9. August 2011

Lettisches Gemurmel vor baufälligem Hintergrund

Lettische Komparsen dienen offenbar der Baumarktkette "Hornbacher" (Jappa-da-ja-jüppi-düppijäh) neuerdings als Anschauungsmaterial für Rückständig- und Renovierungsbedürftigkeit.
Lettland-Kundige, die aus Versehen mal bei Werbespots nicht wegschalten oder den Ton leiser drehen, werden während des Spots irgendwie Vertrautes wahrnehmen. Souffleusen werden hier nicht gebracht zur Belustigung der deutschen Kundschaft - das lettische Gemurmel läuft im Hintergrund einfach mit. Ein Grundkurs in Europakunde wird es auch nicht sein: ob hier wirklich ein lettisches Städtchen (Kandava? Tukums?) im Ergebnis ein paar Häuser renoviert bekommen hat bleibt unklar.



Was lernen wir daraus? Falsche Frage! Sind Werbespots zum lernen da? Nein - ob die Spots nun informativ, langweilig oder lustig daherkommen, Hauptsache der Firmenname wird nur häufig genug genannt. Wozu ich nun auch noch einen Teil beigetragen habe - aber ich drehe auch den Ton nächstes Mal wieder leiser. Versprochen.

Hornbacher ist zwar international aktiv, bisher in Osteuropa aber nur in Tschechien, Rumänien und der Slowakei. Ob sich hier nun die deutsche Kundschaft einen Witz auf Unbekannte (Idioten?) machen soll (es wird ja kein Hinweis eingeblendet, dass Lettisch gesprochen wird) - auch das bleibt vorerst unklar (der Spot wurde produziert von der Agentur "Heimat" / Berlin). Fleissige Deutsche und andere, die nur faul herumhängen mit den Händen in den Taschen - es passt ins Klischee der Kundschaft. Aber umgekehrt wird ein Schuh draus: vielleicht würde lettische Kundschaft sagen: die Masche kennen wir schon! Denn dass deutsche Hersteller ihre Waren in Lettland teurer verkaufen als im verhältnismäßig reichen Deutschland, das kennen lettische Konsumenten schon länger.

Kommentare:

mahlzeit hat gesagt…

Ich würde es nicht negativ sehen. Alle Letten, die den Spot gemeinsam mit mir gesehen haben, faden ihn sehr originell und empfanden ihn nicht als Angriff. Die Szenen sind übrigens auf jeden Fall in LV gedreht - den Sopt in HD betrachtet, kann man die Straßenschilder lesen: Talsu Iela. Talsi (Das war mein Tipp) scheidet also schon mal aus...

Albatros hat gesagt…

Ja, Talsu iela war mir auch aufgefallen - gibt es zum Beispiel in Tukums (obwohl: im Original sind die Schilder glaube ich häufiger blau, nicht rot - könnte also auch im Stil einfach nachempfunden sein).

Wäre mal interessant zu erfahren, ob Letten den Spot lustig finden. Und dann auch diejenigen, die beteiligt waren ...

mahlzeit hat gesagt…

Ich hab dazu ein paar Kommentare in Youtube gefunden - Es ist Kandava. Und eine beteiligte Schauspielerin (nun ja...) ist offenbar recht stolz auf Ihren Auftritt.

Die roten Schilder sind soviel ich weiß irgenwie ein Zeichen für "sehenswert".

Hornbach Spots sind nun mal ein wenig anders, für meinen Geschmacht wesentlich hochwertiger als die meiste restliche Werbung...

Dr. Axel Reetz hat gesagt…

Nein, Tukums ist das sicher nicht, ich tippe auch auf Kandava, wo ich selten selbst war. Der Film ist auf den ersten Blick krass - was Albatros nicht alles entdeckt - andererseits gab es vor Jahren einen UNDP Human Development Report, der den Letten nachgesagt hat, viel ZEIT für die Arbeit zu verwenden, aber wenig zu erreichen. Der stammt von lettischen Wissenschaftlern.

Albatros hat gesagt…

Es ist definitiv KANDAVA. Die Stadt selbst hat den Spot jetzt verlinkt.

http://www.kandava.lv/?id=2723

Dort steht, der Clip sei von "Angels Film Production" hergestellt. Eine Firma gleichen Namens gibt es zwar, dort aber keinen Hinweis auf den Clip.
Lettische Kommentare auf der Kandava-Seite ebenfalls noch keine.

Paula hat gesagt…

Es ist definitiv KANDAVA!Dort sieht es,in Wirklichkeit, NICHT so schlimm aus!!!Ich finde es Schade,dass von gewissen Deutschen Lettland so erniedrigt wird!Ich bin eine gebürtige Lettin.(geboren in Riga)