geliebte Gericht ist doch ... ein anderer Lette!"Während bei Autos, Wohnungseinrichtung oder HiFi-Geräten nicht unbedingt Zurückhaltung im Käuferverhalten festzustellen war - schließlich gab es bis vor kurzem überall als günstig angepriesene Kredite zu haben - setzt nun vielleicht jener Trend ein, der in den westeuropäischen Wohlstandsländern längst weit verbreitet ist: spare am Essen.

Dienas Bizness erinnert an die unberechenbaren Zyklen der freien Marktwirtschaft, auch an die Wirtschaftskrise in Russland Ende der 90er Jahre. Nach einem Wachstumsboom könnte nun wieder eine Phase des vorsichtigen Überlegens in Lettland kommen. "FinanceNet.lv" erinnert an die 2007 um 31,7% gestiegenenen durchschnittlichen Lohnkosten pro Stunde (von 2,46 auf 3,25 Lat, oder von 3,70 auf ca. 4,90 Euro). Doch gibt es noch große Unterschiede, wie etwa einen durchschnittlichen Stundenlohn von ca. 10 Euro im Finanzgewerbe, aber nur ca. 3 Euro im Hotel- und Gaststättengewerbe (wo soll sie herkommen, die Kundenfreundlichkeit?), oder 3,35 Euro in der Fischerei. Dieses Jahr hoffen Finanzexperten auf einen "maßvollen" Lohnanstieg um nur 5-6%. Kommentar eines Lesers im Internet: "Sollen sie doch den Mindestlohn auf 600 Lat angeben, dann wandert auch niemand mehr nach Irland aus!"

Zu den Zahlen unten: Lohnanstieg in Lettland 2006 und 2007. Zahlen des lettischen staatlichen Statistikamtes CSP. Erläuterung: A = Land- und Forstwirtschaft, Jagd, B = Fischerei, C = Industrie, D = verarbeitende Industrie, E = Elektroenergie, Gas- und Wasserve
rsorgung, F = Bauwirtschaft, G = Handel, Autos, Motorräder, Haushaltsgeräte, H = Hotels und Restaurants, I = Transport und Rettungswesen, J = Finanzwesen, K = geschäftliche Dienstleistungen, L = staatliche Verwaltung und Verteidigung, M = Bildungswesen, N = Gesundheitswesen und Soziales, O = gesellschaftliche, soziale und individuelle Dienstleistungen
Wo geht die Reise hin? Dienas Bizness berichtet auch von Veränderungen bei den lettischen Lebensmittelproduzenten. Bei Milch und Käse sei ein Umsatzrückgang voraussehbar, zumal die Produktion durch ab dem 1.4. steigende Energiekosten noch verteuert würde. Demzufolge werde die Käseproduktion zurückgehen, denn mangels Kaufkraft werde der lettische Käse weniger gekauft. Schon im Januar berichtete die lettische Milchwirtschaftszentrale (Latvijas Piensaimnieku centrālajā savienībā, LPCS) von einem Rückgang der Käseproduktion um nicht weniger als 19%. Dienas Bizness zufolge waren die Preise für Brot im Jahr 2007 um 38% gestiegen, bei Milch um 27,8%, Käse sogar um 42,9%. Dagegen wurden Kartoffeln um 13,9% billiger. Während die jährliche durchschnittliche Inflation im Januar 2008 auf 15,8% geschätzt würde, seien die Preise der wichtigsten Lebensmittel aber sogar um 19% gestiegen.

14. März 2008

Russen in Lettland – wie sind sie?

Tatjana Russita
Aus: Psiholoģija ģimenei un skolai (Psychologie für Familie und Schule), Nr.3, 2007


