30. März 2010

Es geht auch ohne Lettisch - irgendwie ...

Eigentlich wäre diese Nachricht eher etwas für den 1.April. Aber wenn große Presseorgane es wollen, dann gelingt es auch an anderen Tagen, ein Lächeln auf die Lippen anderer Menschen zu zaubern. Oder wurde hier etwas zu früh abgedruckt?

Nein, es geht nicht um den gefällig geschriebenen Bericht im SPIEGEL über "Studieren in Riga". Man hätte ihn in aller Ruhe lesen können, diese wahrscheinlich wohlmeinenden Zeilen über Uni-Kurse auf Lettisch oder Russisch, über die wenigen internationalen Gaststudierenden (Stichwort. Erasmus), über das lettische Aushängeschild Nanotechnologie, und über Luxuslimosinen, die an obdachlosen Müllsammlern vorbeibrausen. So jedenfalls die offenbar eher zufälligen Bemerkungen der Autorin. 

Wären da nicht doch drei Zeilen Inhaltliches gewesen. Doch dies hätte vielleicht ein wenig Hintergrundrecherche erfordert, und nicht nur Kurzgespräche mit zufällig vorbeilaufenden Studierenden, die alle erst am Anfang ihrer Studien in Riga zu sein scheinen. "Das Vaterland ist den 2,2 Millionen Letten besonders wichtig," schreibt die Autorin. Aber was dann kommt, das ist doch eines Zitats wert. Dass Lettland seit 1989 wieder unabhängig sei, gut das kann man noch mit dem Fall der Mauer verwechseln, wenn man sehr die deutsche Brille aufhat. Aber weiter: "Die Figur der Milda, einer lettischen Widerstandskämpferin, auf dem 42 Meter hohen Freiheitsdenkmal gleich neben der Uni verkörpert den Kampf gegen das Joch der Deutschen, Russen, Polen und Schweden in vergangener Zeit." (SPIEGEL 30.3.2010)

Welche "lettische Widerstandskämpferin" hier Modell gestanden haben soll, na, das möchten wir nun doch gern wissen! Liebes lettisches Institut, das doch so gern Infotexte zu Lettland herausgibt für Nicht-Lettischkundige, bitte übernehmen Sie!

P.S.: Und vielen Dank den aufmerksamen SPIEGEL-Lesern, die uns auf diesen Beitrag aufmerksam gemacht haben!

P.S. 2 : "na ja, vielleicht meinen sie ja mit dieser Formulierung, dass das ganze lettische Volk widerstanden hat" (so eine wohlmeinende Äusserung von lettischer Seite dazu).Aber es geht eben nichts über Kurzberichte, die im Detail dann doch so nicht - oder ganz anders - zu verstehen sind.

Kommentare:

Dr. Axel Reetz hat gesagt…
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Dr. Axel Reetz hat gesagt…

Das sind nicht alle Fehler: Wenn man schon eine lettische Vokabel dekliniert, dann sollte es wenigstens richtig sein. Cilvēki ist jedenfalls nicht der Genitiv von Mensch, weder im Singular noch im Plural. Daß das e mit dem Längenzeichen nicht abgedruckt wird trotz moderner Computertechnologie, daran hat man sich ja schon gewöhnt.
Dazu kommt der Hinweis auf die "einzige Volluniversität" im Baltikum. Darunter versteht man eine Universität mit Fakultäten in allen Wissenschaften und der Möglichkeit zur Promotion und Habilitation, wenn es auch an einer detaillierteren Definition fehlt. Was ist mit Tartu und Vilnius, die beide über eine jahrhundertealte Tradition verfügen? Vielleicht blieb die Autorin hier am ebenso problematisch begründeten Baltikum-Begriff hängen.