Eine der interessantesten Fragen, die gegenwärtig in der lettischen politischen Arena erörtert werden, ist die Frage nach den zwei verschiedenen Gemeinwesen unseres Staates. In den letzten Jahren haben sich die Leidenschaften etwas gelegt, dennoch ist die Frage weiterhin aktuell. Es ist niemandem ein Geheimnis, dass der Informationszusammenhang der russisch- und lettischsprachigen Einwohner Lettlands ein völlig verschiedener ist. Niemand weiß wirklich genau, was in den Zeitungen in der anderen Sprache geschrieben wird, oder was wirklich im Fernsehen in der anderen Sprache geredet wird, aber alle sind überzeugt: „Etwas Gutes erzählen ‚sie‘ über ‚uns‘ nicht.“ Im Rahmen des alltäglichen Zusammenlebens kommen die Menschen über die öffentlichen Verkehrsmittel, den Arbeitsplatz oder andere Einrichtungen miteinander in Kontakt, aber in Wahrheit wissen die einen über die anderen fast nichts. Ich kann in Ruhe darauf wetten: wenn Sie selbst sich fragen „was weiß ich über die Russen?“, und danach „was weiß ich über die Letten?“, dann werden Ihnen nur die üblichen Stereotypen einfallen. Also, vielleicht lernen wir sie ein wenig kennen?
In den Jahren 2005 bis 2006 wurde in Riga eine Untersuchung durchgeführt, an der 89 russischsprachige Jugendliche und Heranwachsende teilgenommen haben. Wir haben uns bemüht, dass diese Auswahl der Befragten alle beteiligten Unterrichtseinrichtungen gleichmäßig repräsentieren, dort wo gleichermaßen in lettischer wie in russischer Sprache unterrichtet wird.
Ziel der Untersuchung war eine Analyse zur Identität von russischsprachigen Heranwachsenden und Jugendlichen, doch im Rahmen dieses Berichts werden keine eng begrenzten Fachbegriffe oder Statistiken verwendet, die wir an dieser Stelle auch nicht tiefgehender erläutern könnten, sondern wir sehen uns einige interessante Aspekte an, die nicht nur in den Interviews berührt wurden.
Wir versuchen von den Russen zu erzählen. Einige Beobachtungen sind offensichtlich und bestätigen nur bereits bekannte Fakten, andere waren aber auch für uns selbst unerwartet.

Schon über mehrere Jahrzehnte zieht sich ein Streit in der Ethnologie darüber hin, was als „Nationalität“ angesehen werden sollte. Die Herkunft? Das, was im Pass steht? Oder das, was dem Zugehörigkeitsgefühl jedes Einzelnen entspricht?
Eine Mehrheit der Soziologen ist heute der Ansicht, dass die ethnische Zugehörigkeit des Menschen (falls überhaupt die Notwendigkeit besteht, etwas darüber auszusagen, worüber große Zweifel bestehen) von seinem eigenen Gefühl der Zugehörigkeit bestimmt wird, und die Grundlage dafür sind weitere objektiven Faktoren. Ethnische Gruppen tauchen auf und verschwinden wieder, konstruiert von Politikern und der öffentlichen Meinung. Zum Beispiel reden viele Wissenschaftler heutzutage von der Bildung einer neuen Gruppe „Russen in Lettland“ – diese unterscheidet sich sowohl von den Russen in Russland, als auch von den Letten. Genau von dieser Gruppe wollen wir reden.

Unter weltweiten Maßstäben ist eine sehr kleine Gruppe ausgesprochen heterogen. Die in Lettland lebenden Russen sind völlig unterschiedlich. Sie bezeichnen sich selbst sehr unterschiedlich. Von den von uns Befragten bezeichnete sich eine Mehrheit als Russen, doch im Verlauf der Unterhaltung ergänzten sie präzisierend: „ein Russe in Lettland“, oder „Russischsprechender in Lettland“. Sehr oft redeten die Befragten über ihre gleichzeitige Zugehörigkeit zu zwei Kulturen und darüber, dass ihnen das wichtig sei.
Viele sehen sich als „Weltbürger“, als Europäer. Unabhängig davon, ob eine Nationalität im Pass ihrer Eltern steht, schließen einige Jugendliche jegliche ethnische Zugehörigkeit aus, oder verwenden bei der Charakterisierung ihrer selbst Begriffe wie „zur Hälfte“, „teilweise“, „eher Russisch“, „halbrussisch“, „etwas in der Mitte“, oder „nicht Lette, nicht Russe“.
Wenn wir von den Kennzeichen einer ethnischen Gruppe reden, dass sie gegeben sei „mit dem Blute“, dann sind unter den lettischen Russen viele, von denen man solche Kennzeichen nicht benennen kann. Es ist bekannt, dass während der Zeit der Lettischen Sowjetrepublik viele Ukrainer und Weißrussen ins Land kamen, und noch vor ihnen lebten viele Juden in Lettland. Dennoch neigt die heutige zu Verallgemeinerungen neigende Gesellschaft dazu, alles nach einheitlicher Schablone zu messen und alle als Russen zu benennen, ob das nun ihnen entspricht oder nicht. Wo es einmal Russen sind, da sind es Russen: „Worüber streitet ihr euch? Mir ist das nicht wichtig, unter meinen Ahnen war kein Russe ...“. Sie bezeichnen sich selbst als „Russischsprachige“, „zur russischen Kultur gehörig“.
Einer der Befragten charakterisierte sich folgendermaßen: „Ich bin ein russischsprachiger Jude Lettlands. Zusammengenommen: ein Rigenser.“ Rigenser zu sein, das ist wichtiger als russisch, lettisch, jüdisch oder ukrainisch zu sein.
Aber was sind die Vorlieben, was die Abneigungen der russischsprachigen Jugendlichen Lettlands? Auf was sind sie stolz, für was schämen sie sich? Was wünschen sie sich, und was macht ihnen Angst?
Ehrlich gesagt, spiegelt das im Folgenden Gesagte eher automatische Stereotypen wieder als die Realität, aber es macht dennoch Sinn es genauer zu betrachten.
Es ist einfach zu erraten, auf was in ihrem „Russentum“ die Befragten am meisten stolz sind: Kultur und Sprache. Die absolute Mehrheit wertet die russische Sprache sehr hoch und sind stolz darauf. Das Wichtigste ist den Jugendlichen die Kultur. Wenn sie über die Kultur sprechen, erwähnen sie die große russischen Schriftsteller und Wissenschaftler, die Errungenschaften Russlands in Kultur und Wissenschaft. Hauptsächlich werden russische Schriftsteller genannt: Puschkin, Lermontow, Dostojewski; Arbeiten, auch Errungenschaften in Wissenschaft und Sport: der Flug Gagarins, die Erfolge des russischen Eiskunstlaufens.

Die Jugendlichen erwähnen auch, dass viele der in Lettland lebenden Russen mehr über die russische Kultur wissen als ihre Altersgenossen in Russland. Sie erwähnen mit Ironie, dass ihre Sprache sie nicht nur von den Letten, sondern auch von den Russen in Russland unterscheidet: wenn Lettlands Russen nach Russland fahren, bemerken die Verwandten an ihrer Aussprache den baltischen Akzent und wundern sich über die Entlehnungen aus dem Lettischen, zum Beispiel über максать (maksat – bezahlen), und аплиециба (apliecība – Bescheinigung, Zeugnis).
Überhaupt waren die Unterschiede zwischen Lettlands Russen und den Russen in Russland ein sehr beliebtes Thema. Indem über die eigenen Unterschiede zu den Russen in Russland geredet wird (ich erinne daran, dass diese selbst in sich natürlich auch sehr große Unterschiede aufweisen), vergleichen die erwähnten Jugendlichen, zum Beispiel, ein kennzeichnendes unterschiedliches Temperament: “In Russland sind die Menschen sehr energisch, lebhaft – uns hat sich schon der Stempel der baltischen Langsamkeit auferlegt“, «wir sind verschlossener ... aber auch nicht so nervös wie die Russen in Russland», und, mit einem Schuß Sarkasmus: “in Russland halten sie alle auf den Straßen ihre Palaver ab!“
Darüber hinaus sehen die Befragten die Russen Lettlands als toleranter, “multikultureller“, und, als Einwohner Lettlands, unabhängig von nationaler Zugehörigkeit, “ andere Völker besser verstehen und annehmen“. Viele reden davon, sie seien in Lettland „europäisierter“ als die Einwohner Russlands.
Bei vielen Politikern Russlands wie auch Lettlands ist der Eindruck entstanden, die Russen Lettlands hätten feste Verbindungen mit Russland und sie fühlten sich einzig als Bestandteil Russlands. Die Untersuchung zeigte jedoch, dass dies überhaupt nicht der Fall ist. Einigen ist in der Tat eine emotionale Verbindung mit Russland gemeinsam, Grundlage dieser Aussagen sind dann Sätze wie “meine Seele ist dort“, „ich liebe Russland, auch wenn es für mich nichts bedeutet.“ Dennoch haben einige auch einen völlig entgegengesetzten Standpunkt: “mit Russland verbinde ich gar nichts.“Auf die Frage, ob sie in der Zukunft nicht vorhätten, nach Russland zu ziehen, kam manchmal nicht eine bestätigende Antwort – im Extremfall „ich möchte schon – aber wer wartet denn dort auf mich?“Noch ein weiteres in der Gesellschaft verbreitetes Mythos kündet davon, dass die Russen weit mehr als die Letten von der sowjetischen Vergangenheit zugewendet sind. Von den von uns Befragten stimmten nur sehr selten jemand dem zu. Sicherlich laufen in vielen ehemaligen Sowjetrepubliken momentan ähnliche Prozesse ab: es wächst eine junge Generation auf, zu Zeiten der Unabhängigkeit geboren, deren ethisches Selbstverständnis von der sowjetischen Vergangenheit nur unwesentlich berührt wird.
Vielsagend ist, dass einige Menschen nicht nur der Ansicht sind, dass alle Russen Schuld sind an dem vergangenen Sowjetsystem, aber auch die Kinder der Schuld der Eltern zugerechnet werden. Viele unserer Befragten, befragt nach den unangenehmen Gefühlen, die mit ihrer nationalen Zugehörigkeit verbunden sind, erzählten zum Beispiel von Lehrern die “die ganze Zeit diese Okkupation durchkauen“ – was sehr unangenehm anzuhören ist.
Ausnahmslos alle Befragten, die das Thema der Okkupation berührten, waren der Ansicht diese sei Vergangenheit, und sie selbst stünden damit in keinerlei Zusammenhang.
Die von uns Befragten standen jeder Art von Nationalismus ausnahmslos stark ablehnend gegenüber. Darüber hinaus war es ihnen nicht wichtig, welche nationalistischen Sprüche verwendet werden. “Es ist gleichermaßen widerwärtig, wenn die Letten sagen „Lettland den Letten“ und die Russen sagen „Russland den Russen“ – Schande sowohl für die einen wie die anderen.“
Wenn das Gespräch auf das Thema des Nationalismus kommt, sind alle Befragten der Ansicht, dass sich der Nationalismus in Lettland abschwäche. Wir können nicht wissen, was in 20 oder 200 Jahren sein wird, aber heute fällt die Schärfe der nationalen Frage und die geteilte Identität etwas in sich zusammen. Auf der Tagesordnung stehen nicht nur die ökonomischen und die sozialen Fragen, sondern auch die Frage „wann wird es endlich Frühling in diesem Jahr?“die russischsprachige Version dieses Textes finden Sie hier

die lettischsprachige Version dieses Textes finden Sie hier

8. März 2008

Lettische Baumfriseure

Es gibt traditionelle Arbeiten, die von jedem guten Gärtner im Winter erledigt werden. Gut, momentan ist wenig von Winter zu spüren (der wärmste Winter in Lettland seit 83 Jahren - so LETA), auch in Lettland liegt wenig Schnee. Land- und erdverbunden wie sie nun mal sind, die Letten, werden manche Arbeitsabläufe abgearbeitet wie sie nun mal anfallen. So ergab sich Ende Februar ein seltsames Bild in Rigas Brivibas iela: auf hunderte von Metern Länge hatte die lettischen Baumfriseure wohl ihre neuen Sägen (oder ähnliches) ausprobiert.

Gibt es eine Baumschutzsatzu
ng in Riga? Na gut, anzunehmen ist, dass angesichts der ewig hitzigen Diskussion um "sastrēgumi" (Verkehrsstaus) alle anderen Lebenwesen im Innenstadtbereich nicht so sehr beachtet werden. Bäume reihenweise wie Hecken schneiden? Ein Bild, zumindest gewöhnungsbedürftig. Oder ein Beweis lettischer Ordnungsliebe?
Im Zuge des sonstigen Regelungswirrwarrs wurden neulich auch mal die Straßenbahnschienen für Autos gesperrt (eigentlich eine Selbstverständlichkeit!), dann diese Regelung aus Angst vor Protesten der Autofahrer wieder zurückgenommen. Während noch 1997 171.000 Fahrzeuge in Riga registriert waren, stieg diese Zahl bis 2007 auf 335.000 (siehe NRA 21.12.2007). Zwar werden viele Autos auf Kredit gekauft (was bedeutet, dass bei einer Wirtschaftskrise der schöne neue gepolsterte Fahrstuhl auch wieder stillgelegt werden müsste), aber die momentan Autofahrer verlangen möglichst freie Fahrt.

Beim Öffentlichen Nahverkehr steigen die Preise (inzwischen, nach einem kurz- fristigen Zwischen- stop bei 30 Centimes, doch Verdopplung auf 40 Centimes), die Verkehrsbetriebe "Rigas Satiksme" kaufen weiter hübsche, neue Fahrzeuge. Und nicht nur das trägt zur Kostensteigerung bei: schon jetzt muss jeder, der in der Straßenbahn ein Einzelticket benötigt, 10 Centimes mehr zahlen (50 Centimes) - dafür sind dort nun auch automatische Fahrscheinentwerter angebracht. Noch im Herbst soll es in Trolleybussen dieselbe Regelung geben. Die US-Firma ACS profitiert davon: 460 Busse, 322 Oberleitungsbusse und
252 Strassenbahnwagen sollen mit Automaten ausgerüstet werden. "Ein System von Weltformat," so läßt sich Leons Bemhens, Vorsitzender von Rigas Satiksme, in der Fachpresse zitieren. Mit ACS wurde ein Vertrag über 13 Jahre geschlossen. Wo er aber das Geld für all diese Investitionen herholt, wird er bald seinen Rigensern erklären müssen.

Ein einheitliches Cityticket gibt es derweil in Riga immer noch nicht, und die Altstadt leidet immer noch unter den Luxusjeep-Fahrern mit Sonderlizenz, die auch dort rücksichtslos übers Pflaster heizen können.
Dennoch scheinen vorläufig Busse und Straßenbahnen immer noch gut gefüllt mit Fahrgästen. Gewöhnung an 15% jährliche Inflation? Manch einer hätte es wohl lieber, wenn der Run in die Wohlstandswelt ein klein wenig sanfter verlaufen würde.
Wenn Mr Ozolinš und Mrs Liepa denn überhaupt noch in Lettland weilen - viele arbeiten inzwischen im Ausland, der Facharbeitermangel macht sich längst bei den in Lettland tätigen Firmen bemerkbar. Eine Hetzjagd nach dem Wohlstandswunschtraum - so kommt es manchmal vor. Wer hier hinter wem hinterherjagd, wer profitiert und wer der Gejagte ist, auch das scheint manchmal durcheinander zu geraten.

7. März 2008

Vorverkauf zur Sängerparade

Viele sagen ja: während des Lettischen Sängerfests braucht man keine Eintrittskarten. Die Straßen in Riga sind sowieso voll mit den verschiedensten bunt gekleideten Menschengruppen, die immer wieder spontan ihr Liedgut zum Besten geben: unter einem schönen großen Baum, auf einer grünen Wiese, oder an einer Ecke in der Altstadt. Also: Wer vom 5.-12.-Juli 2008 in Riga sein wird, der kommt am Sängerfest nicht vorbei. (Abbildungen: Logos lettischer Chöre und Tanzgruppen)

Dennoch interessant: der Vorverkauf der Eintrittskarten startet am 10.März! Eines der vielen Konzerte könnte sich jede/r Besucher/in ja doch mal raussuchen, und in der lettischen Presse sind bereit viele Einzelheiten zu den Vorbereitungen nachzulesen:
- die Eintrittspreise werden zwisc
hen einem und 25 Lat liegen (1,50 - 37,50 Euro)
- die große Bühne im Mežaparks wird gerade frisch renoviert, und fasst nach Fertigstellung etw
as weniger als vorher: ca. 18.200 Zuschauer
- insgesamt stehen 47.928 Tickets zum Verkauf für insgesamt 251.024 Lat
- 6970 Tickets werden n
ur einen Lat kosten, 545 Tickets werden 25 Lat kosten
- nach alter Tradition werden auch diesmal eine große Zahl bekannter Persönlichkeiten aus Lettland kostenlose Eintrittskarten bekommen
- preislich am günstigsten ist ein Besuch einer der Generalproben: am 5.Juli abend um 21.00 Uhr, Generalprobe für das Eröffnungskonzert, am 7.Juli abends um 22.00 Uhr Generalprobe für das Tanzfest, am 9.Juli abends um 22.00 Uhr Probe für die Hauptveranstaltung des Tanzfestes, und am 11.Juli um 21.00 Uhr die Generalprobe für das Abschlußkonzert.
- 35.000 Teilnehmer/innen singen und tanzen mit, es wird das 24.Sängerfest und das 14.Tanzfest werden (ca. 15.000 Tänzer/innen und 13.000 Sänger/innen).

Na dann: nichts wie hin!

Nur noch eine kleine Randbemerkung: für mich ist Lettisches Sängerfest, wenn es NICHT mit "Bandenwerbung" und Durchsagen auf Englisch begleitet wird - mir graust vor einer möglichen Zukunft dieser Art, wenn mal alles zu einem touristisch aufgemachten Event verkommen sollte. Aber das ist es (noch) nicht, obwohl in Lettland angeblich die Begeisterung fürs Singen leicht zurückgeht, besonders in der jüngeren Generation. Also: Hinfahren, Lettland kennenlernen, mitmachen!





Weitere Infos:

Allgemeine Infos zum Lettischen Sängerfest (Deutsch)


Übersicht der Veranstaltungen (Deutsch)

Infos zu Eintrittskarten (teilweise Deutsch)


Übersicht der teilnehmenden Chöre (Lettisch)

Linkliste zu Webseiten lettischer Chöre

Linkliste lettischer Tanzgruppen